Mit der Entwicklung der zehnteiligen Sendung "Die Deutschen" hat das ZDF endlich eine Brücke zwischen einer ernstzunehmenden Geschichtsdarstellung und dem Massenpublikum geschlagen. Auch wenn die feine FAZ die Nase rümpfte, wird jeder, der nur ein halbes Jahr Geschichte in der Schule unterrichtet und das ganze Elend der dort vorherrschenden medialen Präsentation gekostet hat, die neue Serie uneingeschränkt begrüßen.
Schon die erste Folge "Otto und das Reich" vermag die Gründung Deutschlands als Folge der ungarischen Bedrohung, die Konstruktion des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und seine Organisation durch das Ottonische Reichskirchensystem im 10. Jhdt. recht plausibel darzustellen. Der zweite Teil "Heinrich und der Papst" stilisiert das Drama von Canossa vielleicht ein wenig zu monothematisch, aber das Grundmotiv des Kampfes zwischen Kaiser und Papst wird recht deutlich herausgearbeitet. Im dritten Teil "Barbarossa und der Löwe" geht es um die Entstehung der deutschen Landesherrschaft, dargestellt am Beispiel Heinrichs des Löwen. Schade, dass von hier aus kein Weg zur Goldenen Bulle von 1356 und zum Spätmittelalter führt. Stattdessen setzt die Serie erst wieder bei Luther ein (4. Folge ), dessen reformatorischer Furor recht dramatisch rüberkommt. Im Grunde handelt auch "Wallenstein und der Krieg" von der Reformation, und zwar vom schrecklichen Effekt der Religionsspaltung im Dreißigjährigen Krieg (5. Folge). Die Auseinandersetzung zwischen Friedrich II und der Kaiserin Maria Theresia gehört zu den besten Partien des Werkes. Die Schlachten von Hochkirchen, Leuthen, Kunersdorf, die Reformen des Königs und der Unterschied zwischen dem toleranten Österreich und dem militaristischen Preußen werden auch nur mäßig Geschichtsinteressierte so schnell nicht vergessen (6. Folge ). Dann klopft die Weltgeschichte wieder an Deutschlands Tore, denn Napoleon steht vor der Türe und erzwingt in Deutschland tief greifende Reformen ("Napoleon und die Deutschen"- Folge 7). Ein darstellerische Fehlbesetzung schmälert ein wenig den Genuss der Folge "Robert Blum und die Revolution"(Folge 8 ), in der an sich die Revolution von 1848 an sich ganz gut dargestellt wird - wenn nur Robert Blum nicht dauernd so unsäglich herumlispeln würde. Befremdlich allerdings erscheint die positive Grundierung des Bismarcks Attentat am Beginn der Folge "Bismarck und das Deutsche Reich" (9. Folge ), die ansonsten ganz ausgezeichnet Bismarcks Doppelgesicht als erfolgreicher Außenpolitiker und bedenkenloser Machtmenschen im Innern widerspiegelt. Nach so viel gelungenen Folgen kann man die letzte ("Wilhelm und die Welt - Folge 10)leider vergessen. Sie ist ganz im Unterschied zu den neun vorhergehenden Folgen ein Sammelsurium von Szenen und Ereignissen aus einer dreißigjährigen Regierungszeit, an deren Ende man ein wenig ratlos zurückbleibt.
Abgesehen vom letzten Teil aber ist jede einzelne Folge ihr Geld wert, und ich behaupte, dass ein Schüler, der sich diese Serie dreimal aufmerksam ansieht, mehr über Geschichte lernt als der Durchschnitt seiner Altersgenossen, der im Geschichtsunterricht jahrelang vor sich hin pennt. So kann ich diese Cassette auch zu dem deftigen Preis von über 60 Euro uneingeschränkt empfehlen. Am besten gelungen sind meiner Ansicht nach: Otto(1), Barbarossa (3) Wallenstein (5) Friedlich II (6) und Bismarck (9).