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Die Catilina-Verschwörung: Ein Krimi aus dem alten Rom - SPQR [Taschenbuch]

John Maddox Roberts , Kristian Lutze
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (27 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

John Maddox Roberts, 1947 in Ohio geboren, machte sich zunächst als Autor zahlreicher Science-Fiction-Romane einen Namen. Sein erster historischer Kriminalroman "SPQR" wurde 1991 für den Edgar Allan Poe Award nominiert und war der Beginn einer Serie ausgesprochen erfolgreicher Romane mit dem Helden Decius Caecilius Metellus.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In jenem Sommer ereilte uns die Nachricht, daß Mithridates gestorben sei. Zunächst fiel es schwer, das zu glauben. Mithridates war uns schon so lange ein Stachel im Fleisch gewesen, daß er einem wie eine Naturgewalt vorkam, so unabänderlich wie der Sonnenuntergang. Nur die ältesten Bürger konnten sich noch an die Zeit erinnern, als wir uns noch nicht mit ihm herumplagen mußten. Er starb alt und einsam, irgendwo auf dem kimmerischen Bosporus, wo er gerade einen weiteren Angriff auf Rom plante, diesmal eine Invasion Italiens über die Donau. Er war unser zuverlässigster Feind gewesen, und wir würden ihn vermissen.
Die Nachricht kam mitten in einem wunderbaren Sommer, einem der schönsten seit Menschengedenken. Es war eine Zeit des Friedens und des Wohlstands. Die von Marius und Sulla angezettelten Bürgerkriege verblaßten in der Erinnerung. Rom war überall auf der Welt siegreich. Im Osten war Pompeius der überwältigende Sieger. Er hatte die Mittelmeerpiraten vernichtet und war dann weitergezogen, Asien, Pontus und Armenien zu unterwerfen, wobei er Lucullus um den endgültigen Triumph betrog, um den jener so lange und ehrenvoll gekämpft hatte. Kreta war nach einem langwierigen Feldzug unterjocht worden. Wer also blieb übrig, Rom zu bedrohen? Karthago war schon vor Generationen ausgelöscht worden, seine Ruinen untergepflügt und mit Salz bestreut, auf daß dort nie wieder etwas wachsen solle. Der gesamte Orient von Cilicien bis Palästina stand unter römischer Herrschaft, nur das entlegene Parthien hatte sich seine Unabhän
gigkeit bewahrt. Im Süden war Ägypten zu einem Witz reduziert, fett und träge wie ein überfüttertes Krokodil. Afrika und Numidien waren geknebelt. Im Westen war Spanien eine steuerzahlende Provinz. Nur im Norden waren ein paar gallische Stämme noch nicht zivilisiert worden, deren Männer lange Haare und Hosen trugen und unsere Komödienschreiber mit Material für ihre Pointen versorgten.
Aber wir Römer würden selbst für neue Feinde sorgen. Wir standen auf der Schwelle weiterer Bürgerkriege und Erschütterungen. Sie lagen damals noch in der Zukunft, aber jetzt war der letzte Sommer der alten Republik. Sie starb im Herbst.
Damals war jedoch noch nichts von alledem offenkundig. Es gibt Menschen, die behaupten, die Republik sei nie wirklich gestorben, sondern unser geschätzter Erster Bürger habe sie in Wirklichkeit erst wiederhergestellt. Das ist das Gerede von Narren und Kriechern. Ich bin inzwischen zu alt, um mich darum zu scheren, was der Erste Bürger von mir denkt, also werde ich die Ereignisse so beschreiben, wie ich sie erlebt habe. Wenn sein Vorfahre, der göttliche Julius, dabei etwas weniger als gottgleich erscheint, liegt das daran, daß ich Gaius Julius damals schon kannte und unser Erster Bürger nicht. Das ist nicht weiter überraschend, wenn man bedenkt, daß der Erste Bürger in jenem Jahr erst geboren wurde, was wiederum irgendwie passend ist.
Aber keine dieser gewichtigen Angelegenheiten beschäftigte uns in jenem Sommer. Was für Meinungsstreit sorgte, war die Maßnahme des Praetors Otho. Er hatte vier Jahre zuvor als Volkstribun ein Gesetz eingebracht, das vierzehn Sitzreihen des Theaters für die Equites reservierte, den nicht aristokratischen Geldadel. Als Praetor hatte er dieses Gesetz jetzt in Kraft gelassen. Es gab keine Aufstände, aber jedesmal, wenn Otho ins Theater kam, erhob sich ein allgemeines Zischen.
