oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
oder
gegen einen Amazon.de Gutschein über EUR 0,25 eintauschen?
Die Canterbury-Erzählungen: Vollständige Ausgabe (insel taschenbuch)
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Die Canterbury-Erzählungen: Vollständige Ausgabe (insel taschenbuch) [Gebundene Ausgabe]

Geoffrey Chaucer , Martin Lehnert , Edward Burne-Jones
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 17,50 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.
Nur noch 4 Stück auf Lager - jetzt bestellen.
Lieferung bis Mittwoch, 30. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.

Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe EUR 9,95  
Gebundene Ausgabe, 7. Mai 1987 EUR 17,50  
Taschenbuch EUR 12,00  
Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Die Canterbury-Erzählungen: Vollständige Ausgabe (insel taschenbuch) gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.

Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern.

Hinweise und Aktionen

  • Christa Wolf: Stadt der Engel
    Suhrkamp-Insel-Shop:
    Hier finden Sie Neuheiten des Verlags, Taschenbuch-Highlights, Bücher im Großdruck, Schullektüren und mehr. Zum Suhrkamp-Insel-Shop

Wird oft zusammen gekauft

Die Canterbury-Erzählungen: Vollständige Ausgabe (insel taschenbuch) + Das verlorene Paradies + Die göttliche Komödie
Preis für alle drei: EUR 33,40

Verfügbarkeit und Versanddetails anzeigen

Die ausgewählten Artikel zusammen kaufen
  • Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details

