Ein spannender und atmosphärisch dichter Kriminalroman, bei dem
der Leser dem südschwedischen Kommissar Wallander wieder einen
winzigen Ermittlungsschritt voraus ist, ohne jedoch den Gesamtzusammenhang sofort zu verstehen.
Scheinbare Einzelmorde werden Seite um Seite in Beziehung gebracht. Wie in allen Fällen im schwedischen Distrikt Ystad,
liegt auch hier ein gesellschaftspolitischer Handlungsfaden zugrunde, der den Leser geschickt und ohne belehrend zu wirken, nachdenklich stimmt. "Die Brandmauer" verdeutlicht die Verletzlichkeit unserer Gesellschaft im Zeitalter der Elektronik: Segen wird zum Fluch. Einzig der Schluß scheint mir allzu hastig, als hätte Henning Mankell plötzlich sein Seitenlimit erreicht, ohne die endgültige Klärung in den Ermittlungsarbeiten herbeigeführt zu haben. Alles was nach temporeichen Kapiteln an Fragen offen blieb, wird eilig und listenhaft im Nachhinein gelöst oder als ungeklärt deklariert. Hier kam die Logik etwas zu kurz.
Vertraut hingegen sind die nachvollziehbaren Gemütsschwankungen des Hauptakteurs, der zwischen Resignation und Hoffnung auf seine eigenwillige Art ermittelt und sich so wohltuend vom Klischee der ewig jungen Actionsuperhelden abhebt. Dieser Realismus wirkt auf mich zugegebenermaßen vielleicht auch deshalb so positiv, da ich annähernd genauso alt bin und mir einige Gedankengänge vertraut sind.
Kurzum: Nicht nur für Wallander-Fans ein spannender, unter- haltsamer und nachdenklicher Roman, den ich in einem "Rutsch"
durchlesen mußte und hoffe, dass wir vor seiner Pensionierung
noch an dem einen oder anderen Fall Kurt Wallanders teilhaben
dürfen!