Den Ton, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die europäische Debatte um die politische Führung der USA, und besonders um den Präsidenten George W. Bush, prägte als schrill zu bezeichnen, wäre wohl noch untertrieben. Da wurden kaum verhohlene Vergleiche mit dem Dritten Reich gezogen und Spekulationen angestellt, ob die konservative Führungsclique das Inferno in New York nicht vielleicht selbst angerichtet haben könnte. Gründe ließen sich in der Biographie eines Präsidenten zu Genüge finden, der seinen Wohlstand in erster Linie dem Ölgeschäft und regen Kontakten zu teils recht zweifelhaften Geschäftemachern in aller Welt verdankte, unter anderem sogar der Familie Bin Laden. Dass solche Vorwürfe meist eher dem politischen Kalkül hiesiger Staatsmänner, denn einer kritischen Analyse der Fakten entsprangen, kann mittlerweile als gesichert gelten. Daher war es wohl an der Zeit, dass sich ein etwas kühlerer Kopf in die hitzige Debatte einschaltet. Autor Robert von Rimscha ist ein solcher. In seinem Buch "Die Bushs - Weltmacht als Familienerbe" spürt er den Ursachen der heftigen Kritik nach, die hierzulande dem US-amerikanischen Präsidenten entgegenschlägt und rückt ein sehr verzerrtes Bild mit angenehm kritischer Distanz wieder gerade.
Zwei Wege macht Robert von Rimscha aus, die von jeher von der Familie Bush beschritten wurden, und die sich nicht selten problematisch nahe kamen und kreuzten: "Da war zum einen die erfolgreiche wirtschaftliche Betätigung als Unternehmer und Investor. Und da war zweitens die Auseinandersetzung mit Politik, Gewalt und Krieg." Bis ins 19. Jahrhundert lassen sich die Anlagen hierzu zurückverfolgen. Jedoch geht der Autor nur auf wenigen Seiten auf die weitere Familiengeschichte ein. Diese wenigen Informationen sind aber unverzichtbar, um die besondere Rolle verstehen zu können, die persönliche und verwandtschaftliche Beziehungen im öffentlichen Leben Amerikas spielen.
Der größte Teil der Biographie ist schließlich den Hauptakteuren des Bush-Clans gewidmet, dem 41. und dem 43. Präsident der Vereinigten Staaten, George und George W. Bush. Eigentlich von der Ostküste stammend, zog der Ältere mit seiner Frau Barbara in das kleine texanische Städtchen Midland, wo sie es, den Ölboom der 1950er Jahre nutzend, schnell zu eigenem Reichtum brachten, der sie auch unabhängiger von dem großen Erbe der Familie machte.
Robert von Rimscha geht ausführlich auf den Ortswechsel und die sich daraus ergebenden neuen geschäftlichen Beziehungen ein. Hier liegt zumindest ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis auch der aktuellen Politik des amerikanischen Präsidenten. Bereits der Vater und Vorgänger im Amt war ein Außenseiter, sowohl in der texanischen Gesellschaft, in der er lebte, als auch in der Politik. Damit zeigt sich eine zweite wichtige Voraussetzung, in Amerika zu Macht und Anerkennung zu gelangen, die das Paradox einer ganzen Nation illustriert. Neben Familienehre und Tradition lieben es die US-amerikanischen Wähler, jemandem von außerhalb ins Präsidentenamt zu verhelfen, einem Unverbrauchten, der den Traum vom Aufstieg noch selbst gelebt hat. Beide, Vater und Sohn Bush, waren für diese Rolle prädestiniert, auch wenn sie sich, gerade bei dem Jüngeren, mit seinem manchmal rüpelhaften Auftreten und dem Desinteresse an vielen Gebieten etablierter Politik, manchmal auf eine Art äußerte, die in Europa nur ungläubiges Kopfschütteln hervorruft.
Die große Stärke von dem Buch "Die Bushs" liegt in genau diesem Einfühlvermögen in die amerikanische Seele, das anderen Europäern meist abgeht. Damit zeigt Robert von Rimscha eine Toleranz gegenüber andersartiger politischer Kultur, wie sie gerade die schärfsten Kritiker des amerikanischen Präsidenten von diesem einfordern, ohne selbst zu üben. Und auch den Beweis, dass Toleranz nicht mit kritikloser Akzeptanz einhergehen muss, führt er in seiner Biographie. Der unaufgeregte Ton, den er anschlägt, ermöglicht es ihm, sehr genau auf die verschiedenen Vorfälle und Problemstellungen um George W. Bush und seine Familie einzugehen: Angefangen bei der Iran-Contra Affäre, die die Problematik der Verschränkung von finanzieller und politischer Macht verdeutlichte, über den starken Einfluss der sogenannten Neocons, bis hin zu George W. Bushs tiefer und offensiv gelebter Religiosität.
Ein Stammbaumplan und eine Reihe interessanter Fotografien aus dem öffentlichen und privaten Leben der Familie Bush ergänzen das übersichtlich gestaltete Buch "Die Bushs".
Man kann dies alles vielleicht erst verstehen und angemessen kritisieren, wenn man sich frei macht von kurzsichtigem politischem Kalkül und hysterisch verbreiteten Vorurteilen. Robert von Rimschas Werk "Die Bushs" ist dabei ein wichtiger Beitrag zu einem analytisch scharfen Verständnis amerikanischer Politik in Europa!