Pressestimmen
Ein Meilenstein der Geschichtsschreibung zur Schoa mit einem beeindruckenden vielhundertseitigen Kommentarteil, in dem auch noch die letzte Variante der teilweise in mehreren Abschriften überlieferten Chronik ausgewertet und vor allem auch wiedergegeben wird. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus, 30.11.2007)
Ein Unternehmen, daß gar nicht hoch genug gerühmt werden kann. (Wilfried Weinke, Die Zeit, 13.3.2008)
Niemand, der sich mit der Verfolgung und Vernichtung der Juden in den von den Deutschen besetzten und ins Reich eingegliederten polnischen Gebieten ernsthaft beschäftigt, kommt an dieser Publikation vorbei. (...) Es dürfte sich um das umfangreichste und genaueste Dokument über die Lebensumstände in einem von den Nazis errichteten Ghetto handeln. Aber nicht nur der historische Wert der Chronik ist hoch anzusetzen, gleichzeitig liegt ein philologisches Werk vor, das vor Augen führt, wie sehr Editionsphilologie auch ethische Dimensionen haben kann. Es war eine kluge Entscheidung, im Bildteil den bereits vielfach gedruckten Fotos Neues hinzuzufügen und noch mehr die Gesichter der Opfer für sich sprechen zu lassen. (Jens-Jürgen Ventzki, Süddeutsche Zeitung, 1.4.2008)
Kurzbeschreibung
Die erste vollständige Edition eines der erschütterndsten Dokumente der NS-Herrschaft. Zwischen 1940 und 1944 pferchten die Nationalsozialisten im besetzten Lodz (später umbenannt in Litzmannstadt) nahezu 200.000 Juden auf etwas mehr als vier Quadratkilometern zusammen. Zu den erschütterndsten Dokumenten aus dem Getto Litzmannstadt gehört die so genannte Getto-Chronik. Dieser rund 2000-seitige Text wurde seit 1941 auf Polnisch und Deutsch im Archiv der Verwaltung des »Judenältesten von Litzmannstadt-Getto« erstellt. Wie eine Zeitung, die sich aus Sicherheitsgründen einer internen Zensur unterwarf, verzeichnet die Chronik akribisch die Ereignisse im Getto, gibt Einblicke in die kursierenden Gerüchte und widmet selbst dem »Getto-Humor« eine eigene Rubrik. Mehr als 15 Mitarbeiter überwiegend Journalisten und Schriftsteller schrieben täglich an der Chronik. Die Edition bietet erstmals eine vollständige wissenschaftliche Ausgabe der Getto-Chronik. Weltweit wurden in einem gemeinsamen Projekt von deutschen und polnischen Wissenschaftlern nahezu 6000 Typoskriptseiten mit Chronik-Varianten zusammengetragen, zueinander in Beziehung gesetzt und ausführlich kommentiert. Entstanden ist ein einmaliges und ergreifendes Dokument, das nicht nur Zeugnis ablegt vom schreibenden Widerstand der beteiligten Autoren, sondern auch deren Wunsch zu erfüllen sucht, einen Beitrag zur Erforschung ihrer Lebens- und Leidensbedingungen bereitzustellen.