Die Niederlande, ein Land das von vielen Deutschen bewundert, aber auch belächelt wird und wurde. Die Menschen denken dabei an schöne Seebäder, Naherholungsgebiete, Amsterdam mit diesen prächtigen Grachten, aber auch an Menschen die gerne anders sind als andere. Die Gesetzgebung ist in vieler Hinsicht extrem liberal und pragmatisch. Das Wort Toleranz wird in Verbindung mit Holland häufiger benutzt als für jedes andere Land in der Welt.
Doch woher kommen diese Wahrnehmungen und entsprechen sie auch der Realität?
Geert Mak, ein in Holland sehr beliebter Schriftsteller hat vieles in seinen Betrachtungen über seine geliebte Heimat beleuchtet. Er geht dabei zurück in die früheste Geschichte der heutigen Niederlande und beginnt mit den Batavern, die schon den Römern die Stirn gebote haben. Mak lässt kein Jahrhundert aus bis in die heutige Zeit und dabei wird deutlich wie so etwas wie ein holländischer Volkscharakter entstehen konnte. Es gab fürchterliche Zeiten wie überall, aber auch ein goldenes Zeitalter, das etwa 100 Jahre währte. Es war zwar nie eine Weltmacht und doch immens reich mit einem gebildeten Bürgertum. Mak entlarft auch Klischees, die sich bis heute fest mit den Niederlanden verkittet haben. Die gepriesene Toleranz ist demnach nicht mehr als ein angeborenes Desinteresse an Dinge, die sie nicht betreffen. Oder der Widerstand gegen die Nazis entstand erst nachdem Rotterdam bombardiert worden war. Bis 1940 gab es grossen Zuspruch für die nationalistische Idologie, sie war modern und wurde begrüsst. Antisemitisch waren sie nicht, doch der Widerstand gegen Verrat und Deportation hielt sich lange in sehr engen Grenzen. Kleine Beamte in den Verwaltungen und Rathäusern führten die Befehle der Nazis aus, ohne gross die Moral zu hinterfragen. Mak sucht nicht nach einfachen Erklärungen und relativiert auch nur sehr selten. Das trifft auch zu auf die Kolonien, vor allem Indonesien . So geht es weiter bis in die heutige Zeit, in der die Niederlande zu den wohlhabensten Ländern dieser Erde zählen, ohne eine Weltmacht zu sein.
Geschichte ist sehr schwer ohne Jahreszahlen und Namen zu vermitteln, und hier beginnt Mak sich etwas zu verzetteln. Dem Leser werden unzählige Jahreszahlen und Namen serviert, die kein Mensch behalten kann. Die Einordnung fällt manchmal schwer und erinnert dann auf unangenehme Weise an die Schulzeit, in der man schon als Schüler überfordert war.
Aber insgesamt ist es ein eindruckvolles kleines Geschichtsbuch, das die Niederlande dem Leser näher bringt und auch verständlich macht.