Erst einmal: Wow! Da hat sich der Heyne-Verlag ja mal richtig beeilt und kurz nach der Veröffentlichung von "Vampirträume" diesen Black Dagger Führer auf den Markt geschmissen. Und - komisch - es ist ja doch möglich, ein Buch diesen Ausmaßes in einem Band zu veröffentlichen. Damit hat sich der Verlag meines Erachtens jedoch selbst ad absurdum gestellt und sich zur Geldmacherei bekannt. Aber man sollte auch nicht alles negativ sehen; deswegen freue ich mich doch glatt mal und sage artig Danke, den "offiziellen Führer durch die große Vampir-Serie" vollständig und am Stück genießen zu dürfen.
Zum Buch selbst, was der Führer so zu bieten hat und was ich darüber denke:
1. Teil: Eine Zsadist- und Bella-Novelle, die das Leben der beiden nach der Geburt ihrer Tochter beschreibt. Z ist nämlich noch lange nicht über die Zeit seiner Sklaverei hinweg und hat deswegen Schwierigkeiten, Gefühle und Zuneigung zu Nalla aufzubauen. Aber auch mit Bella läuft nicht mehr alles Bestens. ' Die Geschichte umfasst die ersten 130 Seiten und schließt zeitlich kurze nach Phurys Buch an. Mit Abstand hat mir dieser Teil am Besten gefallen. Es ist spannend, unterhaltsam und erotisch!
2. Teil: Über jeden der sechs Brüder, die ihr eigenes Buch zu Papier gebracht haben, gibt es einen Steckbrief, Fragebogen und ein anschließendes Interview mit der Autorin. Zudem beschreibt Ward hinterher noch, welche Probleme sie mit den jeweiligen Geschichte hatte, warum diese Reihenfolge, der Prozess des Schreibens, etc. ' den letzten Abschnitt fand ich noch durchaus unterhaltsam, aber nach dem die Autorin sich selbst in die Welt ihrer Bruderschaft hineinprojiziert hat... ich weiß nicht, das passt einfach nicht und mir kam die ganze Aktion nur lächerlich vor. Durch die Vermischung hat das ganze BD-Universum ein wenig gelitten. Zumal die Interviews in der Regel sowieso nicht besonders aufschlussreich waren. Entweder wurde gar nicht oder kaum gesprochen, es wurden so gut wie keine neuen Sachen zu Tage gefördert und die Situationen, in denen interviewt wurde, haben die Brüder für mich wirklich in ein schlechtes Licht gerückt.
3. Ein paar Tipps der Macherin, wie man erfolgreich sein Buch verlegen kann und was man tun muss, um bekannt und berühmt zu werden. Für zukünftige Schreiber durchaus interessant.
4. Die Urschrift und einige Informationen, wie und in welcher Form J.R. ihr erstes Buch an unterschiedliche Verlage geschickt hat. Das Manuskript hat mir dabei am Besten gefallen, vor allem, wenn man die teils gravierenden Unterschiede zu Endversion kennt.
5. Entfallene Szenen: Das fand ich auch noch sehr gelungen, wobei ich mich bei einigen Szenen wirklich gefragt habe, warum sie es nicht ins Buch geschafft haben. Na ja, die letzte nicht, die war einfach nur grauenvoll. Gut, das sie in einer dunklen Schublade verschwunden ist.
6. Lacher mit der Bruderschaft: Die lustigsten Dialoge aus den bisherigen 12 bzw. 6 Büchern. Nichts Neues dabei und einige witzige Szenen, die mir in Erinnerung geblieben sind, wurden gar nicht verwendet, während einige veröffentlichte "Kracher" einfach nur unlustig waren.
7. Jetzt kommt neben den fiktiven Interviews das Schlimmste: Die Bruderschaft macht das Forum der Autorin unsicher. Haben die Brüder 12 Bände hindurch versucht, böse, furchteinflößend und geheimnisvoll zu wirken, wurde dieser Eindruck mit einem Wisch zunichte gemacht. Die Kommentare sind schlicht und ergreifend kindisch und albern und ich habe mich richtig fremdgeschämt. Ich habe es auch als sehr anstrengend empfunden, lauter Sätze in der Art von *geht nervös im Zimmer auf und ab* *geht an den PC* *schielt vorsichtig um die Ecke*... da fällt mir spontan nur ein: *grusel*
8. Ein paar einzelne Szenen der Brüder: Wraths Rückkehr als Kämpfer, ein Kinoabend mit allen zusammen, Phury sinniert über das Leben und alles mal wieder gekrönt von einem albernen Interview mit Butch und V, das dann aber irgendwie doch nicht stattfand. Wie gesagt, die Existenz von Ward in der BD-Welt, in so ganz intimen Momenten als Zuschauerin, hat dem Ganzen echt seinen Reiz genommen.
9. Ein paar Fragen von Fans werden beantwortet, aber keinen neuen Erkenntnisse.
10. - 13. Und noch mehr Lückenfüller. Noch mehr Interviews, eine Zeittafel, wann wer geboren wurde, seine Transition hatte, etc. und eine Übersicht mit den Buchstaben der Alten Sprache
Danksagung, Überblick der bisherigen Bücher in der Reihenfolge und eine Leseprobe der neuen Ward Serie "Fallen Angels". 672 Seiten geschafft, man klopft sich auf die Schulter und - fertig!!!
Was nehme ich aus dem Buch mit? Zs und Bella Geschichte, ein paar zusätzliche Szenen und einige nette Hintergrundinformationen. Beim Rest tue ich einfach so, als ob das nie passiert wäre. Wirklich viel Neues erfährt man als Leser nicht und wenn es mal spannend wird, dann hüllt sich die Autorin in Schweigen. Für den Preis bekommt man nicht sehr viel geboten und deswegen empfehle ich den Führer auch nur den "Cellies", wie Ward ihre größten Anhänger tauft. Man verpasst aber auch keine für die weitere Reihe relevanten Inhalte, wenn man es nicht liest.
Die Zeit, die ich brauche, um eine Sache durchzulesen, ist für mich immer noch unterstreichend, wie gut und spannend etwas ist. Nach zwei Wochen kann ich sagen, dass ich froh bin, endlich etwas anderes lesen zu können. 2010 geht es dann hoffentlich wieder "richtig" weiter...