Das große Ereignis der Saison war der Triumphzug des Lucullus. Er war nach Italien zurückgekehrt und hatte den Senat um die Genehmigung eines Triumphzuges in Anerkennung seiner Siege über Mithridates und Tigranes ersucht. Pompeius hatte die Tribunen manipuliert, dieses Ansinnen zu blockieren, aber schließlich hatte man Lucullus doch eine Genehmigung erteilt. Bis dahin war er nach uralter Sitte gezwungen gewesen, sich außerhalb der Stadtmauern Roms aufzuhalten, wo er allerdings Gesellschaft hatte. Quintus Marcius Rex, der Bezwinger Ciliciens, und ein Verwandter von mir, Quintus Caecilius Metellus Creticus, der Sieger über Kreta, waren von Pompeius' Anhängern genauso gehindert worden, ihre sauer verdienten Triumphzüge abzuhalten. Pompeius' Ansicht war, daß aller Ruhm der Welt ihm gehörte und daß jeder, der etwas davon abbekam, des Diebstahls schuldig war.
Der Triumphzug war großartig, weil Lucullus gewaltige Armeen vernichtet und in Tigranocerta, Artaxata und Nisibis gewaltige Beute gemacht hatte. Ich sah von meinem Platz auf den Rostra zu, wie seine Truppen ins Forum einzogen. Zuerst kamen die Trompeter. Ihnen folgten die Standartenträger. Sie trugen wie alle Soldaten des Zuges nur ihre Militärstiefel und ihren Gürtel. Ein uraltes Gesetz verbot das Tragen von Waffen innerhalb der Stadtmauern. Nach den Standartenträgern kamen ein Wagen, der eine gigantische Juppiter-Statue trug, und weiße Opferstiere. Es folgten von Soldaten gezogene Wagen mit riesigen Schlachtengemälden. Dahinter marschierten weitere Soldaten, alle in neuen, schneeweißen Tuniken, vergoldete Kränze auf den Häuptern, Siegespalmen in den Händen, mit Blumenkränzen behängt, von hübschen Sklavinnen in einen Blütenregen getaucht und von Trommlern und Flötenspielern begleitet, die einen ohrenbetäubenden Lärm veranstalteten.
Dann kamen die Wagen mit den erbeuteten Waffen des besiegten Feindes. Sie waren kunstvoll arrangiert, um an die improvisierten Siegeszeichen zu erinnern, die auf den Schlachtfeldern vergangener Tage aufgestellt wurden. Jeder der Wagen trug einen Baum, der von erbeuteten Schwertern und Speerspitzen, polierten Rüstungen und farbenprächtig bemalten Schilden glitzerte. Federgeschmückte Helme waren auf Bündel aus Pfeilen gesteckt. Um die Trophäenbäume saßen Gefangene. Wenn man die Zeitspanne in Betracht zog, die zwischen den Siegen und dem Triumphzug verstrichen war, konnte es sich genauso gut um angeheuerte Ersatzmänner handeln. Nach den Wagen kamen weitere Gefangene, Opfertiere, ein ganzer Spielmannszug und dann das, worauf alle gewartet hatten: die Kriegsbeute.
Das Aufstöhnen und die Jubelrufe, die die Schätze von Tigranocerta hervorriefen, übertönten sogar das Gelärm der Musikanten. Es gab Teller aus massivem Gold, juwelenbesetzte Krüge, Silberketten, Elfenbeinschnitzereien, mit Bernstein verzierte Truhen, kostbare Vasen, Kronen, Szepter, sagenumwobene Kunstschätze, die die orientalischen Monarchen aus den griechischen Kolonien geraubt hatten. Es wurden sogar weiße Holzschilder getragen, auf denen die Summen der Lösegeldzahlungen und der Erlös aus dem Verkauf von Gefangenen auf dem Sklavenmarkt verkündet wurden. Es gab Ballen hell gefärbter Seide, eines Stoffes, der weit wertvoller war als sein in Gold aufgewogenes Gewicht. Es gab backsteingroße Barren aus reinem Gold und Silber, genug, um damit einen mittelgroßen Tempel zu errichten. All das wurde mit Aufschreien begrüßt.
