Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Bruderschaft ist in vielerlei Hinsicht sein bisher kühnstes Werk. Die Geschichte entwickelt sich aus zwei unterschiedlichen Nebenhandlungen heraus. In der Ersten hecken drei inhaftierte ehemalige Richter (die im Titel erwähnte "Bruderschaft"), frustriert von ihrem Verlust von Macht und Einfluss, einen ausgeklügelten Erpressungsplan aus, der wohlhabende, verdeckt homosexuelle Männer zum Opfer haben soll. Die zweite Geschichte zeichnet den Aufstieg des Präsidentschaftskandidaten Aaron Lake nach, einer Marionette, die im Wesentlichen von CIA-Chef Teddy Maynard geschaffen wurde, um dessen Pläne zur Wiederherstellung der Macht seiner schikanierten Behörde zu erfüllen.
Grishams strenge Kontrolle über diese zwei sich ineinander windenden Handlungsfäden bringt den Leser schon in den Anfangskapiteln dazu, sich zu fragen, wie und wann denn diese zwei Welten aufeinanderstoßen werden. Grishams sorgfältige Personenbeschreibungen sind ebenfalls beeindruckend. Ex-Richter Hatlee Beech ist ein besonders faszinierender, tragischer Antiheld: ein Millionär mit einer lebenslangen Berufung auf sein Richteramt, der sich nach seiner Verurteilung wegen Trunkenheit am Steuer mit Todesfolge geschieden, pleite und ohne Freunde wiederfand.
Die zynische Betrachtung der präsidialen Politik und des Strafrechts Amerikas wirft einen etwas düsteren Schatten auf die Geschichte. CIA-Direktor Maynard ist ein allmächtiger Dämon, der sich bestens mit dem öffentlichen Willen und den öffentlichen Geldern auskennt und auch Macht über sie ausübt. Sogar sein Präsidentschaftskandidat, der Kongressabgeordnete Lake, ist eine Schachfigur in Maynards egomanischem Spiel um Anzeigenkampagnen, illegale Spenden und internationale Intrigen. Letztendlich stellt Die Bruderschaft einen Wandel in Grishams Karriere dar, hin zu einem nachdenklicheren Erzählstil mit weniger Interesse an der großen Abrechnung eines Bestseller-Finales -- was aber nicht heißen soll, dass die letzten 50 Seiten Sie nicht bis spät in die Nacht neben der Nachttischlampe wachhalten werden. --Patrick O'Kelley
Kurzbeschreibung
Klappentext
Entertainment Weekly
»Meisterhaft komponiert.«
Publisher's Weekly
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Über den Autor
Auszug aus Die Bruderschaft von John Grisham. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Weit beunruhigender als der Pyjama und die Schuhe war jedoch die Perücke. Sie hatte einen Mittelscheitel, und das Haar fiel schwer, dicht gelockt und in Kaskaden über seine Ohren und Schultern. Es war hellgrau, beinahe weiß, und das Ganze war den englischen Gerichtsperücken aus vergangenen Jahrhunderten nachempfunden. Ein Freund von draußen hatte sie in Greenwich Village in einem Laden für gebrauchte Kostüme entdeckt.
Bei den Gerichtsverhandlungen trug T. Karl sie mit großem Stolz, und mit der Zeit war sie, so seltsam sie auch wirkte, zu einem festen Bestandteil der Veranstaltung geworden. Trotzdem hielten die anderen Insassen Abstand zu T. Karl.
Er stand in der Gefängnis-Cafeteria, klopfte mit einem Plastikhammer auf seinen wackligen Klapptisch, räusperte sich und verkündete mit großer Würde: "Höret, höret, höret! Die Sitzung des Untersten Bundesgerichts von Nord-Florida ist eröffnet. Die Anwesenden mögen sich erheben."
Niemand rührte sich - zumindest machte niemand Anstalten sich zu erheben. Dreißig Insassen saßen in den verschiedensten Haltungen auf den Plastikstühlen, musterten den Gerichtsnarren oder unterhielten sich, als existiere er gar nicht.
