BILD, 23.3.98
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Archiv für Polizeigeschichte, März 1998
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Westfälische Rundschau, 17.4.98
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Freundin, Nr. 23, Oktober 1998
"Mit diesem Buch", so die Autorin, "wollte ich die Wurzeln meines Berufsstands ergründen." (...) Höchstens vier Stunden Schlaf pro Tag - mehr war während der Arbeit an dem Buch nicht drin. "Brotberuf und Schriftstellerei unter einen Hut zu bringen", sagt sie, "das geht nur mit eiserner Disziplin, einem geduldigen Ehemann und viel, viel Spaß an der Sache." Den hat die 34jährige garantiert: Schon in der Schule füllt sie die Hefte lieber mit witzigen Geschichten als mit trockenen Aufgaben, später hat sie 50 Brieffreunde weltweit. (...) Die Detektivin wird ein Erfolg, heimst gute Kritiken in den Feuilletons ein. Nikola Hahn hat die Fortsetzung schon im Kopf.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.3.99
Nikola Hahn hat das Frankfurt von 1882 gründlich erforscht: anhand von zeitgenössischen Berichten, sozialhistorischen Darstellungen und dicken Geschichtswälzern. Und sie hat historische Stadtpläne studiert, die Straßen und Gebäude enthalten, welche heute längst verschwunden sind - wie etwa der Clesernhof, wo damals das Polizeipräsidium untergebracht war. "Ich kenne das Frankfurt von 1882 besser als das von 1999", berichtet die Autorin. Vor dem geschichtlichen Hintergrund dieser Jahre entwickelte Nikola Hahn ihre Figuren: den aus Berlin an den Main versetzten preußischen Kriminalkommissar Biddling; den in Frankfurt verwurzelten, mit dem gesunden Menschenverstand der Frankfurter ausgestatteten Heiner Braun und die um Emanzipation ringende, mit einer Leidenschaft für die Kriminalistik ausgestattete Bürgerstochter Victoria Könitz. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Der Autor über sein Buch
Sie sind doch Polizistin, und Sie lesen doch gerne historische Romane? Warum schreiben Sie nicht mal einen? fragte mich ein Literaturagent im Herbst 1996. Zu der Zeit hatte ich schon gut fünfzehn Jahre alles mögliche verfaßt, vom Gedicht bis zum Sachartikel. Eigentlich wollte ich einen zeitgenössischen Krimi schreiben, aber dann nahm mich die Idee gefangen, literarisch zu den Wurzeln meines Berufsstandes vorzudringen, und so entstand "Die Detektivin". Als Autor verliebt man sich ja immer ein bißchen in seine Figuren (auch in die bösen), und alle waren sie vorher mehr oder weniger geplant - nur einer tanzte aus der Reihe, mogelte sich sozusagen frech in die Geschichte hinein und wurde zu meiner persönlichen Lieblingsfigur: Der alte Schutzmann Heiner Braun. Gibt´s eine Fortsetzung? werde ich bei Lesungen ständig gefragt. Jein! Im Herbst 2000 gibt´s erst mal was Zeitgenössisches, aber darüber hinaus bin ich schon fleißig bei der Recherche für einen neuen Historischen Krimi, der eine Generation später spielt ... Wo? In Frankfurt, ist doch klar! Jedenfalls freue ich mich über das große Interesse der Leser an meinem Buch und möchte das Forum hier auch nutzen, um Dankeschön zu sagen! -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Auszug aus Die Detektivin. von Nikola Hahn. Copyright © 1998. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Ach was", versetzte Eduard lässig und stand auf. "Wenn ich Ihnen meinen Platz anbieten darf, Herr Kommissar? Ich wollte ohnehin gerade gehen."
Biddlings Gesichtsausdruck ließ erkennen, daß er sich ärgerte, aber er verkniff sich eine passende Erwiderung. Die unausgesprochene Feindseligkeit zwischen den beiden Männern, die sich gegenseitig belauerten wie zwei Raubtiere vor dem entscheidenden, tödlichen Sprung, machte Victoria angst.
"Wirklich ein ausgesucht höflicher Mensch, Ihr Herr Cousin", bemerkte Richard, als Eduard gegangen war.
Victoria warf ihm einen ärgerlichen Blick zu. "Sagen Sie endlich, was Sie von mir wollen. Ich bin müde."
Richard griff in seine rechte Jackentasche, zog den zerknitterten Zeitungsausschnitt aus dem Weilbacher Provinzblatt hervor und hielt ihn ihr vor die Nase.
"Und?" fragte Victoria provozierend.
"Wo haben Sie das her?"
"Aus einem Papierkorb."
"Sie lügen schon wieder, Fräulein Könitz."
"Es ist Emilie, nicht wahr?"
"Nein."
"Nein?"
"Ich habe mir das Autopsieprotokoll schicken lassen. Die unbekannte Tote, die man am 6. Juli bei Weilbach aus dem Main barg, war mindestens fünf Jahre älter und von besserem Stand als Emilie."
"Wie bitte sieht man einer Wasserleiche an, daß sie von besserem Stand ist?" hielt Victoria ihm pikiert entgegen.
"Ich bin bestimmt nicht gekommen, um mit Ihnen über das Wie und Warum von Sektionen zu debattieren!"
"War der Arzt wenigstens gerichtsmedizinisch geschult?"
"In Preußen gibt es ein besonderes Regulativ für gerichtliche Leichenöffnungen, gnädiges Fräulein."
"Vorschriften laden dazu ein, sie zu übertreten", konterte Victoria frech. "Ich bin jedenfalls davon überzeugt, daß es sich bei der Toten um Emilie handelt."
"Die Leiche hat höchstens acht bis zehn Tage im Wasser gelegen, Emilie ist aber schon am 30. Mai verschwunden, also vor gut sieben Wochen!"
"War der Arzt in Gerichtsmedizin ausgebildet?"
Richards Augen verengten sich. "Was soll diese dumme Fragerei?"
"Es ist ein fataler Irrtum zu glauben, jeder Arzt sei per se fähig, gerichtsmedizinische Befunde zu erheben", erklärte Victoria hochmütig. "Die kriminalistische Seite der Pathologie ist eine Wissenschaft für sich, und gerade bei Wasserleichen kann ein unerfahrender Arzt schlimmen Irrtümern unterliegen."
Richard war verblüfft. "Hat Ihnen das Ihr Onkel erzählt?"
"Nicht direkt. Onkelchen ist nämlich, was Weiber angeht, der gleichen Meinung wie Sie."
"Und die wäre?"
"Erstens: daß sie keine Ahnung haben. Zweitens: daß sie keine Ahnung haben dürfen. Drittens: daß es so das Beste ist."
Richard schloß seine Aktenmappe und stand auf. Es hatte keinen Sinn mit ihr. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.