Traurig bin ich, weil die Geschichte nun zu Ende ist.
'Die Dame vom See' beschließt die Saga um den Hexer Geralt, um Ciri vom Älteren Blut und um all die anderen, die auf den Wegen der beiden eine wichtige Rolle spielen.
Nach ihrer Flucht über den vereisten See, durch den Schwalbenturm, findet sich Ciri in einer fremden Welt wieder, die von einem Elfenvolk beherrscht wird. Die Elfen haben ihre Ankunft erwartet, denn sie erhoffen sich etwas ganz Besonderes von Ciri - und sie wollen sie nicht gehen lassen, bevor sie es ihnen nicht gibt.
Währenddessen kämpft sich Geralt mit seinen Gefährten zu einem finsteren Schloss vor, in welchem Vilgefortz, der mächtigste und bösartigste aller Zauberer, Yennefer gefangenhält und mit Folter dazu zu zwingen versucht, dass sie Ciri für ihn ortet.
Und zugleich prallen die Heere von Nilfgard und die aller anderen, nunmehr vereinten Königreiche aufeinander, um sich die schrecklichste und verlustreichste Schlacht in Generationen zu liefern. Eine Schlacht, die viele das Leben kosten wird. Viele, die man liebgewonnen hat und deren Tod man beinahe beim Lesen mit beweinen möchte.
Alles kommt zu einem Höhepunkt, zu einem furchtbaren Aufbäumen, in dem jeder Sieg mit hohem Blutzoll erkauft werden muss.
Das Epos endet, wie es beginnt und wie es die ganze Zeit hindurch schon seine Natur ist: *Die Dame vom See* ist ist tragisch und schwermütig und niederschmetternd desillusionierend, und es ist zugleich voll überschäumender Lebensfreude und sprühenden Glücksmomenten. Es ist manchmal zum Sterben traurig, und dann wieder so unfaßbar lustig, dass man laut loslachen will und die Stelle wieder und wieder lesen.
Es ist pralle Lebensfreude, es ist Leben und Lieben und Sterben, es gibt Festmähler und Philosophie und grausame Ungerechtigkeiten.
Ich kenne kaum ein Epos, das sich so echt, so lebendig anfühlt. Ja, lebendig ist wohl das beste Wort dafür. Denn Schwarz und Weiß gibt es hier nicht, auf jedem Glück liegt auch ein Schatten und in jeder Verzweiflung schimmert ein Quäntchen Hoffnung.
Oder, um Geralt abschließend (frei) zu zitieren:
Der Fortschritt ist ein Herde Schweine. Denn so eine Schweineherde, die frei auf dem Gehöft herumläuft, hat unzweifelhaft ihre Vorteile: Die Versorgung mit Schinken, Pökelfleisch und eingelegtem Eisbein ist gesichert. Aber dann darf man auch nicht die Nase rümpfen, wenn sie alles vollscheißen.
'Die Dame vom See' ist ein würdiger Abschluss.
Unfaßbar, dass das das Ende sein soll. Auch wenn es ja zugleich ein Anfang ist.