Dieses Buch ist ein wahrer Schatz für alle Geschichtsinteressierten. Es stellt auch eine prima Einführung für Menschen dar, die Marx, Engels, Togliatti, Gramsci und ihren Schriften gegenüber aufgeschlossen sind, ob der Fülle dieser Schriften jedoch noch keinen richtigen Zugang zu ihnen gewonnen, zu ihnen erlangt haben.
Domenico Losurdo ist nämlich beides, in Geschichte und Marxismus bestens bewandert. Er zeigt in diesem von Jürgen Elsässer als Herausgeber präsentierten, im Kai Homilius-Verlag erschienenen Buch ferner auf, dass das Eintreten für den Nationalstaat, für nationalstaatliche Grenzen und das Eintreten für ethnisch reine Siedlungsgebiete zweierlei sind, bereits vom gedanklichen Ausgang her zweierlei Interessen verfolgt werden.
Mit anschaulich dargestellten, geschichtlichen Zusammenhängen räumt Losurdo von Beginn des Buches an mit dem Mythos von den bösen, ja unverbesserlichen Deutschen auf, die - aus welchem Grunde auch immer, andere Historiker vor ihm konstruierten viele Argumentationen für diese Sichtweise - nur die Chance auf eine demokratische Entwicklung an der Seite beziehungsweise im Schlepptau angloamerikanischer Interessen und der Integration in jene Wertvorstellungen sehen, und so die Westbindung der BRD nach dem WWII als alternativlos beförderten.
Der italienische Marxist begegnet dem Mythos vom deutschen Sonderweg, zeigt auf, in welchen Zusammenhängen wann wer diesen Mythos bemühte.
Losurdo geht detailliert auf die vermeintlichen demokratischen Vorbilder und die gern unterschlagenen Schattenseiten dieser Kulturen auf dem Weg hin zu dem, was als Demokratie gilt, ein, macht gerade deutlich, dass in der Geschichtswissenschaft, geschichtlicher Betrachtung der Vergleich eben kein Tabu ist, sondern gerade hilft, Entwicklungen hier und da vergleichend einzuordnen, um so zu einer gesunden, richtigen Einschätzung zu gelangen.
Dieses Taschenbuch ist in der Compact-Reihe des Kai Homilius Verlages erschienen. Des Formates wegen eignen sich diese hervorragend als Lektüre unterwegs. Man kann es einzeln oder auch billiger im Abonnement beim Verlag beziehen.