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Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman
 
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Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman [Taschenbuch]

Heimito von Doderer
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 1360 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 1985)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423104767
  • ISBN-13: 978-3423104760
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,9 x 4,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 86.547 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Dämonen
OA 1956 Form Roman Epoche Moderne
Das monumentale Werk erhöhte den Rang von Heimito von Doderer als Analytiker auch der politisch-sozialen Verfassung des vorfaschistischen Österreich. Zugleich machte es die Problematik transparent, zur Zeit des Nationalsozialismus eine Haltung zu finden und zur Grundlage eines homogenen Werks zu machen.
Entstehung: Doderer arbeitete 1930–36 an dem Buch, bis er die Konzeption als ausweglos liegen ließ. Erst nach der Klärung seiner ideologischen Position und der Beendigung der Strudlhofstiege, die er als »Rampe» für dieses noch umfangreichere Opus betrachtete, widmete er sich wiederum sechs Jahre, bis 1956, den Dämonen. Von der gestaffelten Entstehung zeugt die komplexe Erzählerkonstruktion.
Inhalt: Die Grundkonstellation, auch der mit »G-ff« abgekürzte Chronist, ist aus dem gleichnamigen Roman (1871/72) von Fjodor R Dostojewski übernommen. Eine Gruppe von – individuellen und heterogenen – Wienern und Zugereisten gibt sich unter der Bezeichnung »Die Unsrigen» geselligen Vergnügen hin, einige von ihnen mit faschistischen und antisemitischen Tendenzen. Über 30 Kern- und Randfiguren aus dem Roman Die Strudlhofstiege (1951) begegnen hier wieder (Hauptfiguren R S. 290), doch sind Die Dämonen keine inhaltliche Fortsetzung.
Auch in diesem Roman ist die eigentliche Intrige ohne Belang: Der Kammerrat Levielle versucht vergeblich das Erbe Charlotte von Schlaggenbergs zu unterschlagen, deren Herkunft und Zukunft sich nebenher klären. Etwa 50 Romanfiguren repräsentieren in differenzierter Darstellung die Erfahrungswelt des Autors vom kultivierten Groß- bis zum Kleinbürgertum der Hausmeister, aber auch die unheimliche Unterwelt der Kaschemmen bis zum brutalen Mörder Meisgeier sowie das Milieu der Proletarier. Allmählich schält sich der Entwicklungsroman Leonhard Kakabsas heraus, eines idealisierten, zu Höherem berufenen Arbeiters, der programmatisch den Traktat Über die Würde des Menschen (1496) von Pico della Mirandola (1463–94) liest.
Doderer weist die Psychoanalyse von Sigmund Freud (1856–1939) zurück, spürt aber seinerseits dem – oft mit Raummetaphern erfassten – Innenleben seiner Figuren nach, die häufig – weil sie sich der Wahrnehmung des Eigentlichen verweigern – befangen sind in einer »zweiten Wirklichkeit«. Darunter versteht er eine Ideologie wie den Faschismus, blinde Wut, Extremismus, Gewalt, auch eine erotische Obsession wie Schlaggenbergs komische, systematische Jagd nach »dicken Damen« oder den Sadismus, den er an Jan Herzka sowie an einem fingierten frühneuhochdeutschen Manuskript, dem Protokoll eines Hexenprozesses, veranschaulicht.
Aufbau: Der Untertitel des Romans lautet »Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff«. Doderer schrieb auktorial, verflocht aber seine Berichterstatter mit den Ereignissen selbst, sodass Geyrenhoff als Chronist scheitert, und tendierte zum Ausschluss der Erzählerstimme. Damit nähert Doderer sich dem »totalen Roman» (Albert Paris Gütersloh), der weder reines Konstrukt noch beliebig offen sein sollte.
Das über 1300-seitige Buch besteht aus einer »Ouvertüre» und drei Hauptteilen, die sich wiederum in 13, neun bzw. zwölf Kapitel gliedern, welche meist lapidar-symbolische (Auf offener Strecke, Das Feuer) oder ironische Titel tragen (Der Eintopf).
Die Chronologie ist undeutlich, aber rekonstruierbar: Von 1955 aus erzählt, spielen die Ereignisse, im Herbst 1925 anknüpfend an Die Strudlhofstiege, hauptsächlich vom Herbst 1926 bis zum Sommer 1927. Die Stimmung dieser Jahreszeiten in der Großstadt wird mit Sensibilität für Düfte und Gerüche eingefangen. Der Einstieg Draußen am Rande ist exzentrisch; er führt über die Nebenfiguren Williams und Drobila behutsam zum Zentrum; der Schluss zerstreut auf dem Bahnhof die Reste der »Unsrigen«. Fluchtpunkt der Handlung aber ist der historische Brand des Justizpalasts am 15.7.1925, als opferreiche revolutionsähnliche Unruhen das Ende des inneren Frieden signalisieren; eine unbeteiligte Frau mit Milchflaschen wird erschossen und stirbt in einer symbolischen weiß-roten Lache.
Wirkung: Im Erscheinungsjahr der Dämonen erhielt Doderer den Großen Österreichischen Staatspreis; der Spiegel widmete ihm eine Titelgeschichte. Der Autor galt nun vollends als der Repräsentant der Nachkriegsliteratur in Wien. A. H.

