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Ehe gescheitert, Tochter Rachel entfremdet, Lungenkrebs, Frührente. Nach dieser Knockout-Serie beschloss der Ex-Versicherungsmann aus New Jersey, in seiner früheren Heimat Brooklyn sein freudlos gewordenes Leben zu beenden. Doch so schnell lässt Brooklyn, dieser Dampfdruckkessel aus Zählebigkeit und robustem Humor, seine Pappenheimer nicht entfleuchen. Dem Literaturfreund Nathan schwebt ein Alterswerk vor. Die kuriose Zettelsammlung "Buch der Torheiten" entsteht. Auf Inspirationen muss Nathan nicht lange warten.
Mit welch geschliffener und kultivierter Sprache Paul Auster seinen Brooklyn'schen Reigen über Gott und die Welt, Liebe, Leid und Literatur inszeniert, ist schlicht atemberaubend. Gespickt mit klugen Binnenstories über Kafka und die Puppenbriefe, Wittgenstein, den prügelnden Philosophen, wie auch literarisch-philosophischen Diskursen über Poe, geleitet Erzähler Nathan durch ein wahres Schicksalslabyrinth. Das Wiedersehen mit seinem Neffen Tom nach dessen geplatztem Literaturstudium führt direkt zu Harry Brightman, dessen eigentlicher Name "Dunkel" auf seine unrühmliche Vergangenheit als Bilderfälscher hinweist. Als schließlich die neunjährige Ausreißerin Lucy bei Tom auftaucht, die Tochter seiner verschollenen Schwester Aurora, die christlichen Fundamentalisten in die Hände gefallen ist, wird dem "Buch der Torheiten" ein düsteres Kapitel hinzugefügt.
Austers Sommernachtstraum vom ewigen Idyll endet abrupt in einer Staubwolke, die an einem strahlenden Septembertag des Jahres 2001 Brooklyn verdunkelt. Mit unendlicher Weisheit und Kunstfertigkeit lässt er zahlreiche Nebenflüsse zu einem großen Erzählstrom zusammenfließen, der die Schleifspuren und Schürfwunden des Lebens exakt abbildet. Den letzten Satz seines Helden, "man unterschätze nicht die Macht der Bücher", hat Paul Auster aufs Schönste bestätigt. Sein Werk über das Scheitern als wahren Erkenntnisgewinn, ist ein machtvolles Stück Literatur. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Weniger ist manchmal mehr,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Brooklyn-Revue (Gebundene Ausgabe)
Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Paul Auster bleibt in seinem neuen Roman den uns aus der "Stadt aus Glas" oder der "Musik des Zufalls" bekannten Erzählprinzip treu. Schlichte Wahrheit: Wo Paul Auster drauf steht, da ist auch Paul Auster drin. Das mag beruhigen. Befriedigend ist es diesmal nicht.
In seiner "Brooklyn-Revue" steht im Mittelpunkt eines wirren Geschehens wieder einer jener auster-typischen Anti-Helden, um welchen sich, diesmal sichtlich bemüht - das hektische Handwerksgeklapper im Hintergrund ist tatsächlich unüberhörbar - skurille Zeitgenossen in grotesken Situationen bewähren dürfen. Nur: der Zufall verkommt bei Auster jetzt zur Masche. Und deshalb finden sich in seinem neuen Roman auch keine Überraschungen. Das heißt auch: Austers "Revue" ist fade. Farbenfroher Konfettiregen fällt aktuell woanders. Beherzten Swing findet man im Brooklyn eines Paul Auster nicht. Auch Hubert Winkels will in der "Zeit" vom 16.03.2006, "Paradise Lost", das endgültige Scheitern des Paul-Austers-Prinzips festgestellt haben. Und er notiert: "In Europa war man entzückt über die Klarheit seiner Konstruktionen, die in Krimis eingebettet werden konnten, sich zur kafkaesken Großparabeln auswuchsen. Eine Fiktion gebar die nächste, bis am Ende die Ausgangstatsachen "Autor" und "Roman" ein Teil der Funktion waren". Nur stellt sich Winkels jetzt die Frage "ob dieses Spiel ewig weitergehen kann". Er beantwortet sich die Frage auch gleich selbst: leider nein. Das Schweizer Nachrichtenmagazin "Facts" geht noch weiter, in dem es über den neuen Auster-Roman notiert: "Paul Auster arbeitet mit den Versatzstücken, die wir an seinen Werken so lieben: Figuren mit schlichten Namen, die sich in der New Yorker Intellektuellen-Szene in einen Krimi verwickeln, die Welt der Bücher als Kulisse. Die Oberfläche wirkt glatt und ruhig, ist aber schmerzhaft gespannt. Diese «Brooklyn- Revue» ist allerdings überspannt und zerreisst". Der Gustav von Aschenbach eines Thomas Mann suchte und fand seinen "Tod in Venedig". Bei Paul Austers fährt man zum Sterben nach Brooklyn. Nathan Glass, 59 Jahre alt und an Krebs erkrankt, wartet in New York auf sein Ende. Doch das Leben spielt anders. Auch für Nathan gilt, was schon einst die Bremer Stadtmusikanten weise zu verkünden wussten: "Etwas Besseres als den Tod findest du überall." Nathan trifft zufällig auf seinen Neffen Tom. Der einst Hochbegabte schummelt sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben. Unter anderem arbeitet er auch bei Harry, dem schwulen Inhaber eines Antiquariats. Gemeinsam wollen Nathan, Tom und Harry ein ganz großes Ding mit einem gefälschten Manuskript von Nathaniel Hawthornes "Der scharlachrote Buchstabe", die Urschrift gilt als unauffindbar, drehen. Der Plan scheitert. Das spielt aber keine Rolle. Denn Nichte Lucy hat ja auch noch Probleme. Sie sieht sich in den Fängen einer pseudo-religiösen Sekte. Sie wird zügig befreit. Der "unweise" Nathan hat jetzt soviel zu tun, dass er für das Sterben keine Zeit mehr hat. Aber für die Liebe (die beste aller Alternativen). Nebenher verfasst Nathan auch noch ein "Buch der menschlichen Torheiten". Paul Auster führt ihm flink die Hand. Nathan kommt mit dem Notieren kaum nach. "Mein Wahnsinn hat wenig Methode", wie er dann auch skeptisch feststellen muss. In der "Brooklyn-Revue" jagt ein Zufall den nächsten. Paul Auster will seinem Personal keine Pause gönnen. Dem Leser auch nicht. Der Autor greift die großen, weil brennenden Themen auf: Religions-Fanatismus, Bush-Regierung, Weltmachtsmüdigkeit, Kriminalität. Ich unterstelle: er tut dies nach besten Wissen und Gewissen. Aber ein zentrales Thema findet er nicht. Trotz überreichlich grotesker Zufälle und skurriler Begebenheiten, welche sich bei der Lektüre der "Brooklyn-Revue" mitunter auch als ausgemachter Humbug entlarven, ist der Mensch Paul Auster ein Realist. Er weiß um die größte Absurdität von allen: die Welt an sich. Und darüber schreibt er kurz vor knapp am Ende seines schmalen Romans: Nathan verlässt "so glücklich wie nur je ein Mensch auf Erden" nach einem kurzem Aufenthalt das Krankenhaus, weder der Krebs noch ein Herzinfarkt konnten ihn besiegen. Er teilt uns mit: "Es war acht Uhr, als ich auf die Straße trat, acht Uhr am Morgen des 11. September 2001, sechsundvierzig Minuten bevor das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center raste. Nur zwei Stunden später trieb der Rauch von dreitausend verbrannten Leichen auf Brooklyn zu und regnete als weiße Wolke aus Asche und Tod auf uns zu." Ein arg verkitschtes Postkartenmotiv? Mitnichten. Aber zugegeben: ein etwas angestrengtes Bild. Paul Auster ist alt geworden. Und müde. Die Musik des Zufalls, die er einst so meisterhaft komponierte, spielt mittlerweile andernorts. Vielleicht hört er sie ja noch. Ich wünsche es ihm. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
liebenswürdige Männerfreundschaft in Brooklyn,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Brooklyn-Revue (Taschenbuch)
Mein erstes Auster Buch. Am Anfang hat es mich nicht umgehauen, die Geschichte entwickelt sich erst ein wenig schwerfällig. Nach und nach blüht die Handlung jedoch auf wie eine Blüte und man gewinnt die skurillen Gestalten irgendwie doch lieb. Harry Brightman - den kriminellen schillernden Buchladenbesitzer; Tom - den hoffnungslosen Versager und nicht zu vergessen Nathan, der zwar völlig unfähig für die Ehe ist, aber alles in allem ein recht symphatischer Mann mit dem Herzen auf dem rechten Fleck ist. Diese drei unterschiedlichen Männer verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft und zusammen träumen sie von einem gemeinsamen Platz, einem Hotel Existenz, an dem sie alle leben können. Doch wie immer entwickelt sich das Schicksal anders als erwartet.
Ein guter Einstieg in Austers Bücher. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Torheiten, die keine sind,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Brooklyn-Revue (Gebundene Ausgabe)
Zum Sterben kommt Nathan Glass, der abgeklärt-weltlich-jüdische Ich-Erzähler, nach Brooklyn, nachdem er sein Leben lang Lebensversicherungen verkauft hat. Er ist krebskrank, geschieden und hat sich gerade mit seiner einzigen Tochter entzweit. Alles klingt nach einer düsteren Wehleidigkeit und erst einmal wenig spannend.
Aber genauso, wie sich langsam Nathans Leben verändert, neue Personen hinzutreten und er eine Torheit (wie er selbst es nennen würde) nach der nächsten begeht, verändert sich die Stimmung, die Erzählweise und die "Message" des Buches. Voller Einfälle, voller Leben, das zwischen der Kapriziosität und dem Alltag in New York hin- und herwechselt, lese ich dieses Buch auch und gerade als ein Plädoyer für das "gute, alte" Vor-Bush-Amerika, seiner Vielfalt und seinen Werten - insbesondere, da Auster an einigen Stellen nicht vor sehr dezidierten Wertungen zurückschreckt. Eine Familiengeschichte der besonderen Art. Feinfühlig, intelligent - und komisch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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