Schließlich kam, am Ende des Zuges, der Mann der Stunde, Lucius Licinius Lucullus Ponticus höchstpersönlich.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In jenem Sommer ereilte uns die Nachricht, daß Mithridates gestorben sei. Zunächst fiel es schwer, das zu glauben. Mithridates war uns schon so lange ein Stachel im Fleisch gewesen, daß er einem wie eine Naturgewalt vorkam, so unabänderlich wie der Sonnenuntergang. Nur die ältesten Bürger konnten sich noch an die Zeit erinnern, als wir uns noch nicht mit ihm herumplagen mußten. Er starb alt und einsam, irgendwo auf dem kimmerischen Bosporus, wo er gerade einen weiteren Angriff auf Rom plante, diesmal eine Invasion Italiens über die Donau. Er war unser zuverlässigster Feind gewesen, und wir würden ihn vermissen.Die Nachricht kam mitten in einem wunderbaren Sommer, einem der schönsten seit Menschengedenken. Es war eine Zeit des Friedens und des Wohlstands. Die von Marius und Sulla angezettelten Bürgerkriege verblaßten in der Erinnerung. Rom war überall auf der Welt siegreich. Im Osten war Pompeius der überwältigende Sieger. Er hatte die Mittelmeerpiraten vernichtet und war dann weitergezogen, Asien, Pontus und Armenien zu unterwerfen, wobei er Lucullus um den endgültigen Triumph betrog, um den jener so lange und ehrenvoll gekämpft hatte. Kreta war nach einem langwierigen Feldzug unterjocht worden. Wer also blieb übrig, Rom zu bedrohen? Karthago war schon vor Generationen ausgelöscht worden, seine Ruinen untergepflügt und mit Salz bestreut, auf daß dort nie wieder etwas wachsen solle. Der gesamte Orient von Cilicien bis Palästina stand unter römischer Herrschaft, nur das entlegene Parthien hatte sich seine Unabhängigkeit bewahrt. Im Süden war Ägypten zu einem Witz reduziert, fett und träge wie ein überfüttertes Krokodil. Afrika und Numidien waren geknebelt. Im Westen war Spanien eine steuerzahlende Provinz. Nur im Norden waren ein paar gallische Stämme noch nicht zivilisiert worden, deren Männer lange Haare und Hosen trugen und unsere Komödienschreiber mit Material für ihre Pointen versorgten.Aber wir Römer würden selbst für neue Feinde sorgen. Wir standen auf der Schwelle weiterer Bürgerkriege und Erschütterungen. Sie lagen damals noch in der Zukunft, aber jetzt war der letzte Sommer der alten Republik. Sie starb im Herbst.Damals war jedoch noch nichts von alledem offenkundig. Es gibt Menschen, die behaupten, die Republik sei nie wirklich gestorben, sondern unser geschätzter Erster Bürger habe sie in Wirklichkeit erst wiederhergestellt. Das ist das Gerede von Narren und Kriechern. Ich bin inzwischen zu alt, um mich darum zu scheren, was der Erste Bürger von mir denkt, also werde ich die Ereignisse so beschreiben, wie ich sie erlebt habe. Wenn sein Vorfahre, der göttliche Julius, dabei etwas weniger als gottgleich erscheint, liegt das daran, daß ich Gaius Julius damals schon kannte und unser Erster Bürger nicht. Das ist nicht weiter überraschend, wenn man bedenkt, daß der Erste Bürger in jenem Jahr erst geboren wurde, was wiederum irgendwie passend ist.Aber keine dieser gewichtigen Angelegenheiten beschäftigte uns in jenem Sommer. Was für Meinungsstreit sorgte, war die Maßnahme des Praetors Otho. Er hatte vier Jahre zuvor als Volkstribun ein Gesetz eingebracht, das vierzehn Sitzreihen des Theaters für die Equites reservierte, den nicht aristokratischen Geldadel. Als Praetor hatte er dieses Gesetz jetzt in Kraft gelassen. Es gab keine Aufstände, aber jedesmal, wenn Otho ins Theater kam, erhob sich ein allgemeines Zischen.Das große Ereignis