  • Das verlorene Paradies EUR 7,95

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details

  • Die göttliche Komödie EUR 7,95

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details


Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 785 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 5 (7. Mai 1987)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458327061
  • ISBN-13: 978-3458327066
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,9 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 443.072 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Geoffrey Chaucer
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Geoffrey Chaucer auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Pilgerfahrt des Lebens
Geoffrey Chaucers «Canterbury-Erzählungen», neu übersetzt
Von Stefana Sabin Geoffrey Chaucers Erzählzyklus «The Canterbury Tales» blieb zwar unvollendet, gilt aber als eine Art Basistext der englischen Literatur. Umso mehr mag es erstaunen, dass eine integrale deutsche Übersetzung erst in den 1980er Jahren entstand: Sie ist nun in einer zweisprachigen Ausgabe neu aufgelegt worden. Bald nach seinem Tod im Oktober 1400 begann die Geschichtsschreibung Geoffrey Chaucer zum Schmied der englischen Sprache und Begründer einer authentischen englischen Literaturtradition zu stilisieren. Obwohl er ein vielfältiges dichterisches Werk hinterliess, gründete – und gründet wohl immer noch – diese ausserordentliche Hochschätzung Chaucers hauptsächlich auf einem Zyklus von Prosa- und Verserzählungen, die auf einer Pilgerfahrt nach Canterbury spielen: «Die Canterbury- Erzählungen», um 1395 geschrieben, gelten als erster klassischer Text der englischen Literatur. Zwar ist das Werk unvollendet geblieben: Von den 120 geplanten sind nur 21 vollständige und 3 unvollständige Erzählungen mit Einleitungen, Überleitungen, Prologen, Epilogen überliefert, aber die subtile soziale und psychologische Erfindungsgabe, die sich darin ausdrückt, machte Chaucer auch zum unfreiwilligen Schöpfer einer englischen Identität, der er die Sprache gab. Denn in einer Zeit, da die englische Dichtung in Latein oder Anglonormannisch geschrieben wurde, gebrauchte Chaucer das gesprochene Idiom und verlieh dem (Mittel-)Englischen eine poetische Signifikanz; ganz im Sinne der von Jacques Derrida formulierten Ursprungstheorie ist Chaucers Englisch der Ursprung der englischen Literatursprache. Dieses Verdienst pries John Lydgate um 1412 mit den Worten: «Gan oure tonge first to magnifie, / And to adourne it with his eloquence»; und das Urteil hat sich über sechs Jahrhunderte literaturkritischer Exegese hinweg gehalten. Chaucer trug, wie Harold Bloom 1985 schrieb, die englische Sprache «further into unthinkable triumphs of the representation of reality than ought to be possible». Zur sprachlichen Dimension der «Canterbury-Erzählungen» kommt noch ihre formale und inhaltliche Vielfalt: Ritterepos und «fabliau», «comedy of manners» und Sozialsatire, «moral tale» und Tierfabel, Allegorie und Parodie. Und anders als Boccaccios adlige Erzähler im «Decamerone», mit dem die «Canterbury-Erzählungen» immer wieder verglichen werden, stammen Chaucers erzählende Pilger aus ganz verschiedenen sozialen und intellektuellen Schichten. So zeichnete Chaucer zugleich auch ein breit angelegtes Gemälde der englischen Gesellschaft im ausgehenden Mittelalter und zog alle sprachlichen und stilistischen Register. Dabei benutzte er den Topos der Pilgerreise als Rahmenhandlung und scheute vor keiner Anleihe bei der mittelalterlichen Dichtung und bei der durch die mittelalterliche Mystik vermittelten antiken Philosophie zurück. Tatsächlich sind die «Canterbury-Erzählungen» von biblischen, literarischen, wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Anspielungen und Zitaten durchsetzt, und es lässt sich darin eine – postmodern gesprochen – intertextuelle Ebene ausmachen, auf der Pseudo-Dionysius, Augustin, Dante und die anonymen Hofdichter von Heldengesängen mit dem Erzähler Chaucer und seinen Pilger-Erzählern zusammentreffen. DAS TREUE, TRÜGERISCHE WORT Die Pilger, die sich in einer Londoner Herberge begegnen und sich gemeinsam auf den Weg nach Canterbury machen, werden von dem Erzähler, der sich ihnen anschliesst, in keiner hierarchischen Ordnung präsentiert, denn er stellt sich als unparteiischen Beobachter dar, der vorhat, «zu berichten, was sie sagten und wie sie sich verhielten»: als zuverlässigen Erzähler also, der der wahrheitsgemässen Wiedergabe verpflichtet ist. «Wer die Geschichte eines anderen wiedererzählen soll, / muss so getreu, wie er nur kann, / jedes Wort wiedergeben, wenn er dazu verpflichtet ist, / mag derjenige auch noch so ordinär und kunstlos reden; / andernfalls kann er die Geschichte nicht getreulich wiedergeben, / muss dazudichten oder nach neuen Wörtern suchen.» Aber dieser Erzähler betont nicht nur die absolute Entsprechung von Erzähltem und Erlebtem, sondern er vertritt zugleich – ganz im Sinne mittelalterlicher Sprachphilosophie – einen grundsätzlichen Skeptizismus gegenüber der Valenz der Sprache. Und indem er die Möglichkeit der Sprache, die Welt darzustellen, bezweifelt, bezweifelt er auch die Möglichkeit, das Erlebte und Gehörte selbst treu darzustellen – und mutiert so zu einem unzuverlässigen Erzähler. Dieser Wechsel in der Haltung des Erzählers – vom allwissenden Berichterstatter über den misstrauischen Zuhörer hin zur zweifelnden Erzählerfigur – und sein je verschiedenes Auftreten innerhalb der Fiktion sind dramaturgisch in der Komposition der «Canterbury-Erzählungen» eingebettet. Gleich dreifach ist Chaucer in seinem Werk vertreten: als Autor, als Dichter und als Pilger, und alle drei Rollen gehen wiederum wechselnde Verbindungen miteinander ein: Der Autor ist Dichter und Pilger zugleich, der Dichter ist Erzählerfigur und Erzähler, der Pilger wird selber zum Erzähler. Die Pilgerfahrt ist die fiktive Wirklichkeit, innerhalb welcher die wirklichen Fiktionen, die jeweiligen Erzählungen, entfaltet werden. Manche Erzählungen werden abrupt unterbrochen oder nicht zu Ende erzählt, manche werden innerhalb anderer Erzählungen wieder aufgenommen. Die Episoden unterscheiden sich nach Umfang (die Erzählung des Bettelmönchs ist 61 Zeilen lang, diejenige des Kochs nur 9), Stil und Stimmung (der Müller erzählt eher witzig und schnell, die Frau aus Bath eher komisch und vulgär; der Kaufmann ist ein Erzähler von psychologischem und moralischem Ernst). Diese scheinbare stilistische Uneinheitlichkeit ist Programm: Die Mimesis zwischen Erzähler und Erzählung ist Teil der narrativen Strategie Chaucers und gibt den «Canterbury-Erzählungen» ihre epische Breite und ihren realistischen Gehalt. «Here is God's Plenty», lautet der viel zitierte Ausspruch von John Dryden, der damit ein Realismuskonzept der Pluralität formulierte, das er in den «Canterbury-Erzählungen» meisterhaft ausgeführt sah. Auch eine Darstellungsform gefunden zu haben, die bei allen karikierenden und grotesken Beschreibungen dennoch in einem konventionellen Stil verankert ist und so die realistische Wiedergabe der Wirklichkeit erlaubt, gehört zu Chaucers literarischen Pionierleistungen. Die unterschiedliche Herkunft der Pilger und ihre nach Gehalt und Gestalt verschiedenen Erzählungen ermöglichten eine gesellschaftsrealistische, die dramatische Unmittelbarkeit der Figuren eine psychologisch-realistische Beschreibung; und die metaphorische Kraft der Sprache – «His metaphors», schrieb William Hazlitt 1818, «are not for ornament, but use» – schuf einen traditionsbildenden poetischen Realismus. INNOVATIVE FORMEN Chaucer machte die Prosaerzählung, die zu seiner Zeit hauptsächlich die Form mystischer und überhaupt geistlicher Abhandlungen war, auch zum literarischen Medium. Und als Versform prägte er den siebenzeiligen «rhyme royal» und das «heroic couplet», jenen fünftaktigen Vers mit je zwei durch Endreim verbundenen Zeilen, aus dem Shakespeares reimloser «blank verse» entstand. Chaucers Sprache war schon zu Shakespeares Zeiten nicht mehr verständlich, denn dazwischen lagen tiefgreifende Veränderungen nicht nur auf lautlicher und grammatischer, sondern auch auf lexikalischer Ebene. Chaucers antiquiert wirkende Sprache und vor allem seine unregelmässige Metrik brachten ihm die Verachtung der klassizistischen Dichter im 17. und frühen 18. und die Bewunderung der Romantiker im 19. Jahrhundert ein. Chaucer gehört auch zu den ersten Dichtern, die lebensnah porträtiert wurden: Auf einer frühen, farbenfroh ausgemalten Handschrift, die in der British Library aufbewahrt wird, ist er gleich in der ersten Zeile lesend abgebildet, wobei sein ernster Gesichtsausdruck durch rote Socken ironisch relativiert wirkt. Unter dem Einfluss der Handschriftentradition wurden auch die ersten gedruckten Ausgaben der «Canterbury-Erzählungen» üppig illustriert, so dass eine Bildergeschichte den Verlauf der Handlung begleitete. Diese Ausgaben beruhten auf Handschriften, von denen im 15. Jahrhundert nicht weniger als zehn verschiedene Konvolute zirkulierten, und die chronologischen und geographischen Ungereimtheiten im Handlungsverlauf gehen auf die Anordnung in den verschiedenen Manuskriptkonvoluten zurück. Denn von den «Canterbury-Erzählungen», die ursprünglich für den mündlichen Vortrag gedacht waren, gibt es keine Handschrift, die Chaucer selbst zugeschrieben werden könnte, sondern nur Abschriften, von denen das Ellesmere-Manuskript aus dem frühen 15. Jahrhundert allen modernen Ausgaben zugrunde liegt. Als Standardausgabe gilt der sogenannte «Riverside Chaucer», eine Ausgabe, die auf der Grundlage des Ellesmere-Manuskripts 1957 von F. N. Robinson herausgegeben und ihrerseits 1987 von Larry D. Benson neu ediert wurde. Chaucers mittelenglische Dichtung wurde immer wieder übersetzt, wobei die stilistische und sprachliche Komplexität der «Canterbury- Erzählungen» eine besondere Herausforderung darstellte – bei Übersetzungen ins moderne Englisch ebenso wie bei solchen in andere Sprachen. Ins moderne Englisch übertrug schon John Dryden Ende des 17. Jahrhunderts eine Auswahl der Erzählungen – die erste deutsche Übersetzung erschien erst 1866. Seitdem hat es mehrere Übertragungen ins Deutsche gegeben, meistens Nachdichtungen, die die Prosaerzählungen ausliessen. In den achtziger Jahren erschien die erste vollständige Prosaübersetzung von Fritz Kemmler, die der Goldmann-Verlag nun in einer schönen Kassette neu aufgelegt hat. Kemmler verzichtet auf Reim und Metrum, aber indem er die Zeile des Originals als Gliederungseinheit beibehält, legt er sich Formulierungs- und Satzbauzwänge auf, die der Flüssigkeit der Erzählung abträglich sind. Auch auf die in vielen Übersetzungen praktizierte Vereinheitlichung verzichtet Kemmler und gibt Tempora und unterschiedliche Anredeformen derselben Figuren auch dann getreu wieder, wenn dies der Kohärenz entgegenwirkt. So stellt sich der hurtige Rhythmus des Originals nicht ein, aber indem Kemmler Wortgeschichte und Sprachgeschichte ausschöpft, gelingt es ihm manchmal, Wortspiele und Mehrdeutigkeiten ins Deutsche herüberzuretten. Kemmlers Prosaübersetzung ist nicht so sehr eine literarische als vielmehr eine philologische Leistung. So enthält diese Ausgabe denn auch einen umfangreichen Kommentarteil, den Jörg O. Fichte besorgt hat. Er umfasst Einleitungen zu den einzelnen Erzählungen, Anmerkungen zum Text, Bibliographie, einen Abriss der Formenlehre und Angaben zur Aussprache des Mittelenglischen, Überblicke über die englische Geschichte im 14. Jahrhundert, über Leben und Werk Geoffrey Chaucers und über die Geschichte der Chaucer-Rezeption und vermittelt so einen Eindruck von der literaturhistorischen Bedeutung der «Canterbury-Erzählungen». Insofern ist diese zweisprachige Ausgabe nicht nur ein wertvoller Beitrag zur Rezeption Chaucers im deutschsprachigen Raum, sondern sie ermöglicht einen Zugang zu einem wesentlichen Text des literarischen Kanons.

