Meine Güte, muss ich denn auch noch eine Rezension schreiben? Ja, weil ich kompetent bin und es gut eine mehr sein kann für die grösste Science Fiction-Serie der Welt *verbeug*. Es wird meine einzige sein, hier bei Band 1 und stellvertretend für alle folgenden, weil früher oder später sowieso jeder zum Fan gewordene PR-Leser ganz von vorne anfangen will.
Mein Einstieg in die Serie begann 1980 als Kind mit Heft Nr. 168 von Willi Voltz (sic!), mitten im Blues-Zyklus, den ich bis ans Ende (Heft 199) gelesen habe, nur um dann ganz von vorne anfangen zu wollen. Natürlich musste ich mir zuerst die Hefte 1-167 zusammensuchen, und natürlich habe ich auch gleich alle anderen Hefte, die zu kriegen waren gekauft und am Ende betrug mein Bestand etwa 800. Erst als Azubi konnte ich mir die silbrigen Bücher leisten, um dann beim nächsten Umzug tränenreich Abschied zu nehmen von einigen Bananenschachteln voll mit schmuddligen Second Hand-Heftchen und von meiner Kindheit.
Die Hefte hatten aber ihre Vorteile: Jedes besass ein tolles Cover, ein Vorwort, Leserbriefe, Risszeichnungen, wissenschaftliche Artikel und Jubiläumsausgaben, die den Beginn eines neuen Zyklus markierten, waren besonders aufwendig gemacht. Die Hefte zu lesen hatte aber auch einen Nachteil: Manche wichen so vom Haupterzählstrang ab, dass sie als eigenständige Romane durchgehen konnten und nichts oder wenig zum Zyklusthema beitrugen, worauf man doch bei jedem Heft hoffte. Man bekam sogar das Gefühl, dass die weniger beliebten oder neuen Autoren oder gar Reservisten solche Geschichten zugeteilt bekamen und nur der harte Kern der Autoren auch Kern-Geschichten schreiben durften.
Beide diese Vor- und Nachteile sind mit dem Erscheinen der Bücher Makulatur geworden, ja es wurde sogar dafür gesorgt, dass die Romane, die es in die Bücher schafften, überarbeitet wurden, um flüssig ineinander übergehen. Dennoch spürt man die unterschiedlichen Stile der Autoren noch heraus.
Nun, ob man zum Fan wird, hängt meiner Meinung stark davon ab, wo man einsteigt, mitten in einem Zyklus oder genau am Anfang eines solchen. Und jeder Zyklus gefällt unterschiedlich. Ich hatte Glück: Mein erster Roman war gut, in sich abgeschlossen und er machte neugierig auf das nächste Heft.
Die ersten Buchbände also, so gut sie auch sind, haben einen gewichtigen Nachteil: Zwischen dem Zeitpunkt, an dem die Geschichten geschrieben wurden und heute liegen 50 Jahre. So wissen wir heute zum Beispiel, dass sich auf der Venus kein Dschungel, geschweige denn Leben befindet, und die Vorstellung, dass es intelligente, technisch fortgeschrittene Ausserirdische in jeder nur denkbaren, geometrischen Form und Grösse oder als Fische, Vögel, Käfer oder gar Würmer geben könnte, ist heutzutage aus biologischer und evolutionstechnischer Sicht unvorstellbar. Das funktioniert nur noch in einem Film, der eher als Märchen konzipiert ist, denn als Science Fiction.
Aber die ersten 3 Bände bieten Lösungen auf die wichtigsten Probleme interstellarer Raumfahrt:
1. Die Entfernungen zwischen den Sternen
2. Das Überleben der Menschheit trotz feindlichen Begegnungen mit überlegenen Aliens
3. Die, unter kosmischen Masstäben betrachtete, Lebenserwartung einer Eintagsfliege der Protagonisten
Mit der Lösung von Punkt 1 beginnt in Band 1 denn auch alles: Der Entdeckung eines ausserirdischen Raumschiffes. Aus dem nun folgenden Wettlauf der Weltmächte um das Knowhow der Ausserirdischen geht schliesslich die "Dritte Macht" um Perry Rhodan hervor, deren Existenz auch gleich den Weltfrieden und somit die Zukunft der Menschheit sichert.
Im Laufe dieses Konfliktes tauchen die ersten Mutanten auf, die sich Rhodan anschliessen und in Band 2 im "Mutantenkorps" zusammenfinden. Mit deren Hilfe lassen sich nun elegant nicht nur erdgebundene Konflikte lösen, sondern auch die ersten ausseridischen Aggressoren abwehren und ist somit die Lösung von Punkt 2.
Nun, wo endlich unendliche Weiten mit neuen Herausforderungen warten, würde aber ein einzelnes Raumschiff, trotz Mutanten und Rhodan schwerlich lange bestehen können, also muss die restliche Menscheit mitziehen. Das dauert... sagen wir mal gnädig paar Jahrzehnte und ein greiser Protagonist à la Yoda ist für die Leser der Zukunft wohl nicht so das Gelbe vom Ei? Also muss in Band 3 "der Unsterbliche" gefunden und davon überzeugt werden, wie gut der Galaxis (und darüber hinaus) ein Rhodan täte, der auch etwas länger lebte.
So, wer den dritten Band gelesen hat, ist im Rhodan-Kosmos angekommen und wird weiterlesen, darum neigt sich meine Rezension nun dem Ende zu. In die tollen Zyklen ab Buch 68 (Heft 600) habe ich aus verschiedenen Gründen nur noch sporadisch reingelesen. Immerhin, 80 Silber-Bände stehen für meine Kinder im Keller bereit. Das reicht für 5 Sterne für eine Serie, die genauso wie die die "Boje Science Fiction"-, "Die 3 ???"- und Karl May-Bücher jede Kindheit und Jugend bereichert.