der Saison war der Triumphzug des Lucullus. Er war nach Italien zurückgekehrt und hatte den Senat um die Genehmigung eines Triumphzuges in Anerkennung seiner Siege über Mithridates und Tigranes ersucht. Pompeius hatte die Tribunen manipuliert, dieses Ansinnen zu blockieren, aber schließlich hatte man Lucullus doch eine Genehmigung erteilt. Bis dahin war er nach uralter Sitte gezwungen gewesen, sich außerhalb der Stadtmauern Roms aufzuhalten, wo er allerdings Gesellschaft hatte. Quintus Marcius Rex, der Bezwinger Ciliciens, und ein Verwandter von mir, Quintus Caecilius Metellus Creticus, der Sieger über Kreta, waren von Pompeius' Anhängern genauso gehindert worden, ihre sauer verdienten Triumphzüge abzuhalten. Pompeius' Ansicht war, daß aller Ruhm der Welt ihm gehörte und daß jeder, der etwas davon abbekam, des Diebstahls schuldig war.Der Triumphzug war großartig, weil Lucullus gewaltige Armeen vernichtet und in Tigranocerta, Artaxata und Nisibis gewaltige Beute gemacht hatte. Ich sah von meinem Platz auf den Rostra zu, wie seine Truppen ins Forum einzogen. Zuerst kamen die Trompeter. Ihnen folgten die Standartenträger. Sie trugen wie alle Soldaten des Zuges nur ihre Militärstiefel und ihren Gürtel. Ein uraltes Gesetz verbot das Tragen von Waffen innerhalb der Stadtmauern. Nach den Standartenträgern kamen ein Wagen, der eine gigantische Juppiter-Statue trug, und weiße Opferstiere. Es folgten von Soldaten gezogene Wagen mit riesigen Schlachtengemälden. Dahinter marschierten weitere Soldaten, alle in neuen, schneeweißen Tuniken, vergoldete Kränze auf den Häuptern, Siegespalmen in den Händen, mit Blumenkränzen behängt, von hübschen Sklavinnen in einen Blütenregen getaucht und von Trommlern und Flötenspielern begleitet, die einen ohrenbetäubenden Lärm veranstalteten.Dann kamen die Wagen mit den erbeuteten Waffen des besiegten Feindes. Sie waren kunstvoll arrangiert, um an die improvisierten Siegeszeichen zu erinnern, die auf den Schlachtfeldern vergangener Tage aufgestellt wurden. Jeder der Wagen trug einen Baum, der von erbeuteten Schwertern und Speerspitzen, polierten Rüstungen und farbenprächtig bemalten Schilden glitzerte. Federgeschmückte Helme waren auf Bündel aus Pfeilen gesteckt. Um die Trophäenbäume saßen Gefangene. Wenn man die Zeitspanne in Betracht zog, die zwischen den Siegen und dem Triumphzug verstrichen war, konnte es sich genauso gut um angeheuerte Ersatzmänner handeln. Nach den Wagen kamen weitere Gefangene, Opfertiere, ein ganzer Spielmannszug und dann das, worauf alle gewartet hatten: die Kriegsbeute.Das Aufstöhnen und die Jubelrufe, die die Schätze von Tigranocerta hervorriefen, übertönten sogar das Gelärm der Musikanten. Es gab Teller aus massivem Gold, juwelenbesetzte Krüge, Silberketten, Elfenbeinschnitzereien, mit Bernstein verzierte Truhen, kostbare Vasen, Kronen, Szepter, sagenumwobene Kunstschätze, die die orientalischen Monarchen aus den griechischen Kolonien geraubt hatten. Es wurden sogar weiße Holzschilder getragen, auf denen die Summen der Lösegeldzahlungen und der Erlös aus dem Verkauf von Gefangenen auf dem Sklavenmarkt verkündet wurden. Es gab Ballen hell gefärbter Seide, eines Stoffes, der weit wertvoller war als sein in Gold aufgewogenes Gewicht. Es gab backsteingroße Barren aus reinem Gold und Silber, genug, um damit einen mittelgroßen Tempel zu errichten. All das wurde mit Aufschreien begrüßt.Schließlich kam, am Ende des Zuges, der Mann der Stunde, Lucius Licinius Lucullus Ponticus höchstpersönlich.
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