Auch wenn der dritte Band das Niveau des ersten nicht ganz erreicht, so ist er doch erheblich besser als der Zweite. Aber das war ja auch keine große Kunst.
Was mir allerdings etwas negativ aufstößt ist, dass Carver mit der Unterwasserstadt ein phantastisches Szenario, ala Jules Verne, erschafften hat, es ihm aber nicht ansatzweise gelingt dessen Flair zu erreichen. Was hätte man alles darüber berichten, welche wunderbaren Dinge erzählen können? Eine ganze Zivilisation die unter der Meeresoberfläche lebt hätte doch eine Unmenge von Geschichten hergeben können.
Wie wohnen die Neri, gibt es Schulen oder Fabriken in der Stadt oder gar riesige bunte und üppige Gärten? Statt dessen bewegen sich Bandicut und seine, mittlerweile drei, Freunde von einer Kuppel in die nächste oder von einem Tauchboot ins andere. Ellenlange Seiten auf denen Bandicut das sagt und Li-Jared jenes. Antares macht dies, Ik macht das. Lesefreude kommt für mich am Anfang des Buches nicht auf.
Erst zur Mitte hin gewinnt die Geschichte an Farbe, ja, wird sogar richtiggehend romantisch. Ein Flair von Sense of wonder schimmert durch wenn Antares und Bandicut sich auf dem Oberdeck einer aufgetauchten Algenfarm etwas näher kommen und John in den Sonnenuntergang schaut und die beiden phantastischen Monde des Planeten zum ersten Mal sieht. Da kommt Fernweh auf und der geneigte Leser weiss endlich warum er diese Art Genre liest, warum es ihn auf fremde Planeten und fort von der Erde treibt - und sei es nur in Gedanken und Träumen.
Leider verfliegt dieser Augenblick recht schnell wieder und der triste Ich-lebe-unter-Wasser Alltag holt den Leser wieder ein. Aber Carver hat endlich mal angedeutet, dass er es versteht zu schreiben und den Leser zu fesseln. Ab der Mitte baut sich sogar Spannung auf und die Geschichte kommt in Fahrt.
Überraschenderweise, kommt es sogar noch zu einem ziemlich phantastischen und sehr schönen Finale. Carver scheint hier von den Filmen Abyss, Stargate und Sphere inspiriert worden zu sein. Und das meine ich durchaus positiv. Carver löst das Geheimnis der Unterwasserfabrik, des abgestürzten Raumschiffs und des Höllenschlundes auf dem Meeresgrund nicht nur auf, sondern verknüpft sie auf eine wirklich galaktische Art und Weise. Hätte er doch immer so geschrieben, was für ein Genuss hätte dieser Zyklus sein können.
Auch wenn die eigentlichen Chaos-Chroniken (noch) nicht abgeschlossen sind, so ist doch positiv zu vermerken, dass alle drei Bücher in sich geschlossen sind und auch ohne die noch fehlenden Bände leicht zu lesen und zu verstehen sind. Band drei endet damit, dass die Freunde und Schicksalsgefährten geradewegs auf dem Weg ins nächste Abenteuer sind, wobei sich das Weltenschiff aus Band 2 als zentrale Anlaufstelle zu etablieren scheint.
Eigentlich würde ich dem Buch gesunde 3,5 Sterne geben mit Tendenz zu 4. Allein durch das tolle Ende sind die schon verdient.
© deval