Maxine Kiss entstammt einer langen Linie von Jägerinnen, die die Welt vor Dämonen schützt. Tagsüber ist sie unverwundbar. Ihre Tatoos bilden einen undurchdringlichen Panzer. Selbst eine Atombombe könnte sie damit überleben. Des Nachts schälen sich die Tatoos von ihrer Haut und verwandeln sich in fünf kleine, absolut tödliche Dämonen. "Ihre Jungs", wie Maxine sie nennt, würden ihre Herrin bis zu ihrem letzten Atemzug verteidigen, aber sie ist verwundbar wie jede andere Frau.
Doch eines Tages, wenn ihre ungeborene Tochter alt genug sein würde die Bürde zu übernehmen, würden ihre Jung sich von ihr abwenden. Keine Jägerin hat die Volljährigkeit ihrer Tochter lange überlebt.
Maxine Kiss leidet noch immer unter dem Tod ihrer Mutter. Sie kann ihren Jungs nicht böse sein, denn neben ihrem Partner Grant, sind sie die einzige Familie, die sie kennt. Ohne Vertrauen könnte sie nicht ihrer Aufgabe nachgehen, die gefährlicher ist denn je. Waren bislang einzelne Dämonen aus dem Gefängnis entkommen, werden es immer mehr. Der Schleier ist am Fallen und Maxine Kiss die letzte Jägerin.
Die Chroniken der Jägerin ist Marjorie M. Lius erster Vorstoß in den Bereich der Paranormalen Fantasy. Sie ist weniger romancelastig, mehr action- und settingbetont als ihre Dirk & Steele Bücher.
GEFÄHRTIN DER DÄMONEN besteht aus zwei Teilen. Die Novelle "Jägerin Kiss", in der sich Maxine und ihr Partner Grant zum ersten Mal begegnen, habe ich leider nicht gelesen, da ich nur die englische Version gekauft habe.
Der zweite Teil ist der eigentliche Roman, "Gefährtin der Dämonen".
In beiden Fällen wird man direkt in die Geschichte hineingeworfen und man muss sich die Regeln der Welt langsam erarbeiten, doch das halte ich für besser als langweiliges Infodumping. Es ist schön eine Autorin zu entdecken, die auf die Intelligenz ihrer Leser vertraut. Zudem macht es Spaß die Regeln langsam zu entdecken. Liu hat ein wirklich tolles Setting entworfen. Es kommt ohne den üblichen Mischmasch an Werwölfen, Vampiren, Hexen etc. aus und hebt sich dadurch ab. In das Setting fließen neben keltischen und asiatischen Einflüssen auch SciFi Elemente ein. Die göttliche Organik (die Manipulation von Geist und Gewebe) und Parallelwelten werden noch eine große Rolle spielen.
Das erste was mir an diesem Roman aufgefallen ist, war jedoch der Stil der Autorin. Nahezu poetisch, sehr bild- und metaphernreich, eindringlich und emotional reißt er den Leser mit sich fort und lässt ihm keine Zeit zum Luftholen. Am Anfang bewusst abgehackt und kurze Sätze werden mit Fortschritt der Handlung länger und fülliger ohne an Lesbarkeit zu verlieren. Dieser Stil hat sowohl positive als auch negative Konsequenzen. Einerseits bekommt die Ich-Erzählerin eine unverwechselbare, intensive Stimme. Andererseits wird die gleich bleibende hohe Intensität mit der Zeit anstrengend. Ich hätte mir gewünscht, dass ich manchmal aus diesem Strudel auftauchen kann. Zudem fehlt es den Emotionen an Spannbreite. Anspannung, Hilflosigkeit und Entschlossenheit funktionieren gut. Darüber hinaus liest sich alles gleich. Egal ob Maxine gegen einen übermächtigen Gegner kämpft, mit ihrem Partner Grant zusammen ist, Hinweisen nachgeht oder sich mit ihrer Vergangenheit auseinander setzt ' alles spielt sich in der gleichen emotionalen Ebene, in der gleichen Intensität ab.
Im Großen und Ganzen fand ich DIE GEFÄHRTIN DER DÄMONEN großartig. Doch eine Sache ging mir mächtig auf den Wecker und hätte mir beinahe den Spaß am Lesen vermiest. Als Kind hasste ich es beim Neckballspiel in der Mitte zu stehen. Man muss sich ordentlich abrackern um den Ball zu erobern. Nun stelle man sich in der Mitte ein Kind vor und außen zwei Erwachsene, die das arme Kind bis auf das Blut reizen. So sehr es sich auch bemüht, es hat keine Chance den Ball zu erobern. Nun setze man Maxine für das Kind, sämtliche Nebenfiguren für die zwei Erwachsenen und wichtige Informationen für den Ball ein und man hat einen Großteil des Handlungsverlaufes. Abgesehen von ihrer Beziehung mit Grant, drehen sich die meisten Interaktionen darum, dass die anderen Informationen besitzen, die sie Maxine vorenthalten. Dabei verraten sie so viel, dass Maxine Blut leckt und hüllen sich anschließend in einen Mantel mysteriösen Schweigens. Wenn Maxine genug herumgesprungen ist, verraten sie ihr ein bisschen mehr. Das Problem dabei ist, dass der Leser sich meistens die Information aus den Umständen zusammenreimen kann und die Enthüllungen damit bei weitem nicht so weltbewegend sind. Wenn das ein paar Mal passiert wäre, hätte es mir nichts ausgemacht. Aber es geschieht immer und immer wieder.
Ich hoffe, dass sich das im nächsten Band ändern wird. Da die Novelle "Jägerin Kiss" ohne diese ärgerliche Handlungsstreckmethode auskommt, bin ich positiv eingestimmt.
Durch diese Methode lernt man abgesehen von Maxine, der Ich-Erzählerin, und Grant keinen Charakter so richtig kennen. Sie sind viel zu beschäftigt mysteriös zu sein.
Dafür sind Maxine und Grant erfreulich vielschichtige und komplizierte Charaktere. Besonders gut hat mir ihre, für Paranormale Fantasy ungewöhnliche, Paardynamik gefallen. Zum einen sind sie zu Beginn von "Die Gefährtin der Dämonen" bereits ein etabliertes Paar. Sie kennen einander, vertrauen einander und müssen sich nichts mehr beweisen. Dominazkämpfe sind nicht notwendig. Maxine ist der aktive, kick-ass Typ, Grant ihr Fels in der Brandung, das zu Hause, in das sie zurückkehrt und das ihr Kraft spendet. Zugleich ist er ihre Schwäche, denn obwohl Grant durchaus auf sich selbst aufpassen kann, ist er angreifbar und damit auch Maxine. Ich war glücklich endlich wieder einmal eine kick-ass Heldin zu haben, die sich nicht ihrem Partner unterwirft oder von ihm verlangt sich bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen. Grant ist eine eigenständige, starke Persönlichkeit, die auch ohne Beziehung zu Maxine Existenzberechtigung und eine Rolle in der Handlung hat.
DIE GEFÄHRTIN DER DÄMONEN ist ein tolles Buch, wenn auch in gewisser Hinsicht ausbaufähig. Ich bin sehr gespannt, wie es mit Maxine Kiss weitergehen wird.
Die Chroniken der Jägerin: Gefährtin der Dämonen,
In den Armen der Finsternis, ...