Ich habe mir den neuen, bereits elften (!) Roman von John Grisham vergangenen Herbst im englischen Original gekauft. Und siehe da: "Die Bruderschaft" ist nach zwei schwächeren Werken wieder eine gelungene Sache.
Zum Inhalt: Drei verurteilte Richter (auch genannt: "Die Bruderschaft") verbringen ihren Gefängnisalltag mit dem Verfassen von Erpresserbriefen. Über Kontaktanzeigen ködern sie angesehene Geschäftsleute, Anwälte, Politiker, die so versuchen, ihre homosexuellen Neigungen auszuleben, um sie dann zu erpressen. Ihr System funktioniert - bis sie den Falschen auswählen: den Politker Aaron Lake. Das CIA - nach Ende des Kalten Krieges in Angst, seine Bedeutung verloren zu haben - hat Lake auserkoren, ihn zum nächsten Präsidenten der USA zu machen. Ein paar terroristische Anschläge gegen die Vereinigten Staaten (ausgeübt vom CIA) sollen Lake, der die nationale Sicherheit zu seinem Wahlkampfthema erklärt, zum Erfolg an den Wahlurnen verhelfen. Lake ist der ideale Kandidat: er hat eine weiße Weste - bis das CIA seine homosexuellen Interessen und seinen Briefwechsel mit der "Bruderschaft" entdeckt.
Die sich dann entwickelnde Jagd - wie die drei inhaftierten Richter versuchen, das mächtige CIA auszutricksen - zeichnet die Spannung dieses Romans aus. Am Ende ist nicht ganz klar, wer die Guten und wer die Bösen sind. Dass die kriminellen Richter dem auch nicht weniger kriminellen CIA zumindest eine Niederlage zufügen, erinnert an den Kampf David gegen Goliath. Des Lesers Sympathie gehört selbstverständlich den Schwächeren.
Natürlich hat John Grishams neues Werk wieder mit Gesetz & Recht zu tun (Und Freunde davon sollten diesen Roman geniesen, schließlich ist sein nächstes, gerade in den USA veröffentlichtes Buch erstmals kein Justiz-Thriller). Natürlich zeichnet sich "Die Bruderschaft" wieder durch eine recht nüchterne Schreibe und nicht allzu viel Tiefgang aus. Und natürlich ist die Geschichte um einen "gekauften" Präsidenten nicht sonderlich originell - schließlich diente sie in den vergangenen Jahren zahlreichen Romanen als Vorlage (z. B. "Unheilige Allianz" von David Yallop oder "Im Getriebe der Macht" von Sabin Willett). Hey, sie haben inzwischen ein Wahlergebnis in den USA!
Aber alles in allem ist John Grishams "Die Bruderschaft" wieder ein leicht geschriebenes, leicht lesbares Stück Belletristik, das man erst weglegt, wenn man die letzte Seite erreicht hat. Aber genau das war ja immer schon Grishams Stärke. 3 Sterne deshalb, weil - sind wir ehrlich - John Grisham noch nie ein großer Literat war; das sagt er ja selbst. Aber so gesehen sind 3 Sterne auch nicht schlecht.