Manzonis Roman spielt im Herzogtum Mailand im 17. Jahrhundert. Ein Seidenspinner und eine Bäuerin wollen heiraten, doch es kommt einiges dazwischen. Und das, was dazwischen kommt, ergibt ein ganzes Gemälde dieser Zeit: Gewalttätige Adelige, die sich mit Schlägertypen umgeben, eine Wirtschaftskrise, die die Brotpreise erhöht und zum Aufruhr führt, Landsknechtheere, die plündernd durch die Lande ziehen, und schließlich die Pest, unverstanden und grausam.
Die ‚Brautleute’, 1824 erschienen, ist ein ein erstaunlicher Roman, der ganz zurecht zum Standardwerk der italienischen Literatur geworden ist. Kennt man aus vorfreudianischer Zeit oftmals Romanfiguren, die kaum mehr als eine einzige Charaktereigenschaft ausmacht – die Unschuldige, der Böse, der Gute – sind Manzonis Gestalten vielschichtiger und widersprüchlicher. Da denkt der brave Lorenzo, als er begriffen hat, wer seiner Ehe im Wege steht, sofort an Mord und Totschlag; die zum Nonnendasein gezwungene Gertrude steht mit dem Abschaum im Bunde, und man erfährt, dass der zum Heiligen stilisierte Pater Cristoforo erst nach einer Karriere als Raufbold zu seiner Berufung gefunden hat.
Das Buch ist ein katholischer Roman – Manzoni und mit ihm seine positiven Romanfiguren prägt eine religiöse Zuversicht, die ihnen die Welt erklärt und bewohnbar macht. Auch wenn man diese Hoffnungen nicht teilt, kann man das Buch mit Freude lesen. Die kritische Distanz, die Manzoni zu seinen Figuren hat, sein Einblick in menschliche Beweggründe und das Verständnis für sie machen aus der spannenden Geschichte mehr als nur eine anrührende Erzählung mit historischem Kolorit
Interessieren muss man sich aber für Historisches, wenn man nicht über viele Seiten stöhnen will. Manzoni hat einiges über die Geschichte seiner Heimat gelesen und wird nicht müde, aus diesen Büchern zu zitieren. Wen es aber auch abseits der Hauptstory interessiert, wie eine Stadt im 17. Jahrhundert etwa mit der Pest umgegangen ist, welche obskuren Gestalten für das Abholen der Toten zuständig sind, und welche schrille Lebensweise diese so notwendigen und doch so gehassten Personen praktizieren, dem macht das Buch auch bis zur letzten Seite Spaß.