Dass sich an dem Buch von Rudolf Ebertshäuser die Geister scheiden, ist ein logischer Prozeß, je nachdem, welchen Standpunkt man vertritt. Da ich selbst in einer Pfingst-charismatischen Gemeinde groß geworden bin, bzw. werden musste, weiß ich also, worüber ich schreibe. Viele der von Ebertshäuser angesprochenen negativen Aspekte stimmen mit der Praxis vollkommen überein. Leider hat dadurch mancher Christ ohne es zu merken, erheblichen Schaden davongetragen, den er nur bis heute noch nicht bemerkt hat. Wie in jeder freikirchlichen Denomination hat die dort jeweils verbreitete Lehre Vor- und Nachteile. Es ist bedauerlich, dass sich Christen mit unterschiedlichen Ansichten teilweise bis aufs "Blut" bekämpfen. Man schaue sich nur die entsprechenden Internetseiten an. Wenn ich das zu rezensierende Buch Revue passieren lasse, muss ich dem Autor in nahezu allen Punkten, die die gefährlichen Seiten der "Charismanie" offenlegen, absolut recht geben. Pfingstler und Charismtiker stellen nicht den Geber der charismatischen Gaben, nämlich Gott, sondern die "Gabe" in den Vordergrund. Damit berauben sie Gott jeglicher Souverenität und bringen sich damit unter Christen selbst ins Abseits. Von den derzeit ca. 40.000 bis 50.000 in Deutschland bekennenden Pfingstlern oder Charismatikern sind ein grosser Teil meist familiäre Mitläufer. Der wirklich harte Kern dürfte kaum mehr als 5.000 Personen zählen, eine Minderheit also, wenn man will. Sobald sich diese angegriffen fühlt, wird sie unsachlich oder sentimental und ist bedauerlicher Weise zu keinem kontruktiven Dialog bereit. Aus diesem Grunde kommt es immer wieder bezüglich der biblischen Auslegung zu kontroversesten Auseinandersetzungen die nicht selten unter die geistliche Gürtellinie gehen, wenn es denn so eine gibt. Zugegebenermassen kritisiert der Autor des Buches die Ansichten der pfingstlich - charismatischen Bewegung sehr scharf. Es geht ihm jedoch um die Sache, nicht darum, Menschen zu kritisieren. Ich kenne viele Pfingstler und Charismatiker mit denen ich menschlich ausgezeichnet klar komme, obwohl ich einen deutlich anderen Standpunkt vertrete. Ich komme sachlich mit diesen Menschen nicht auf einen Nenner, trotzdem respektieren wir uns als Kinder Gottes. Ja, wir können sogar gemeinsam beten. Rudolf Ebertshäuser geht es in seinem Buch nicht um die Diffamierung von Mitchristen, sondern um die verbreitete Lehre, die nicht der Prüfung der Bibel standhält. Was den Inhalt der Lehre angeht, muss ich ihm 100 % recht geben. Nochmals, ich komme aus dieser Bewegung und kenne haarsträubende Hintergründe, die ich an dieser Stelle, auch um Personen zu schützen, nicht preis geben kann. Dass sich Ebertshäuser mit seiner Anwendbarkeit biblischer Auslegungsmöglichkeiten weit aus dem Fenster legt, weiß er nur selbst zu gut. Auch er nimmt einige Bibelzitate aus dem Kontext. Sein Hauptanliegen sehe ich jedoch darin, Auswüchse und die damit verbundenen Gefahren der pfingstlich-charismatischen Lehre deutlich zu machen. Und das ist ihm mehr wie gut gelungen. Es würde der Christenheit in Deutschland gut zu Gesicht stehen, nicht den Eindruck erwecken zu wollen, man bekämpfe sich. Darüber kann sich nur einer freuen, der Gegenspieler Gottes, der Teufel. Da ich selber, wie bereits erwähnt aus dem Lager der Charismatiker stamme, kann ich sie nur bitten, die von Ebertshäuser angesprochenen Irritationen an Hand der Bibel zu prüfen. Allerdings sollte dann als Konsequenz ein Umdenken und Neuausrichtung des geistigen Standpunktes erfolgen. Dem Autor gebe ich zu bedenken, dass alles Wissen und richtige Erkennen aus dem Wort Gottes wertlos ist, wenn es ohne "Christliche Liebe", um den Apostel Paulus im Korintherbrief zu zitieren, geschieht.
Geschrieben am 16. Mai 2012
von Friedhelm Seelig