Kurzbeschreibung

Die Grundkonstellation, auch der mit >>G-ff<< abgekürzte Chronist, ist aus dem gleichnamigen Roman (1871/72) von Fjodor R Dostojewski übernommen. Eine Gruppe von - individuellen und heterogenen - Wienern und Zugereisten gibt sich unter der Bezeichnung >>Die Unsrigen>> geselligen Vergnügen hin, einige von ihnen mit faschistischen und antisemitischen Tendenzen. Über 30 Kern- und Randfiguren aus dem Roman Die Strudlhofstiege (1951) begegnen hier wieder (Hauptfiguren R S. 290), doch sind Die Dämonen keine inhaltliche Fortsetzung. Auch in diesem Roman ist die eigentliche Intrige ohne Belang: Der Kammerrat Levielle versucht vergeblich das Erbe Charlotte von Schlaggenbergs zu unterschlagen, deren Herkunft und Zukunft sich nebenher klären. Etwa 50 Romanfiguren repräsentieren in differenzierter Darstellung die Erfahrungswelt des Autors vom kultivierten Gross- bis zum Kleinbürgertum der Hausmeister, aber auch die unheimliche Unterwelt der Kaschemmen bis zum brutalen Mörder Meisgeier sowie das Milieu der Proletarier. Allmählich schält sich der Entwicklungsroman Leonhard Kakabsas heraus, eines idealisierten, zu Höherem berufenen Arbeiters, der programmatisch den Traktat Über die Würde des Menschen (1496) von Pico della Mirandola (1463-94) liest. Doderer weist die Psychoanalyse von Sigmund Freud (1856-1939) zurück, spürt aber seinerseits dem - oft mit Raummetaphern erfassten - Innenleben seiner Figuren nach, die häufig - weil sie sich der Wahrnehmung des Eigentlichen verweigern - befangen sind in einer >>zweiten Wirklichkeit<<. Darunter versteht er eine Ideologie wie den Faschismus, blinde Wut, Extremismus, Gewalt, auch eine erotische Obsession wie Schlaggenbergs komische, systematische Jagd nach >>dicken Damen<< oder den Sadismus, den er an Jan Herzka sowie an einem fingierten frühneuhochdeutschen Manuskript, dem Protokoll eines Hexenprozesses, veranschaulicht.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
das epizentrum des umfangreichen romans ist der brand des justizpalastes in wien im jahre 1927, auf dieses ereignis zusteuernd, aus den unterschiedlichsten perspektiven, die mittels sehr stark kontrastierender sozialer ebenen geschildert werden. die struktur des buches orientiert sich an einer imaginären chronik, die ein ehemaliger sektionsrat (geyrenhoff) nach seiner pensionierung anlegt, um ereignisse in seiner umgebung festzuhalten. unterstützt wird er dabei von einigen der anderen protagonisten des romans. es gelingt doderer auf erstaunliche art und weise, die unterschiedlichen autoren mit wenigen worten und anmerkungen kenntlich zu machen. im großen und ganzen ist aber der roman kein politischer roman, und auch die bezeichnung "stadt-roman" trifft den kern des buches nicht - da sich in diesem epischen werke vielleicht die ergreifendsten naturschilderungen deutscher sprache finden, die jemals zu papier gebracht worden sind. wesentlich an dem buch ist jedenfalls die tiefe menschliche kraft, die die protagonisten in einem unweigerlichen sog aufeinander zu - oder auch voneinander weg - bewegt. die kraft des lebens selbst ist zu spüren.
ein lebensroman, eine wahre krone im werke doderers.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn auch die Titelgleichheit Absicht ist, so darf dieser Roman nicht mit dem gleichnamigen Werk Dostojewskijs verwechselt werden. Doderer schuf einen einmaligen Großstadtroman. Er entwirft ein breit angelegtes, bis in kleinste Einzelheiten faszinierendes Bild der Wiener Gesellschaft, des alten Adels, der Großbürger, der Intellektuellen und Künstler, der Arbeiterscharen, bis hin zur Halb- und Unterwelt vor dem Hintergrund der für österreichische Hauptstadt so turbulenten Monate zwischen Herbst 1926 und Sommer 1927. Die Schicksale der Hauptakteure, die kritisch-distanziert von einem Chronisten und Augenzeugen geschildert werden, sind auf kunstvolle Art miteinander verwoben. Sie drängen zu auf das bedeutendste zeitgeschichtliche Ereignis der damaligen Monate, den Brand des Wiener Justizpalastes als Folge der großen Arbeiterunruhen nach einem die Massen bewegenden und kontrovers diskutierten Urteil in einem politischen Mordprozeß. Doderer begreift diese Ereignisse als das "Cannae der österreichischen Freiheit". Es gelingt ihm, am konkreten Fall die ideologischen Gegensätze zwischen dem linksstehenden republikanischen Schutzbund und den rechtsgerichteten Frontkämpfern bis hin zu dem sich abzeichnenden faschistischen Gedankengut deutlich werden zu lassen. Leider ist das Buch stellenweise etwas langatmig, deshalb nur 4 Sterne. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Buch zum Darin-Wohnen 15. April 2010
Format:Taschenbuch
Ein Gesellschaftsroman zum Darin-Wohnen und Immer-Wieder-Lesen - zum Vorlesen und anschließendem gemeinschaftlichen Durchkauen - ein perfektes Lese-Ereignis für Fortgeschrittene !
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