Kurzbeschreibung

Die 24 Geschichten, die sich die Teilnehmer einer Pilgergruppe während einer Wallfahrt vom Londoner Gasthaus "Heroldsrock" zum Heiligenschrein des Thomas à Becket erzählen, vermitteln einen anschaulichen Eindruck von der Buntheit und Vielfalt des mittelalterlichen Lebens.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten

 (Was ist das?)
Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
 

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

4 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Sterne
0
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
41 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von helmut seeger TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ich würde die Canterbury-Erzählungen gleich neben dem dramaturgischen Werk Shakespeares und den Meistererzählungen Tolstojs zu den bedeutendsten Hinterlassenschaften der europäischen Unterhaltungsliteratur rechnen.
Allerdings stammt dieses Werk aus dem späteren Mittelalter und wurde in Mittelenglisch geschrieben. Da bedarf es erheblichen Engagements eines eminent befähigten Übersetzers. Martin Lehnert, das muss man trotz seiner im Vorwort erwähnten Mühen und seines Engagements, das Werk der Öffentlichkeit wieder bekannt zu machen, sagen, wird diesen Ansprüchen nicht gerecht. Dies aus drei Gründen:
1. Lehnert wirft den Übersetzern des 19. Jahrhunderts - wohl zu recht - deren Prüderie vor, erreicht aber auf der anderen Seite nicht deren Ernsthaftigkeit und Werkgetreue. Im Vergleich zur Übersetzung Adolf von Dürings von 1873, die ich empfehlen kann, wirkt seine Sprache häufig aufgesetzt salopp.
2. Es ist zwar dem Autor - und damit dem Verlag - zu danken, dass sie die einzelnen Geschichten erläutern, allerdings sind diese Erläuterungen teils eher geeignet, Verwirrung zu stiften als Erklärendes beizufügen.
3. Der gewichtigste Einwand gegen Lehnerts Übersetzung aber ist: ein Übersetzer sollte sich nie über das Werk seines Autors erheben. Genau das aber tut Lehnert. So kürzt er ausgerechnet die Geschichte von Melibee, wie es auch englische Übertragungen der Canterbury Tales tun, wegen der angeblichen Überlänge und Langeweile. Ausgerechnet diese Geschichte, die Chaucer wiederum aus tradierten Erzählungen anderer Autoren übernommen hat, gehört zu den philosophischsten und tiefgründigsten Dialogerzählungen der Weltliteratur überhaupt, deren Kürzung entweder nur der Ignoranz oder der Unkenntnis des Originals geschuldet werden kann.
Außerdem streicht Lehnert auch die letzte Geschichte, die weitschweifigen Erzählungen des Pfarrers über die sieben Todsünden zusammen, was der Wertschätzung des Übersetzers bei detailinteressierten Lesern endgültig den Garaus machen dürfte. Das kann man einem Übersetzer letztlich auch nicht durchgehen lassen.
Ich rate deshalb jedem Interessenten an diesem exquisiten Werk, sich die Übersetzung Adolf von Dürings im Antiquariat zu besorgen. Bevor man es aber gar nicht liest, kann man auch zu Lehnerts Übersetzung greifen. Auch diese kriegt dieses epochale Werk nicht klein.

Inhaltlich geht es um eine Reihe von Pilgern, die zum Grabe des Thomas Beckett ziehen und sich zur Unterhaltung unterwegs gegenseitig Geschichten erzählen. Die Grundstruktur hat Chaucer damit, wie es scheint, von Boccaccios Decamerone übernommen.
Insgesamt sind Chaucers Erzählungen erstaunlicherweise heute noch so frisch wie damals, weil sie den Kern der menschlichen Existenz behandeln. Mal die Ehe, die Trunksucht, den Glauben, Geldgier und vieles mehr, was auch heute noch die menschliche Gemeinschaft bestimmt.
Man muss natürlich anmerken, dass auch das größte Genie in einem Menschenleben kein solches Werk schaffen könnte, d. h. dass die meisten Erzählungen nicht von Chaucer selber stammen, sondern von diesem auf der Basis tradierter Erzählungen "geschaffen" wurden. Chaucer ermöglicht es uns auf diese Weise, an einem Stück Kulturgeschichte antiker und mittelalterlicher Erzähltradition teilzuhaben.

