Leicht und schön ist "Die Chronistin" wahrlich nicht. Die Autorin lässt ihre weiblichen Protagonisten kreischen, geifern, spucken, nörgeln, zettern, zischen und heulen. Sophia ist eine wirklich unsympathische Person. Mitleid und Mitgefühl sind ihr fremd, ihr Gewissen ist weniger gut ausgebildet als ihr Willen, ihr Leben so zu gestalten, wie sie meint, das es ihr zusteht, allen Gegebenheiten als Frau zu der Zeit zum Trotz. Sie ist ein reiner Kopfmensch, neidisch, missgünstig, positive Gefühle schließt sie lieber aus. Ihr gelegentlich aufflackerndes Gewissen ist immer wieder rasch still.
Ich fand es erfrischend anders, mal einer Person zu folgen, die so gar nichts anbiederndes hat, und nicht gut und wunderschön ist, sondern einzig vom Ehrgeiz getrieben wird.
Ein wenig machte mir der daraus folgende Stil zu schaffen. Es ist konsequent aus Sophias Blickwinkel geschrieben, und da ihr jedwede Eitelkeit in Bezug auf Äußerlichkeiten fehlt, wird kaum ein Wort verschwendet an Beschreibungen über Kleider, Häuser, Orte. Auch das Aussehen der Menschen wird nur rudimentär beschrieben. Das macht das ganze auf 600 Seiten etwas dröge. Im Letzten Drittel tat ich mich etwas schwer, und der leider inflationäre Gebrauch von manchen Worten (wie von einem Rezensent schon angemerkt wurde, das Wort "deuchte" erscheint fast auf jeder Seite, manchmal auch mehrmals) ließ meinen Lesefluss manchmal stolpern.
Wie schon gesagt, geht es drastisch zu, wenig schönes passiert und bei jeder passenden Gelegenheit übergeben sich die Personen.
Trotz allem hat mir das Buch gefallen, eben wegen Sophia, die einfach anders ist. Man bekommt keine flauschige "alles wird gut"-Geschichte, sondern drastische unschöne Dinge.
Mit Sicherheit wird mir die Figur der Sophia im Gedächtnis bleiben. Empfehlen würde ich es nur bedingt, da sich gewiss nicht jeder dafür begeistern kann und, wie ich schon sagte, der Schreibstil etwas trocken ist.