Schwer verständlich, warum gerade dieser Titel es auf die Liste der (eigentlich meist empfehlenswerten) "Meisterwerke der Science-Fiction" geschafft hat. Beim Lesen ergeben sich gleich zwei Probleme: Einerseits die Handlung selbst (was schlimm genug ist) und dann der absonderliche Sprachstil, in welchem diese verfasst ist. Gut, beginnen wir mit Letzterem: Harrisons Ausdrucksweise erscheint auf den ersten Blick sehr anspruchsvoll - oder zumindest soll sie das. Der Roman läuft förmlich über vor Metaphern, dreifach verschachtelten Nebensätzen und bildhaften Vergleichen, die man sich in nüchternem Zustand eigentlich kaum ausdenken kann (was sie nicht unbedingt schlechter macht, im Gegenteil). Das wäre alles kein Problem, würde nicht die Verständlichkeit der Handlung - besonders zum Ende hin - stark darunter leiden. Allerdings verpasst man im Extremfall auch nicht allzuviel, womit wir beim ersten Punkt wären: Die Handlung des Romans zieht sich endlos dahin, einen Spannungsbogen sucht man vergebens, Sinn und Zweck des Geschilderten wollen sich dem Leser partout nicht erschließen. Sicher muss nicht jeder Roman ein thrillergleicher Pageturner sein. Doch hier kann man sich nicht des Gefühls erwehren, dass der Autor es schlichtweg auskostet, uns möglichst lange und ausführlich das Leid des "Käptn" (Mann, mann...) Truck vorzuhalten und diesem dabei hin und wieder einen Anfall akuten Erbrechens zu genehmigen. Und das Langweilt. Die groß angepriesene "Botschaft", welche im Vorwort genannt wird, kommt dabei nicht rüber, und auch die dort genannte düstere Atmosphäre will sich - größtenteils aufgrund des verschlüsselten Sprachstils - nicht so recht einstellen. Soviel zur Handlung.
Was das Vorwort selbst betrifft: Nutzt diese Viertelstunde eures Lebens bloß sinnvoller!!! Denn hier liegt ein klassischer Fall von Überinterpretation vor - selten hat man so viel handfest bewiesene Spekulation mit einem hohen Aussagewert gesehen! Jedenfalls mochte der Mann seinen Deutschunterricht...
Dennoch gebe ich einen Stern zu dem obligatorisch notwendigen hinzu, weil eine Reihe guter, phantasievoller Ideen vorkommen: Da ist zum Beispiel die Religion der "Öffner", die aus reinem Glauben heraus Fenster in ihre Körper einsetzen lassen, um ihre Innereien für die Außenwelt sichtbar zu machen. Oder die Kolonie der Anarchisten und die im wahrsten Sinne des Wortes zauberhafte Figur des Himation. Das alles sind gute, wirklich interessante Ideen - schade nur, dass sie in so einem halbstarken Roman ihr Ende finden mussten.
FAZIT: Sicher kein Meisterwerk. Eher eine langsam dahinplätscherne Geschichte ohne rechten Handlungsfaden, man hätte mühelos etwas weglassen oder neu dazuerfinden können - am Ende freut man sich darauf, dass Truck bald die Maschine zündet. Der Sprachstil erscheint umständlich und irgendwie "pseudointellektuell", vieles daran wirkt unnötig oder arg bemüht - aber sowas ist ist immer sehr subjektiv. Jedenfalls erschwert er das Lesen. Einen Stern gibt's für ein paar wirklich schillernde Ideen, die in einer netten Kurzgeschichte wohl aber besser aufgehoben gewesen wären. Andererseits: Aus dem Roman hätte man leicht eine machen können.