Frank Baers ausufernder Historienroman ist leider nach wie vor ein eher unbeachtetes Kleinod. Wo Vielschreiber wie z.B. Gable unter Verwendung unzähliger Plattitüden und Klischees - und mit viel Beifall - ein Genre totschreiben, legen bedächtige Handwerker wie Frank Baer stilistisch saubere, wenngleich unspektakuläre Geschichten vor. Dieser Roman, der im mittelalterlichen Spanien spielt, dreht sich um das Schicksal von vier sehr unterschiedlichen Charakteren: Ein christlicher Nordspanier, der sich als Söldner verdingt, ein jüdischer Arzt und seine stolze Tochter und der vielleicht schillerndste Protagonist, ein maurischer Bonvivant, der als Dichter, politischer Ränkeschmied und Favorit eines unfähigen Fürsten Karriere in einem Spanien macht, in dem die kulturelle und politische Vormachtstellung der muslimischen Fürstentümer langsam ins Wanken gerät. Die Reconquista kündigt sich an, eine Ära der religiösen und kulturellen Freizügigkeit geht ihrem Ende entgegen. Mit den immer schärfer werdenden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen wird der Nährboden bereitet für religiösen Fanatismus. Die vier Protagonisten versuchen in dieser unsicheren Zeit zu überleben und ihre Überzeugungen zu bewahren. Dies wird so überzeugend und psychologisch nachvollziehbar beschrieben, dass man manche steife Konstruktion oder Schilderung leicht übersehen kann. Hier wird keine unbedingt brillante Charakterzeichnung geboten, aber der Autor schafft es, sympathische, glaubhafte Figuren zu entwickeln, denen er auch den notwendigen Raum gewährt, sich in einer langen, aber selten langweiligen Erzählung zu entwickeln. Eine angenehme Abwechslung zu den kommerziell wesentlich erfolgreicheren Genreautoren, deren Werke viel zu offensichtlich auf einen Massengeschmack getrimmt sind.