Eigentlich ist dieses Hörbuch kein Märchen. Das Märchen ist nur Kern der Geschichte. Eigentlich geht es um einen Jungen (gelesen vom "Die Ärzte"-Drittel Bela B.), der von seinem Vater während einer Krankheit das Buch "Die Brautprinzessin" vorgelesen bekommen hat und nun, Jahre später, seinen eigenen Sohn dafür zu begeistern versucht. Nachdem dies misslingt, liest er die Geschichte nochmal um dem Fehlschlag auf den Grund zu gehen. Er erkennt, dass sein Vater die Geschichte vor Jahren sehr ausgeschmückt hat, um ihn dafür zu begeistern und ihn nicht zu sehr zu beunruhigen.
Das Märchen handelt von Westley, der auszog um sein Glück zu machen, damit er seiner Liebe Butterblume, der schönsten Frau der Welt, ein angemessenes Zuhause bieten kann. Nach einigen Jahren dringt jedoch die Nachricht zu Butterblume vor, dass Westley vom Piraten Roberts ermordet wurde. Voller Gram erkennt Butterblume, dass ihre einzige Liebe nie zurück kommen wird. So fällt es ihr auch nicht schwer, Prinz Humperdinck (den zukünftigen Herrscher des Landes, stets flankiert vom bösen Graf Rugen) ein Heirats-, wenn auch ohne dazugehörendes Liebesversprechen zu geben. Zumal die Alternative der sichere Tod wäre. Doch der Prinz führt böses im Schilde und wäre da nicht ein geheimnisvoller, schwarzer Pirat zur rechten Zeit am rechten Ort, würde dieser Plan wohl auch aufgehen.
Das Hörbuch "Die Brautprinzessin" ist eine fesselnde Geschichte. Sie ist spannend, witzig, traurig und romantisch. Da ein Märchen erzählt wird, sind Wendungen im Verlauf der Story gang und gäbe. Ausweglose oder endgültige Situationen sind nicht ganz so ausweglos bzw. endgültig, wie sie in Romanen wären und das verursacht eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Man schwingt häufig von Trauer zur Freude, von Angst zur Euphorie.
Punktabzug gibt es von mir wegen zwei Sachen:
1. Bela B., die Stimme der eigentlichen Hauptperson, des Jungen William, der als krankes Kind dieses Märchen hat vorgelesen bekommen und sie nun als Erwachsener erneut liest. Es ist, als bündelt er die Langeweile, die sich während der Ärzte-Zeit aufgestaut hat, in diesem Märchen und lässt sie heraus. Ich finde "Die Ärzte" echt stark und habe mich auf Belas Stimme und Witz gefreut, aber was er da vom Stapel lässt... grauenvoll! Zwar gewinnt er im Laufe der Geschichte an Fahrt, aber bleibt ein langweiliger Vorleser. Während der LitCologne übernahm Smudo die Stimme des William, war mit Jochen Malmsheimer auf Tour und hat Auszüge vorgelesen. Er war die perfekte Ergänzung zu einem grandiosen Malmsheimer und beide waren Ausschlaggeber, das Hörbuch zu kaufen. Jochen Malmsheimer hält, was er gesprochen. Bela B. wird dem, was Smudo auf der LitCologne vorgetragen hat, nicht annähernd gerecht. Im zweiten Teil des Märchens ist er glücklicherweise nur sehr selten und meist kurz einleitend zu hören. Da bleibe ich lieber bei den Ärzte-CDs, die sprühen nur so vor Pepp!
2. Die Geschichte hat alternative Enden. Ich hasse sowas! Wenn es zu einem guten Schluss kommen würde und offen bleibt, ok... aber das Ende scheint abgeschnitten und noch nicht einmal ganz dem Leser überlassen, denn es werden ja Alternativen angeboten. Zudem waren diese meiner Meinung nach schlecht, verglichen mit dem vorangegangenen Märchen.
Wen die o.a. Kritik nicht wirklich stört, dem ist 100% zu diesem Hörbuch geraten! Das Märchen ist ansonsten sehr gut und Jochen Malmsheimer ein Vorleser, wie ich ihn bisher noch nicht erlebt habe. Er verleiht den einzelnen Stimmen Charakter und weiß, Gefühl in die Rollen zu bringen. Unglaublich!