In der Regel bin ich kein Fan von historischen Büchern, aber dieser Thriller, der mir von einer Freundin empfohlen wurde, hat mich sofort gepackt. Bereits auf der ersten Seite war ich beglückt von dem wunderschönen, poetischen Stil Sauers, die es schafft, unmittelbar Atmosphäre zu schaffen und prickelnde Spannung zu erzeugen. Die winterlichen Abenteuer der Buchmalerin Donata, die vor der Inquisition flieht, werden so berührend und aufregend geschildert, dass sie mir seit der Lektüre nicht mehr aus dem Kopf gehen. Donata ist eine vielschichtige Figur: Einerseits ist sie gejagter, politischer Flüchtling, andererseits Künstlerin -- sie kämpft um ihr Überleben, verzweifelt, wütend, listig, mutig, frierend und ihrem Schicksal und den mannigfaltigen Nachstellungen ihrer Widersacher trotzend. An ihrem Schicksal entwickelt sich das Buch, das gleichzeitig Thriller, Liebsgeschichte und politischer Roman ist, der die Mechanismen eines Progroms hervorragend darstellt. Donata ist die Hauptfigur, aber auch die vielen anderen Figuren auf den mehr als fünfhundert Seiten sind nicht minder faszinierend. Von Enzio, einem veritablen Bösewicht, der deswegen jedoch keineswegs eindimensional ist, über die Kölner Beguinen, den kaiserlichen Spion Roger, bis zu meiner heimlichen Lieblingsfigur, der Äbtissin, sind sie alle vielschichtig, interessant und menschlich.
Die Buchmalerin war das Buch, das mich Vielleserin in den letzten Monaten am meisten begeistert hat und es wird sicher einer meiner Lieblingsschmöker bleiben.