Die erste Überraschung ist der Umfang des Buches: es ist mehr als doppelt so dick als ein "normales" Akunin-Buch, die zweite Überraschung ist der Inhalt: an sich sind es zwei Bücher, das erste Drittel spielt 1905, die anderen beiden beschreiben Fandorins Abenteuer zu seiner Zeit als Vizekonsul in Japan dreißig Jahre früher.
Im Unterschied zu meinen Vorrezensenten, denen überwiegend die japanische Hälfte mehr Bauchschmerzen bereitete als die russische, sehe ich das anders: im ersten Drittel verschenkt Akunin (für ihn völlig untypisch) unglaublich viele Möglichkeiten, die Geschichte ist inhaltlich dünn und mit 172 Seiten zu knapp erzählt, da hätte sich mehr daraus machen lassen. Das Ende, daß der Sohn in den Tod geht, ohne sich dem Vater wenigstens vorgestellt zu haben, halte ich zwar für gelungen, wenn auch für dem Leser gegenüber sehr grausam.
Die japanische Episode gibt nicht nur Aufschluß darüber, wie lange es Clarissa Stomp aus "Mord auf der Leviathan" gelungen ist, Fandorin in Kalkutta festzuhalten (eine ganze Woche!), sondern auch, wie es sich zutrug, daß Fandorin zu seinem Kammerdiener Masa gelangte. Sie schließt tatsächlich eine Lücke zwischen dem dritten und dem vierten Band und macht vor allem auch deutlich, warum Fandorin nach seiner Rückkehr nach Russland endgültig der Überzeugung ist, daß er den Frauen kein Glück bringt...
Ich finde nicht, daß die Episode zu lang erzählt, langweilig oder anderweitig misslungen ist. Sie hat ihren eigenen Rhythmus, das ist richtig, aber ich glaube, das ist Absicht: Die Europäer sind immer so ungeduldig...
Darüberhinaus steckt in diesem Buch (wie schon im Titel erkennbar) ein Haufen buddhistischer Philosophie. Auch wenn ich dem Autor nicht immer ganz folgen kann, interessant ist auch das.