Ich habe alle Bücher von Richard Dübell gelesen, man kann also mit Fug und Recht sagen, ich bin ein Fan. Ein Fan auch von historischen Büchern deutscher Autoren, wie Rebecca Gablé, Dagmar Trodler, Petra Durst-Benning. Abgesehen davon, dass ich grundsätzlich eine Leseratte bin und selbstverständlich auch internationale Autoren schätze und besonders gerne, aber nicht ausschließlich historische Romane lese.
Die Geschichte, die Richard Dübell in diesem Buch erzählt, beeinhaltet Geheimnis und Emotion. Wie bei allen Romanen Dübells liegt auch hier ein Hauch von Tristesse, ja Verzweiflung, unter den Handlungen der Hauptpersonen. Das Panorama der Geschichte ist nicht breit aufgestellt, sondern bewegt sich in einem eher kleinen Rahmen. Eine Gruppe von Menschen, einzelne Personen, versuchen in ihrem jeweiligen Umfeld das Richtige zu tun. Natürlich widerspricht die Intention des Einen der eines Anderen, Fehleinschätzungen finden statt. Jede Person ist, wie wir alle, geprägt von Erfahrungen aus der Vergangenheit. Die Zeit, in der die Geschichte spielt, ist bestimmt von Grausamkeiten, Söldnerheeren, Mord und Plünderung. Die Handlung spielt in Italien, im Raum Florenz, etliche Jahrzehnte nach dem Aufstand gegen die Medici.
Es findet eine Entführung statt und das Opfer der Entführung, die Braut eines vermögenden Handelsherren, soll gerettet werden. Mutig macht sich der Capitano des Handelsherren auf, um sich inkognito der Bande von Entführern anzuschließen und Monna Clarice zu befreien.
Gleichzeitig macht sich eine Gruppe von Nonnen auf den Weg in ein anderes Kloster. Vorhersehbar, dass sich alle Wege der Hauptpersonen irgendwo in den Wäldern treffen, Armbrüste gezückt aber nicht abgefeuert werden und außer Misstrauen auch Zuneigung zu keimen beginnt.
Wie sich das Alles aber entwickelt und zum dramatischen Finale strebt, das
erzählt Dübell in seiner unnachahmlichen Art ganz ruhig und scheinbar gelassen, jedoch emotional dicht.
Die gesamte Entwicklung des Buches gleicht einem Medaillon, das zunächst ein hübsches Schmuckstück ist, dann aufgeklappt schon zwei Seiten präsentiert und aus den Seiten heraus eine Ziehharmonika von Bildern mit Vorder- und Rückseite sich entfalten lässt.
Besonders dankbar bin ich Dübell, dass er es fertig bringt, die Wucht der Emotion einer halbnackten Begegnung zwischen Nonne und Soldat in Worte zu fassen, die weder kitschig noch distanziert sind.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass heutzutage genaue Beschreibungen körperlicher Kontaktaufnahme in Apricot- und Orchideenfarben bis zu jedem Schweißtropfen eine Voraussetzung dafür sind, das der Verlag das Buch überhaupt herausbringt.
Ich warte beim Lesen schon schier auf die Katastrophe, die meiner Fantasie den Handlungsfaden um die Protagonisten jäh entreißt, dem bisher nur Geahnten eine grobporige Sicht der Dinge verleiht und den unbeholfenen Versuch wagt, das Buch in einen Film zu verwandeln.
Hier bekommt die Erzählung eine eigene Dringlichkeit, aber es bleibt Raum für Fantasie. Wie sich die brodelnden Emotionen aus Hass, Liebe, Verzicht, Resignation und Hoffnung letztendlich zu einem Bild verweben, ist meisterhaft.
Mein bisheriges Lieblingsbuch des Autors, das ich in zwei Tagen durchlesen musste, schon allein um Tempo und Sog der Handlung gerecht zu werden.