Sabine Weiß erzählt in "Die Buchdruckerin" ein Stück deutsche Geschichte nach - und das ist ihr bestens gelungen.
Straßburg 1510: Als Margarethes Vater, der Drucker Johann Prüß, stirbt, erbt zunächst ihr Bruder Hans die Druckerei der Familie. Ihre Anwesenheit in der Druckerei, in der sie seit Kindestagen ihr halbes Leben verbrachte, ist nun nicht mehr gewünscht. Doch ihr Bruder ist mehr mit Wettspielen und Saufgelagen beschäftigt als Anteil am Fortbestand der Druckerei zu nehmen und droht diese zugrunde zu richten. Als Margarethe wenig später herausfindet, dass ihr Vater vor seinem Tod ein Testament aufgesetzt hat, dass sie zu gleichen Teilen begünstigt, ist sie sofort begeistert. Ihr Bruder jedoch, will sie an den nächstbesten Mann verheiraten. Allen Widrigkeiten zum Trotz setzt Margarethe sich durch und schafft es ihre eigene Druckerei aufzubauen. Doch eine Frau wird im Handwerk nicht lange geduldet und so muss sie sich bald verheiraten. An der Seite des früheren Altgesellen ihres Vaters, Reinhard Beck, macht Margarethe eine Zeit des Wandels durch, denn nicht nur Kirche und Glaube sind ständigen Reformationen und Veränderungen erlegen, es wird auch zunehmend schwieriger sein Auskommen zu finden ...
Sabine Weiß beginnt ihren Roman vielversprechend. Die Hauptfigur Margarethe Prüß ist einem sofort sympathisch und bleibt es auch durch den ganzen Roman und viele Jahre an ihrer Seite. Als Leser lernen wir ein wenig über die Buchdruckerei, das Leben in Straßburg und über das Zusammenleben der Menschen zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Besonders gut hat mir gefallen, dass man beim Erwachsenwerden von Margarethes sieben Kinder dabei ist, ihr zu Seite steht als ihr erster Ehemann Reinhard und auch der zweite Mann Johannes den Tod finden und mit ihr glücklich ist als sie sich in den viel jüngeren Balthasar verliebt. Sabine Weiß hat ihre Figuren mit viel Menschlichkeit ausgestattet, dass es dem Leser leicht macht, sie zu mögen.
Leider macht die Hälfte des Buches die Veränderungen von Kirche und Glauben der Menschen aus. Wir sind Zeuge wie immer mehr Menschen sich der Reformationsbewegung anschließen und immer neue christliche Randgruppen und selbsternannte Propheten in Straßburg gewahr werden. Auch wenn es eine erstaunliche Leistung der Autorin ist, diese großen Veränderungen in ihrem Roman glaubhaft einzuflechten, geriet mir darüberhinaus das Leben der Hauptfiguren - Margarethe und ihre Familie - sowie die Buchdruckerei zu sehr in den Hintergrund.
Ohne Längen vermag die Geschichte leider nicht auszukommen. Vorallem bei den vielen beschriebenen christlichen Streitgesprächen und dem allgemeinen Geschehen um die Kirche, das nicht nur in der Stadt Straßburg geschildert wird, geriet das Geschehen oft ins Stocken. Für meinen Geschmack hat die Autorin einfach einen zu großen Augenmerk auf die Reformation gelegt und dabei manchmal ihre eigentlichen Protagonisten ein wenig aus den Augen verloren. Viele Namen tauchen im Zusammenhang mit der christlichen Bewegung auf, die nur wenige Male genannt werden und zum eigentlichen Geschehen nichts beizutragen haben, vielmehr scheint es als wollte die Autorin die Ergebnisse ihrer, sicherlich sehr gründlichen und aufwendigen, Recherche unterbringen.
Dennoch bleibt "Die Buchdruckerin" ein lesenswerter Roman, der einen besonderen Einblick in das historische Leben der Menschen sowie der Stadt Straßburg vermittelt. Die Autorin hat es geschafft mich ins 16. Jahrhundert zu versetzen, mit Figuren, die man gern begleitet und allerhand historischem Geschehen. Auch die Sprache der Menschen überzeugt und ist nicht zu modern gehalten, was mich besonders gefreut hat.
Am Ende erzählt uns die Autorin, welche Personen tatsächlich gelebt und welche sie erfunden hat. So haben Margarethe und ihre Kinder sowie die drei Ehemänner tatsächlich gelebt, und auch die Druckerei gehörte ihr. Dass Sabine Weiß gründlich recherchiert hat, um das Leben dieser Frau nachzuerzählen ist offensichtlich, und - mal abgesehen von der Reformationsbewegung - ist ihr das wirklich überaus gelungen. Allerdings hätte dem Buch eine Kürzung in Sache Kirche und Glauben wirklich gut getan.
Fazit: Ein lesenswerter Roman, der seine Leser in eine längst vergangene Zeit entführt, zu einem historischen Straßburg und Figuren, die teilweise wirklich lebten und von der Autorin liebevoll gestaltet wurden.