"Die Denker des Dschungels" - passender hätte der Titel nicht sein können.
Welch hoher Grad an Intelligenz in den roten Riesen Borneos, den Orang Utans, steckt, verrät uns dieses Buch auf eine anschauliche, extrem gut recherchierte Art und Weise.
Wie leben die Orangutan im Regenwald? Wer holzt ihre Wälder ab? Was
machen unsere Politiker dagegen? Und was kann jeder von uns für unsere nächsten Verwandten tun?
(Zitate zum Teil aus dem Buch übernommen):
Sie küssen sich, benutzen selbst gefertigte Werkzeuge und kümmern sich liebevoll um ihre Kinder. Orang-Utans sind
intelligent und empfindsam. In Asien stellt der Mensch seinen rothaarigen Vettern dennoch rücksichtslos nach.
Unyil war in einem erbärmlichen Zustand, als sie befreit wurde. Die 13-jährige Äffin wirkte sterbensmatt, völlig
apathisch, und sie hustete Blut. Obwohl seit Langem ausgewachsen, steckte sie noch immer in dem Babykäfig, worin ihr
Besitzer, ein Oberst der indonesischen Armee, sie vor einem Dutzend Jahren gekauft hatte. Arme und Beine waren durch
die Gitterstäbe gewachsen, die ihren Rumpf wie ein rostiges Folterkorsett umschlossen und ihren Kopf zu einer
permanenten tiefen Verbeugung zwangen.
Monatelang hatten Suchtrupps der "Borneo Orangutan Survival Foundation" (BOS) im Umland der Stadt Balikpapan auf
Borneo nach dem Tier gefahndet. Die Affenschützer wollten es beschlagnahmen, denn in Indonesien ist es verboten,
Orang-Utans zu halten. Den Aktivisten war jedoch jeder Zugang zu Kasernen verwehrt worden. Schließlich hatte der
Oberst selbst bei BOS angerufen und darum gebeten, Unyil abzuholen - wohl, weil er mit dem baldigen Tod seines
Haustiers rechnete. Der Orang-Utan war im Vogelbauer in einem viel zu erbärmlichen Zustand, als daß er noch als Prestigeobjekt dienen konnte.
Zahlreiche weitere Affenschicksale finden sich in dem Buch "Die Denker des Dschungels".
Sie erzählen von
Leid, Verschleppung, menschlicher Grausamkeit, aber auch von beinahe unglaublicher Intelligenz und Vernunft der
roten Affen, von der Rettung geschundener Tiere und von ihrer erfolgreichen Auswilderung.
Die Berichte, denen eine
ausführliche Beschreibung der Lebensweise und des Verhaltens der Orang-Utans vorangeht, verdeutlichen die Wesensart
der Primaten - wissenschaftlich korrekt, aber ohne die Scheuklappen der Zoologie. Die tut sich immer noch schwer,
unseren Vettern aus dem Dschungel geistige Fähigkeiten und menschenähnliche Emotionen zuzugestehen. Das Buch belegt
den Altruismus, die Uneigennützigkeit, der roten Affen ebenso wie ihren Schönheitssinn, ihre Eitelkeit und ihre
Kreativität.
Es zeigt, wie beschämend wenig wir über die Orang-Utans wissen.
Ergreifend die Geschichte der Äffin Uce, die
für stern-Fotograf Jay Ullal posierte, ihre Polaroidporträts mit langem Arm und strengem Blick einforderte, sie
gemeinsam mit ihrem Baby Matahari entzückt bestaunte, die Sofortbilder glücklich an ihr Herz drückte, küsste und die
Lippenfeuchtigkeit an ihrem "Ärmel" abwischte.
Smits hat das Buchprojekt vorangetrieben, weil die Orang-Utans keine Lobby haben und die Welt tatenlos zusieht, wie
sie ausgerottet werden. Von den etwa 69.000 Tieren, die es laut einer Schätzung 2004 noch gab, müssen jedes Jahr
etwa 6000 ihr Leben lassen. Smits glaubt, dass es in Wahrheit kaum noch mehr als 40.000 rote Affen gibt. Wichtigste
Todesursachen sind Regenwaldvernichtung, vor allem für die Produktion von Palmöl, und Wilderei.
Willie Smits belegt, dass Orang-Utan-Schutz Menschenschutz ist.
Orang-Utan-Schutz bedeutet ebenso Klimaschutz - ein Thema, das uns alle angeht und in diesem fabelhaften Buch bestens erläutert wird.
Den Preis fand ich anfangs etwas happig, doch wenn man das 2kg-Meisterwerk in den Händen hält, weiß man, daß es absolut gerechtfertigt ist.
Ein Buch, daß man als Primaten- und Borneoliebhaber einfach haben Muß!