Gibt es für eine Frau Anfang fünfzig noch Liebesglück und erlebbare Erotik? Diese Frage stellt die Hamburger Autorin Elke Maihöfer in ihrem Debütroman "Die Dünenwanderin" und beantwortet sie mit einem klaren "Ja!"
Franziska, Fren genannt, hat sich nach missglückter Ehe geschworen, sich von Erwartungen und Enttäuschungen nicht mehr beeindrucken zu lassen. Sie hat sich in ihrer eigenen kleinen Welt eingerichtet. Erst ein Polen-Urlaub mit ihrer Freundin, die Avancen eines Mannes und eine beeindruckende Wanderdüne erwecken ihre Lebensgeister neu.
Plötzlich empfindet sie ihr zurückgezogenes Leben als schal und leer. Sie schlittert in eine Krise und wird von Depressionen gepeinigt ' Probleme, die sie zuletzt nur noch mit professioneller Hilfe zu lösen weiß. In einer Klinik für psychosomatische Erkrankungen trifft sie auf den in Kroatien geborenen Sergesz, der in eben dieser Klinik seine Bürgerkriegserlebnisse verarbeitet. Fren verliebt sich in den zehn Jahre jüngeren Sergesz. Eine heiße Liebesgeschichte mit allen Ecken und Kanten entspinnt sich. Doch glücklich können die beiden nur werden, wenn sie beide das Grundübel ausmerzen, das sie daran hindert, ungestört und ohne Angst lieben zu können.
Elke Maihöfer ist es gelungen, eine dicht gestrickte und nie langweilige Handlung zu entwerfen, die den Leser bis zum Schluss mitreißt. Obwohl keine professionelle Psychologin, schafft es die Autorin, die Düsternis und Ausweglosigkeit der Ausgangssituation eindringlich darzustellen und die Stimmung entsprechend dem Heilungsprozess Stück für Stück wieder aufzuhellen.
Die Protagonisten sind realitätsnah gestaltet und zeichnen sich durch die Vielzahl ihrer Facetten aus. Jeder Person hat die Autorin Eigenheiten verpasst, die dem Leser eine erfrischende Mehrdimensionalität vermitteln. Sergesz etwa kann liebevoll, sensibel und unternehmungslustig wie ein kleiner Junge sein. Auf der anderen Seite verdüstern sich seine Augen kohlrabenschwarz, dann nimmt Fren einen unangenehmen Geruch wahr und muss sich aggressiver Attacken psychischer und physischer Natur ' darunter ein Vergewaltigungsversuch ' erwehren.
"Die Dünenwanderin" ist "ein Buch zum Lachen und zum Weinen", wie es treffend in einer Lesermeinung heißt. Trotz drückender und erschütternder Szenen, schafft es Elke Maihöfer die Situation mit Witz und Galgenhumor immer wieder zu entschärfen.
Die bedeutungsschweren Themenpaare Leben und Tod, Liebe und Hass, Depression und unbändige Lebensfreude sind in der "Dünenwanderin" ohne erhobenen Zeigefinger auf leichte Weise miteinander verwoben. Die Lösung des Konflikts ' die Nacht auf der Düne ' dürfte dem rationalen Leser etwas zu esoterisch vorkommen. Das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch.