Eine wunderbare Geschichte und wunderbare Charaktere. In vielerlei Hinsicht entspricht die Drachenlanze-Saga den gängigen Fantasy-Normen, doch in ebensovielen (oder sogar mehr) Punkten widerspricht sie ihnen auch:
Die Charaktere sehen zunächst aus, wie typische Figuren der Fantasy-Literatur. Doch wer sie näher betrachtet, wird feststellen, dass dies in Bezug auf ihre individuellen Persönlichkeiten keinesfalls so ist. Weis/Hickman haben hier eine Gruppe außergewöhnlicher Antihelden zum Leben erweckt, die ihresgleichen sucht. Keine der Figuren ist nur gut oder nur böse. Jeder von ihnen hat dunkle und helle Seiten in sich, mit denen er im Laufe der Geschichte kämpfen muss. Besonders ist an dieser Stelle die Figur des Raistlin herauszuheben, mit dem die Autoren eine der wohl faszinierendsten Gestalten der Fantasy geschaffen haben (Ich empfehle dabei jedem die Lektüre der DL-Legenden).
Auch überleben weder alle Helden, noch sterben alle Schurken. Dies führt zu einem der vielleicht ungewöhnlichsten Punkte in dieser Geschichte. Dem "Bösen" wird nie die Existenzberechtigung abgesprochen, denn es ist trotz allem eine der Schöpfungsmächte. Nicht die Vernichtung des Bösen ist das Ziel, sondern die Wahrung des Gleichgewichts. Denn das größte Geschenk der Götter ist die Möglichkeit der Wahl, aber was nützt sie einem, wenn man nicht wählen kann.
Besonders gefallen hat mir auch der Aspekt, dass die Helden seit ihrer Kindheit befreundet sind. Sie sind ein eingespieltes Team und brauchen oft keine Worte, um sich zu verständigen. Auch wenn sie sich streiten (wie es wohl in jeder Freundschaft vorkommt), sind sie doch bereit ihr Leben für den anderen zu riskieren. Selbst Sturm, der Raistlin (wie er sagt) nicht ausstehen kann, sagt, es sei, als ob sein rechter Arm fehlen würde, wenn er und die anderen nicht da sind.
Der Schreibstil von Weis/Hickman ist einfach und sehr eingängig, was es dem Leser besonders leicht macht, völlig in diese Welt einzutauchen. Durch geschicktes Einflechten bestimmter Legenden und Ereignisse aus Krynns (immerhin tausende von Jahren umfassender) Geschichte, fällt es sehr leicht, der Geschichte problemlos zu folgen, ohne dass man das Gefühl hat von der Masse der Informationen erschlagen zu werden. Einzigartig ist ihre Fähigkeit, den Leser die Ereignisse mit den Augen eines so unschuldigen Wesens wie einem Kender betrachten zu lassen. Viele spätere DL-Autoren haben sich ebenfalls daran versucht, doch keinem ist es auf so charmante Art gelungen wie Weis & Hickman.