Was bei uns in Deutschland erst im 16. Jahrhundert durch Martin Luther stattfand, geschah in England schon rund zweihundert Jahre früher: Die Übersetzung der Bibel aus dem lateinischen in die Sprache des Volkes. Wie Luther und andere Reformatoren in Europa wurde auch John Wycliff von der mächtigen katholischen Kirche zum Ketzer erklärt. Doch der von einigen Freunden versteckte Doktor Nicholas Hereford will das Werk des ermordeten Wycliff fortsetzten. Dies wollen papsttreue Kräfte wie Erzbischof Courtenay und seine Helfershelfer mit allen Mitteln verhindern.
Soweit die Ausgangslage von Titus Müllers drittem historischen Roman "Die Brillenmacherin". Schon der Vorgänger "Die Priestertochter" hatte mir gut gefallen, doch sein neues Buch fand ich noch besser, weil noch farbenprächtiger und spannender erzählt. Das Buch, man glaubt übrigens kaum, dass der Autor erst achtundzwanzig Jahre alt ist, fesselnd vom Anfang bis zum Ende und hat wirklich alles, was einen richtigen Abenteuerroman ausmacht: eine schöne und mutige Frau namens Catherine Row (die Brillenmacherin), Helden wie die "Bedeckten Ritter", allen voran Sir Thomas Latimer, Schurken wie der gerissene Courtenay und der ekelhafte Sligh. Titus Müller beschreibt meisterhaft die Kämpfe, Städte, Dörfer, man sieht alles wie in einem Film vor sich. So ging es mir jedenfalls. Das Buch ist für mich ein absolutes Muss für jeden Liebhaber historischer Romane, von denen ja zur Zeit immer mehr auf den Markt kommen.