Mit diesem Buch wird man keinesfalls umfassend über den Zustand unserer Wirtschaft, oder eine vielleicht drohende Deflation informiert. Der Autor ist offensichtlich nicht fähig eine durchgängig logische Argumentation zu führen, da er sich ständig widerspricht und sich verschiedenste "Tatsachen" einfach zurechtbiegt. (z.B. möchte die Massenmedien sehen, die ständig Hyperinflationen und Währungsschnitte prophezeit.) Er legitimiert seine Aussagen mit widerholten Pseudoargumenten, wie :"... das wird ihnen natürlich verschwiegen", und erfindet eigens die Bezeichnung "Goldlobbyisten" um die Befürworter der Goldwährung gleich zu stigmatisieren. Manipulativer geht es kaum.
Der Autor sieht die Inflation als harmlos und sogar konjunkturfördernd an und behauptet, dass es Gewinner und Verlierer gibt, wogegen es in einer Deflation nur Verlierer geben kann.
Er gibt zwar die Geldmengenvermehrung als Grund an, in seiner Vorstellung kann es aber nur Inflation geben, wenn die Löhne dazu parallel steigen, was natürlich Blödsinn ist, denn die größere Geldmenge erzeugt zwangsläufig Nachfrage, die die Preise steigen lässt oder sucht sich Anlagen, was unnatürliche Spekulationsblasen verursacht.
Die Inflation ist die direkte Folge der Geldschöpfung und nimmt keine Rücksicht auf steigende Löhne. Das Ergebnis ist nur eine Kaufkraftverschiebung zu den Marktteilnehmern, die über das neue Geld zuerst verfügen und lässt irgendwann Krisen, durch das Platzen der Blasen, entstehen.
Dass in einer Inflation aber die Löhne niemals in dem Maße steigen, in dem das Geld entwertet wird, und damit auch die gesamten Ersparnisse der Bevölkerung und Unternehmen, lässt er beiseite.
Zur Deflation möchte ich einen Satz von Hannich zitieren, der ihn als Ökonom disqualifiziert und in seiner Kurzsichtigkeit seinesgleichen sucht:
"Durch die schwindende Geldmenge fehlt es zunehmend an Massenkaufkraft, was zur Folge hat, dass der Konsum insgesamt einbricht - ganz einach, weil kein Geld mehr für Käufe da ist"
Gleich darauf lässt er das Horrorszenario von unmittelbarer Firmenbankrotte und Massenarbeitslosigkeit entstehen, das sich wie eine Spirale immer weiter nach unten zieht.
Die steigende Kaufkraft der übrigen Geldmenge, die die, natürlich nicht gleich fallenden, Löhne und Ersparnisse aufwertet wird wieder vergessen. Im Vorteil sind natürlich die Sparer und im Nachteil die Schuldner.
Wenn es so einfach wäre könnte man genauso gut argumentieren, die jetzt kaufkräftigeren Lohnempfänger erzeugen durch ihre zusätzliche Nachfrage einen Boom, der die Auftragsbücher der Unternehmen füllt, die wieder neue Leute einstellen und somit eine "Aufwärtsspirale" entsteht.
Es ist doch offensichtlich, dass die Deflation nur in einem überschuldeten, von Banken abhängigen, System wirklich schädlich ist, denn eine Bank holt sich die geplatzten, aber ihrerseits zu keinem Zeitpunkt voll wertgedeckten, Kredite über die Sicherheiten oder Bürgen wieder.
Natürlich haben Deflationsschocks wie die letzte "Wirtschaftskrise" gravierende Auswirkungen, doch die anschließende Niedrigzinspolitik und Geldmengenausweitungen durch massive Ankäufe von Staatsanleihen, der Zentralbanken legen nur den Grundstein der nächsten Krise. Solche Aktionen bedeuten am Ende nur Umverteilungen an Kaufkraft, welche nie zum Vorteil der breiten Bevölkerung ausfällt.
Eine weitere irrige Aussage macht der Autor, indem er ausschließlich das Bargeld für kaufkräftig, und damit für In-/Deflation verantwortlich, hält. Es ist egal in welcher Form Geld vorliegt(Banknoten, elektronisches Geld (Giralgeld), etc.), sobald man damit direkt etwas kaufen kann, stellt dieses effektiv "GELD" (Geldsurrogate) dar und verursacht in dem Moment Nachfrage, und gehört damit zu der umlaufenden Geldmenge, die dem Güter- und Dienstleistungsangebot gegenübersteht.