Verblüffend ist dabei die mancherorts offene Sprache, die man in einem mittelalterlichen Werk so nicht vermuten würde und nicht mal bei Boccaccio findet, mit dem Chaucer einige Erzählungen gemein hat und, alles überragend, die ungeheure Weisheit und Bildung, die aus manchen Erzählungen spricht und die Chaucer in dieser Sammlung verfügbar gemacht hat. Für mittelalterliche Verhältnisse scheint diese geradezu ungeheuerlich.
Gegen Chaucers Erzählungen verblassen die Zeitgenossen Dante und Boccaccio zusammengenommen, diesen voraus hat er auch die stilistische Vielfalt und sprachliche Gewandtheit wie den literarischen Gehalt. Der hohe Unterhaltungswert der Erzählungen bildet den Schnittpunkt zwischen Volkserzählung gelehrter Abhandlung. Ein Jahrtausendwerk.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Auf einer Pilgerreise nach Canterbury treffen sich eine Gruppe von 29 Pilgern und entscheiden, daß jeder von ihnen den anderen während der weiteren Reise vier Geschichten erzählen solle. Unter den Pilgern sind so unterschiedliche Charaktere wie der Ritter, der Müller, der Gutsbesitzer, der Ablaßprediger und viele andere. Diese sind bei Chaucer nicht nur Repräsentanten ihres Standes oder Berufes sondern tragen auch individuelle Züge, die sich zum Teil stark in ihren Geschichten widerspiegeln. Gerade hierin liegt der ganz besondere Reiz der Erzählungen: Chaucer nutzt seine Konstruktion, um die verschiedensten Themen zu behandeln, zu denen er wiederum Vertreter teils gegensätzlicher Meinungen zu Wort kommen läßt. Die Geschichten sind jedoch nicht nur inhaltlich vom Charakter des Erzählers geprägt, sondern auch sprachlich und stilistisch. Höfische Romanzen finden sich ebenso wie derbe Schwankgeschichten. Auf diese Weise entwirft Chaucer ein wahrhaft vielfältiges Bild seiner Zeit. Die einzelnen Geschichten sind meisterhaft komponiert; das geht soweit, daß einige Erzählungen deutliche strukturelle Mängel aufweisen, die jedoch, von Chaucer beabsichtigt, im Charakter der erzählenden Person begründet sind. Das Buch ist auch wegen des hintergründigen Humors sehr vergnüglich zu lesen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Serenus Zeitblom TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Vorab: das Werk ist sicher zu Recht ein Klassiker, doch Reclams Ausgabe war jetzt nicht das, was ich annahm.

Nur kurz zum Werk: Chaucer beschreibt im Mikrokosmos einer Pilgerfahrt verschiedene Charaktere und lässt sie verschiedene Geschichten erzählen. Mit Bocaccios Decamerone ist es vergleichbar, doch auch ganz anders und humorvoll.

Zur zweisprachigen Reclam-Ausgabe: dass ich sie nicht noch einmal kaufen würde. Wieso? Die Geschichten sind teils gekürzt, oft ganz gestrichen worden. Der Verlag habe halt eine Seitenzahl vorgegeben, versuchen sich die Herausgeber noch im Vorwort aus der Schusslinie zu bringen. Weil sich die Geschichten ja auch teils aufeinander beziehen, ist das ein Kardinalfehler. Was findet sich auf den 565 Seiten? Vorwort, Einleitung, Zeittafel, einige Geschichten in der Regel mit dem Prolog dazu (mittelenglisch-deutsch). Danach kommen Anmerkungen (wieso eigentlich nicht rascher lesbar als Fußnote?) und Kurztexte zu den ausgewählten Teilen. Zuletzt kommen ein paar Literaturhinweise.

Wer sich wissenschaftlich darin vertiefen möchte, leiht sich eine wissenschaftliche Ausgabe aus.
Wer sich wissenschaftlich darin vertiefen muss (Englisch-LK oder Anglisten), ebenso - das muss man auch im Ganzen betrachten.
Wer einmal in seinem Leben ein bisschen Mittelenglisch gelesen haben möchte, hat noch am ehesten etwas hiervon - die Vokabelhinweise gehören aber dann nicht nach hinten, sondern unter den Text zum effektiven Lesen.
Wer einfach Chaucer lesen will, mag direkt zu einer (vollständigen) Übersetzung greifen.

Kurzum: trotz der hohen literarischen Qualität von Chaucer für diese spezielle Ausgabe nicht mehr als drei Sterne, sorry.
War diese Rezension für Sie hilfreich?

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten

Legen Sie Ihre eigene Lieblingsliste an

Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:


Ihr Kommentar


Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de