"Mögen alle, die Gerechtigkeit suchen, vortreten und beschissen werden", fuhr T. Karl fort.
Keiner lachte. Vor Monaten, als T. Karl diesen Spruch zum ersten Mal losgelassen hatte, war er noch witzig gewesen, doch inzwischen war auch dies zu einem festen Bestandteil der Verhandlungen geworden. T. Karl nahm gemessen Platz, wobei er darauf achtete, dass die dichten Reihen von Locken, die ihm über die Schultern fielen, auch gut zu sehen waren, und schlug ein dickes, in rotes Leder gebundenes Buch auf, in dem die offiziellen Gerichtsprotokolle eingetragen wurden. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst.
Drei Männer traten aus der Küche in die Cafeteria. Zwei von ihnen trugen Schuhe. Einer knabberte an einer Salzstange. Der barfüßige Mann hatte außerdem nur eine kurze Hose an, so dass unterhalb der Robe seine dünnen Beine zu sehen waren. Sie waren glatt, unbehaart und tief gebräunt. Auf der linken Wade prangte eine große Tätowierung. Er stammte aus Kalifornien.
Alle drei waren in alte Kirchenchorroben gekleidet - blassgrün mit goldfarbenen Verzierungen -, die aus demselben Laden stammten wie T. Karls Perücke. Er hatte sie den Richtern zu Weihnachten geschenkt und sich so seinen Job als Protokollführer gesichert.
Einige Zuschauer zischten und johlten, als die Richter in vollem Ornat und mit wehenden Roben über den gekachelten Boden zu einem langen Klapptisch schlenderten, nicht zu weit entfernt von T. Karl, aber auch nicht zu nah. Sie nahmen Platz und musterten die Männer, die sich zur wöchentlichen Verhandlung eingefunden hatten. Der Platz in der Mitte gehörte einem kleinen, rundlichen Mann. Er hieß Joe Roy Spicer und führte gewöhnlich den Vorsitz. Früher war Spicer ordnungsgemäß gewählter Friedensrichter in Mississippi gewesen, bis die Bundespolizei festgestellt hatte, dass er einen Teil der Bingoeinnahmen einer örtlichen Shriner-Loge einstrich.
"Die Anwesenden mögen sich setzen", sagte er. Niemand stand.
Die Richter rückten ihre Klappstühle zurecht und arrangierten ihre Roben, bis sie mit dem Faltenwurf zufrieden waren. Etwas abseits standen, unbeachtet von den Gefangenen, der stellvertretende Gefängnisdirektor und ein uniformierter Wärter. Die Bruderschaft trat, mit Billigung der Anstaltsleitung, einmal wöchentlich zusammen. Sie entschied in Streitfällen, beseitigte Spannungen zwischen den Insassen, vermittelte zwischen den Kontrahenten und hatte sich insgesamt als stabilisierender Faktor erwiesen.
Spicer warf einen Blick auf die Prozessliste, ein von T. Karl sorgfältig mit Druckbuchstaben beschriftetes Blatt Papier, und sagte: "Die Verhandlung ist eröffnet."
Zu seiner Rechten befand sich der sechzigjährige ehrenwerte Finn Yarber aus Kalifornien, der seit zwei Jahren hier einsaß und noch fünf Jahre vor sich hatte. Er war wegen Steuerhinterziehung verurteilt - ein Racheakt, wie er noch immer allen versicherte, die es hören wollten, ein Kreuzzug des republikanischen Gouverneurs, der es geschafft hatte, die Wähler zu mobilisieren und Oberrichter Yarber aus dem Obersten Gericht des Staates Kalifornien zu entfernen. Die Gründe waren Yarbers Ablehnung der Todesstrafe und seine eigenmächtigen Verzögerungen der Hinrichtungen gewesen. Die Leute hatten Blut sehen wollen, Yarber hatte das verhindert, und die Republikaner hatten einen Riesenzirkus veranstaltet. Seine Abwahl war ein voller Erfolg gewesen. Man hatte ihn also hinausgeworfen, und dann war die Steuerfahndung gekommen und hatte Fragen gestellt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .