Man nehme eine junge attraktive Moderatorin, die erst am Anfang einer großen Karriere steht, einen attraktiven Theaterschauspieler mit grauen Schläfen, der sich ihr zuliebe von seiner langjährigen Partnerin trennt, vermische die beiden zu einem schönen, wohlhabenden und sehr, sehr glücklichen Paar, füge ein Kind hinzu und schon hat man ein altvertrautes literarisches Idyll erzeugt.
Aber genau an diesem Punkt reißt Thea Dorn ihre Leser/innen aus den neidvollen Wunschträumen, denn der Schein trügt. Die Protagonistin ist genervt von ihrem häufig schreienden Baby, der Ehemann schützt Arbeit vor, um seltener daheim sein zu müssen und die neue Sendung läuft schlechter als erwartet.
So gerät Tessa Simon mehr und mehr in den Sog der Verzweiflung und verübt im Affekt eine nicht nur moralisch unverantwortliche Tat ...
Thea Dorn, die ihren Namen von Theodor W. Adorno abgeleitet hat (warum nur?) gilt als Deutschlands brutalste Krimiautorin. Brutal ist dieses Buch, weil es schonungslos offen legt, wozu Menschen - in diesem Falle Mütter - fähig sind, wenn der Druck von außen zu groß wird.
Psychologisch glaubwürdig erscheinen mir weder Tessa Simon noch ihr Mann. Die innere Zerissenheit der Frau, die tough und zugleich anschmiegsam wirkt, hat allzu viele Brüche.
Zum Schluß gelingt der Autorin jedoch eine kluge Wendung -und allein diese Idee macht den Roman wirklich interessant.