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Die Brautjungfer, 2 Audio-CDs [Audiobook] [Audio CD]

Ruth Rendell , Benjamin Reding , Anna Schudt , Hille Darjes
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der 25j„hrige Philip lebt mit seinen beiden Schwestern noch bei seiner Mutter und fhrt ein unspektakul„res Leben. Aber das „ndert sich, als seine jngere Schwester heiratet: Philip verliebt sich Hals ber Kopf in eine der fnf Brautjungfern. Zu seinem Erstaunen erwidert die sch”ne Senta seine Gefhle. Sie ist ebenso verfhrerisch wie geheimnisvoll - und sie lebt in einer bizarren Scheinwelt. Philip ger„t in einen geradezu hypnotischen Sog von Leidenschaft und Erotik. Dabei bemerkt er zun„chst kaum, dass auch seine Welt zunehmend aus den Fugen ger„t. Bis Senta einen Liebesbeweis der ganz besonderen Art von ihm fordert: einen Mord ...

Autorenportrait

Ruth Rendell, auch unter dem Pseudonym Barbara Vine bekannt, ist mit ihren zahlreichen Romanen eine der ganz großen englischen Autorinnen. Dreimal schon erhielt sie den "Edgar-Allen-Poe-Preis" und zweimal den "Golden Dagger Award" für den besten Kriminalroman des Jahres. 1997 wurde sie mit dem Grand Masters Award der Crime Writers Association of America, dem renommiertesten Krimipreis überhaupt, ausgezeichnet und darüber hinaus von Königin Elizabeth in den Adelsstand erhoben. Ruth Rendell wurde 1930 in einem Londoner Vorort geboren. Sie arbeitete zunächst als Journalistin, bis sie sich 1964 ganz auf den Schriftstellerberuf konzentrierte. Heute lebt sie in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert in Suffolk.

Auszug aus Die Brautjungfer von Ruth Rendell, Christian Spiel. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein gewaltsamer Tod fasziniert die Leute. Auf Philip hingegen wirkte Gewalt abstoßend. Er hatte geradezu eine Phobie dagegen. Jedenfalls nannte er es sich selbst gegenüber manchmal so, eine Phobie gegen Mord und Totschlag in jeglicher Form, gegen die willkürliche Vernichtung menschlichen Lebens im Krieg und seine sinnlose Vernichtung durch Unfälle. Physische Gewalt verstörte ihn, in der Realität, auf dem Bildschirm, in Büchern. So empfand er schon, seit er ein kleiner Junge gewesen war und andere Kinder mit Spielzeugpistolen aufeinander gezielt und Totschießen geübt hatten. Wann es begonnen oder was es ausgelöst hatte, das wußte er nicht. Dabei war er seltsamerweise nicht feige oder überempfindlich, und er hatte nicht mehr oder weniger Angst als alle anderen auch. Es war nur so, daß ein unnatürlicher Tod für ihn weder unterhaltsam war, noch einen makabren Reiz hatte. So entzog er sich nach Möglichkeit derlei Dingen, in welcher Form auch immer. Er wußte, daß das ungewöhnlich war. Und so verbarg er seine Phobie oder versuchte es wenigstens.

Wenn die anderen fernsahen, saß er dabei, ohne die Augen zu schließen. Auch zog er nicht über Zeitungen und Romane her. Aber alle kannten seine Gefühle, auch wenn sie keinen besonderen Respekt davor hatten. Sie sprachen dennoch über Rebecca Neave.

Philip selbst hätte sich für ihr Verschwinden nicht interessiert und noch viel weniger Spekulationen darüber angestellt. Er hätte den Apparat abgeschaltet. Wahrscheinlich hätte er ihn schon zehn Minuten vorher abgeschaltet, um sich Nordirland, den Iran, Angola und das Zugunglück in Frankreich genauso zu ersparen wie das Mädchen, das verschwunden war. Er hätte sich niemals das Foto ihres hübschen Gesichts angesehen, den lächelnden Mund, die im grellen Sonnenlicht zusammengekniffenen Augen, das im Wind wehende Haar.

Rebecca Neave war an einem Herbstnachmittag gegen drei Uhr verschwunden. Ihre Schwester hatte an jenem Mittwochvormittag mit ihr telefoniert, und ein Mann, der seit kurzem mit ihr befreundet und gerade viermal mit ihr ausgegangen war, hatte sie an diesem Tag mittags angerufen. Das war das letzte Mal gewesen, daß jemand ihre Stimme hörte. Eine Nachbarin hatte gesehen, wie sie den Wohnblock verließ, in dem sie lebte. Sie trug einen hellgrünen Trainingsanzug aus Samt und weiße Turnschuhe. Das war das letzte Mal, daß jemand sie zu Gesicht bekommen hatte.

Als das Foto des Mädchens auf dem Bildschirm erschien, sagte Fee: "Sie war auf meiner Schule. Der Name kam mir gleich bekannt vor. Rebecca Neave. Ich wußte, daß ich ihn schon mal gehört hatte. "

"Du hast nie erwähnt, daß du eine Freundin hattest, die Rebecca heißt."

"Wir waren keine Freundinnen, Cheryl. Wir waren dreitausend an dieser Schule. Ich glaube nicht, daß ich irgendwann einmal mit ihr gesprochen habe. " Fee starrte auf den Bildschirm, während ihr Bruder ebenso angestrengt versuchte, nicht hinzusehen. Er hatte die Zeitung zur Hand genommen und eine Innenseite aufgeschlagen, zu der die Rebecca-Neave-Story nicht vorgedrungen war. "Die Polizei nimmt sicher an, daß sie ermordet wurde", sagte Fee.

Rebecca Neaves Mutter erschien auf dem Bildschirm und bat die Zuschauer um Hinweise auf ihre verschollene Tochter. Rebecca war dreiundzwanzig. Sie hatte einen Töpferkurs für Erwachsene gegeben, sich aber zur Aufbesserung ihres Einkommens in einem Inserat als Babysitter und Haushüter angeboten. Es erschien denkbar, daß sich auf ihr Inserat hin jemand telefonisch gemeldet hatte. Rebecca hatte für jenen Abend eine Verabredung getroffen und war dann hingegangen. Jedenfalls nahm ihre Mutter das an.

"Ach, die arme Frau", sagte Christine, die gerade mit Kaffee auf einem Tablett hereinkam. "Was sie durchmachen muß! Ich kann mir gut vorstellen, wie mir zumute wäre, wenn es um einen von euch ginge."

"Nun ja, um mich brauchst du keine Angst zu haben", sagte Philip, der kräftig gebaut, wenn auch mager, und beinahe einen Meter fünfundneunzig groß war. Er sah seine Schwester an. "Kann ich das jetzt abschalten?"

"So was hältst du nicht aus, was?" Cheryl hatte einen finsteren Gesichtsausdruck und gab sich nur selten Mühe, freundlicher dreinzublicken. "Vielleicht ist sie gar nicht ermordet worden. Jedes Jahr verschwinden Hunderte von Leuten." (...) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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