In einem Französischkurs haben sie sich kennen gelernt und seitdem treffen sie sich jeden ersten Dienstag im Monat im "Le Jardin" zum Tafeln und Tratschen. Das ist nun 15 Jahre her und über die Jahre sind sie beste Freundinnen geworden. Dabei sind sie eigentlich völlig verschieden.
Caroline ist erfolgreiche Staatsanwältin mit Prädikatsexamen, glücklich verheiratet mit dem Arzt Philipp und Mutter zweier wohlgeratener, inzwischen erwachsener Kinder. Zu allem Überfluss wird ihr auch noch der Hof gemacht vom George Clooney der Kölner Anwaltschaft. Eva, früher die Ehrgeizigste des Quintetts, lebt nach 15 Ehejahren mit Frido nur noch ausgelaugt und gestresst für ihre vier Kinder. "Bei vier Kindern in fünfeinhalb Jahren war sie sich zwischen Wochenbett, Wiege und Waschmaschine selbst abhandengekommen." Estelle, Herrscherin über eine Apothekenkette, ist ein Luxusweib, wie es im Buche steht, mit "der Nase fürs Geld und den Sinn fürs Ausgeben". Sie wird von ihrem Mann vergöttert und ihrem persönlichen Berater ausgestattet. Die Jungdesignerin Kiki ist ebenso erfolglos im Beruf wie unglücklich verliebt. "Kiki träumte von einer festen Beziehung, liebte den Sex jedoch mehr als die daran beteiligten Männer." Die zerbrechlich wirkende Judith hat soeben durch den Krebs ihren zweiten Mann Mann verloren und will statt seiner auf dem Jakobsweg pilgern, um Abschied zu nehmen. Er hinterließ ihr ein Pilger-Tagebuch, das als Reiseführer dienen soll. Den Kummer können sie ihrer besten Freuindin nicht abnehmen, aber den Weg wollen sie gemeinsam mit ihr gehen.
"Probleme, die hat man nicht, die löst man. Wenn es sein muß mit Pilgern ... Die Dienstagsfrauen pilgern nach Lourdes."
Doch die beschwerliche Wanderreise auf ausgetretenen historischen Pfaden führt sie nicht nur an ihre körperliche Belastungsgrenze, sondern auch an tief sitzende Probleme, die sich bisher im Alltag gut haben verdrängen lassen. Auch ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Kiki muß sich ihrer unglücklichen Liebe ebenso stellen, wie Caroline ihrem untreuen Mann und Judith ihrer eigenen Untreue. Eva entdeckt, wie fremdbestimmt ihr Leben ist und wie sehr sie sich selbst in den vergangenen Jahren verloren hat. Estelle behält zwar ihre hohen Ansprüche und ihre spitze Zunge, erkennt aber nach und nach die Last des Luxus. So wird der Weg nach Lourdes für jede von ihnen zu einer Reise zu sich selbst.
Werden sich die fünf Freundinnen der Zerreißprobe stellen? Gehen sie gestärkt oder gebrochen aus dieser Pilgerfahrt hervor? Hält ihre Freundschaft den Belastungen stand?
"Selbstfindung war nie meine Sache. Meine Mutter sucht sich heute noch."
Die Pilgerreise, als Unterstützung für die trauernde Judith gedacht, wird für die fünf Freundinnen ein Augenöffner. Nicht nur Caroline erlebt ihr blaues Wunder. Nach der Reise ist nichts mehr, wie es war.
"Pilgern wirkte wie ein Brennglas. Alle Konflikte, die man im alltag durch hektische Betriebsamkeit übertünchen konnte, brachen auf."
Monika Peetz hat nicht nur das Buch, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Ulrike Kriener spielt mit Caroline die Hauptrolle und spricht auch das Hörbuch. Die Dialoge sind es auch, die den Film so sehenswert machen. Die Bewegung findet vor allem in ihren Figuren statt, ausgelöst durch die eintönige, fast medetative gleichmäßige körperliche Bewegung des Wanderns. Diesen Effekt wird nicht nur Hape Kerkeling bestätigen können, sondern jeder, der sich auf Wanderschaft begibt.
So ist es denn auch spannend, die wunderbar überzeichneten Charaktere (Nina Hoger ist die exzentrische Estelle, Saskia Vester Eva, das Heimchen am Herd, das sich von ihrerer Familie hat auffressen lassen und Inka Friedrich spielt die Judith, Auslöserin der Pilgerreise, die es faustdick hinter den scheinbar unschuldigen trauernden Ohren hat) dabei zu beobachten, wie sich ihr gesamtes Leben umkrempelt, denn hinterher ist nichts mehr, wie es war.
"Die Dienstagsfrauen" ist launiges Frauenkino über Liebe, Verrat und Freundschaft. Mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen und ich habe die Pyrenäen-Pilgerreise sehr genossen ...