Später lässt er mittels eines Zitats durchblicken die Geldmenge hätte sowieso keinen signifikanten Einfluss auf die Geldwertänderungen, argumentiert aber in seiner Aufarbeitung historischer Krisen fast ausschließlich damit.
Natürlich kennt Hannich auch nicht den Unterschied zwischen Deflation und vereinzelt fallenden Preisen (Preisdeflation), die aus technologischem Fortschritt, organisatorische Optimierungen, usw. entstehen und niemandem Schaden sondern eher den allgemeinen Wohlstand steigern, welche er aber als drohende Anzeichen einer Deflation deutet. Eine echte Deflation - die genau definiert eine Verminderung der Geldmenge bezeichnet, die in einer Höhe ausfällt, dass sie den Geldwert beeinflusst - würde man am ehesten an billigeren Stundenpreisen für Handwerker sehen, denn der Aufwand für menschliche Arbeit ist, im Gegensatz zur Produktion von Gütern, immer derselbe. In einer zu 100% wertgedeckten Währung (muss nicht notwendigerweise Gold sein), oder Warengeld würden wir die positiven Auswirkungen der Preisdeflation spüren. Die mithilfe eines Warenkorbes berechnete Preissteigerungsrate (Inflationsrate) ist genau genommen nur der Wert der die durchschnittliche Preisdeflation, die aus dem Wirtschaftswachstum entsteht, übersteigt und ist somit niedriger als die reale, durch Inflationierung der Geldmenge entstandene, Preissteigerungsrate.
Als Schuldiger an unserer heutigen, unausgeglichenen Vermögensverteilung wird der Zins ausgemacht, der die Kredite exponential wachsen lässt. Natürlich wird aus der Exponentialfunktion nur ein Problem wenn man den Kredit nicht zurückzahlen kann und zum Umschichten greifen muss(Staat). Am Zins ist nichts unfaires, man weiß ja vorher wie viel man zu zahlen hat. Jeder vernünftige Mensch würde doch keinen Kredit aufnehmen, den er nicht zurückzahlen kann, wenn er nicht dazu gezwungen ist. Es ist doch vielmehr der schwindende Geldwert, der uns dazu zwingt Kredite aufzunehmen um überhaupt größere Investitionen zu finanzieren. Die anhaltende Inflationspolitik begünstigt die Verschuldung und lässt Sparer schlechter aussteigen.
Schuld haben nach dem Autor auch die Sparer, denn sie verursachen durch das "horten" einen Geldmangel, den alle anderen zum Schulden machen und damit zu Zinszahlung zwingt - das stellt die zentrale Überlegung hinter den Hannichs Ansichten dar. Das ist nicht nur irrig, sondern auch gefährlich, denn einen Geldmangel gibt es nicht. Im freien Marktsystem steuert die Geldmenge die Preise, sollte also wirklich mehr gespart werden als zuvor werden die Preise kleiner. Das gesparte Geld sollte nicht als verloren angesehen werden, denn es ist nur später ausgegebenes Geld und lässt gesundes Wirtschaftswachstum zu. Wie sollte ein Unternehmen die Abschreibung ihrer Maschinen realisieren, wenn es am sparen behindert wird? Erst die Hinderung am Sparen erzwingt die Verschuldung.
Nur mit solchen Annahmen kommt man zu Lösungen, wie dem "Umlaufgesicherten Geld" (Schwundgeld), das wir ja genau genommen bereits haben.
Ich kann nur jedem, der dieses Buch gelesen hat, oder will, nahelegen sich nicht von den haltlosen und plakativen Anschuldigungen Hannichs blenden zu lassen und sich selbst mit der "Österreichischen Schule der Ökonomie", die er scharf angreift, vertraut zu machen. Diese ist weitaus scharfsinniger und dringt bis auf den Kern der ökonomischen Theorie vor: der genauen Definition des Geldes. Man sollte sich immer mit allen Seiten befassen bevor man sich ein endgültiges Bild macht.
Ein sehr empfehlenswertes Werk, für die, die es genau wissen wollen, ist:
"Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" von Ludwig Mises. (2. Auflage von 1924; ist zwar schon älter, aber an seiner Richtigkeit gibt es bis heute nichts zu rütteln)
zur Einführung:
"Das Schein-Geld-System" von Murray Newton Rothbard, oder
"Geldsozialismus" von Roland Baader.