Um ein wichtiges Geschäftsmeeting einhalten zu können, storniert Familienoberhaupt Bob Munro kurzerhand den geplanten Hawaii-Urlaub und konfrontiert die zänkische Sippschaft mit der haarsträubenden Idee, die freien Tage gemeinsam in einem luxuriösen Wohnmobil zu verbringen. Zufällig führt die von diversen Pannen und kauzigen Mitcampern - darunter die immer gutgelaunte "Kelly Family" Gornicke - geprägte Fahrt durch Colorado zum Tagungshotel. Am Ende stellt sich für Bob die Frage, ob Familie vor Job geht.
Zugegeben ist es in jüngerer Vergangenheit für den seit GOOD MORNING VIETNAM bekennenden Robin Williams Bewunderer nicht leicht, Lobeshymnen auf das lustige Energiebündel zu verfassen. Zumindest was das Komödiengenre angeht, denn dass Williams ebenso als Charakterdarsteller brillieren kann, hat er unlängst in einer Serie von dramatischen und teils untypisch besetzten Rollen wie in ONE HOUR PHOTO, INSOMNIA und THE FINAL CUT unter Beweis gestellt. Dagegen hat er - so die subjektive Sicht des Rezensenten - seit THE BIRDCAGE (1996) keine rundum gelungene Komödie mehr abgeliefert. Und so ist man für jeden, wenn auch vielleicht nur durchschnittlichen Comedyhappen dankbar, den der quirlige Kindskopf in immer größer werdenden Abständen anbietet (über die kürzlich veröffentlichte Unsäglichkeit LIZENZ ZUM HEIRATEN sei an dieser Stelle Schweigen bewahrt).
R.V., stehend für Recreational Vehicle (Wohnmobil) und Originaltitel, ist tatsächlich besser als sein - durch seriöse (=humorfreie) Kritiker vernichteter - Ruf. Natürlich hat Regisseur Barry Sonnenfeld mit DIE ADDAMS FAMILY, SCHNAPPT SHORTY oder MEN IN BLACK bereits deutlich gelungenere Komödien gedreht. Dennoch sorgt das von ihm zusammengestellte, glaubwürdig harmonierende Ensemble sowie die technisch aufwändige Umsetzung für kurzweilige Unterhaltung und noch im Abspann für Feel Good Stimmung.
Besetzung: Robin Williams ist wie gewohnt Geschmackssache (eine ähnliche Bürde trägt sein legitimer Nachfolger Jim Carrey) - entweder man mag ihn subtil agierend oder in wildem Slapstick grimassierend oder ist komplett genervt von seiner Turbomimik. Hier darf er jedenfalls in allen Schattierungen sämtliche Register ziehen. Ihm ebenbürtig ist die umwerfende, mit einem Killerlächeln gesegnete Cheryl Hines (...UND DANN KAM POLLY) als forsche Gattin, gefolgt von Jeff Daniels als trottelig-kumpelhafter Cowboyverschnitt. Die Kinderdarsteller sind solide und - für das Sujet nicht selbstverständlich - erträglich nervig.
Inszenierung: Barry Sonnenfelds Ursprung als Kameramann (HARRY UND SALLY, MISERY) merkt man jedem seiner Filme als Regisseur an, sei es der Einfallsreichtum an Kamerapositionen oder das Timing physisch bzw. stunttechnisch anspruchsvoller Szenen. Von denen werden einige geboten, vorzugsweise wenn sich die rollende Heimstatt selbständig macht oder Robin Williams auf dem fahrenden Ungetüm herumturnt. Nur Hartgesottene dürften diese Momente ohne zumindest einen Schmunzler überstehen.
Unterm Strich steht einigen wenigen Rohrkrepierern und unvermeidlichen Fäkalwitzen (obwohl die Entsorgung der Campingtoilette zwerchfellerschütternder daherkommt als es der Trailer vermuten lässt) eine Mehrzahl an zwar kaum innovativen, aber dennoch spaßigen Gags gegenüber. Auch der Kitschfaktor hält sich angenehm in Grenzen - überraschungsfrei darf verraten werden, dass die Familienzusammenführung am Ende selbstredend gelingt. Die technisch beanstandungslose DVD zum Nice Price, mit wirklich sehenswerten Zugaben (die dank Williams zum Teil witziger als der Hauptfilm ausfallen) sei daher allen Fans des Komikers uneingeschränkt empfohlen. Man sollte nur nicht eine weitere MRS. DOUBTFIRE erwarten.