Auch die zweite Staffel der Reihe "Die Deutschen" gefällt durch eine geschickte Auswahl wichtiger Akteure in der deutschen Geschichte. Gerade schillernde Persönlichkeiten aus der zweiten Reihe, wie zum Beispiel König Ludwig II. von Bayern oder Hildegard von Bingen, wecken das Interesse an der Geschichte jenseits der "großen Geschichte". An mancher Stelle fällt auf, dass die zunehmende Komplexität der Geschichte der Moderne Auswirkungen auf die Qualität des Gezeigten hat. So ist einem Betrachter, der die Geschichte der Weimarer Republik nicht kennt, die Lebens- und Wirkensgeschichte Gustav Stresemanns zu komplex. Dieser Umstand liegt wohl in der Verworrenheit der Zeit, in der Stresemann lebte.
Eine Persönlichkeit hätte es schon in die erste Garnitur der Sendereihe "Die Deutschen" schaffen müssen, der Philosoph Karl Marx. Verdientermaßen findet er nun eine entsprechende Würdigung, beeinflusste jener ja den Lauf der weltweiten Geschichte maßgeblich, auch der deutschen Geschichte, der sich diese Sendereihe verpflichtet ist.
Als Verlust sehe ich gegenüber der ersten Staffel das Fehlen der Historikerkommentare als Bonusmaterial an. Allerdings aht man in der ersten Staffel versucht, alle Epochen gleichermaßen abzudecken, was das Fehlen wiederum erklären würde.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Produktionsfirma noch einmal aufrafft und eine Sendereihe "Die Deutschen III" erstellt - angesichts noch fehlender Biographien wie derjenigen Bernhards von Clairvaux oder Norberts von Xanten, Karls V., Philipp Melanchthons, der Gebrüder Asam, Friedrich Wilhelms IV., Wilhelms Emanuel von Ketteler, Friedrich Eberts, Konrad Adenauers, leider auch Adolf Hitlers und Willy Brandts, die ebenfalls auch auf die deutsche Nationsbildung eingewirkt haben.