Leider konnte das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen. Das Montglanespiel war für mich eines der spannendsten und besten Bücher, die ich gelesen habe, daher hatte ich hohe Erwartungen an den Nachfolger (den es eigentlich nicht gebraucht hätte, da der Vorgänger in sich abgeschlossen ist).
Schon nach kurzer Zeit bin ich ausgestiegen, da die Handlung durch die vielen verschiedenen Sagen und Zwischengeschichten völlig verwässert wird. Was im Montglanespiel noch zur Klärung der Handlungsstränge diente ("Geschichte des/der..."), verwirrt hier nur noch. Zudem habe ich mich gefragt, was genau diese "Erklärungen" mit dem Spiel zu tun haben. Ich hatte den Eindruck, dass diese eingeschobenen Geschichten nur zur Seitenfülle dienen.
Was ich auch schade fand, ist, dass der Teil der Geschichte, der im 19. Jahrhundert spielt, höchstens ein Viertel des ganzen ausmacht. Zudem hatte ich erwartet, dass es hier um die Geschichte der Haidée geht, welche aber plötzlich nur am Rande auftaucht und es hauptsächlich um Charlot geht. Dieser Teil hätte wirklich noch ausgebaut werden können. Schade ist auch, dass Mireille gar nicht mehr in Erscheinung tritt, obwohl sie gerade im 19. Jahrhundert ja noch aktiv am Spiel beteiligt war.
Die Aufteilung in schwarze Mannschaft-gut und weisse Mannschaft-böse ist hier nicht mehr gegeben, was zusätzlich verwirrt. Ist wahrscheinlich gut gemeint (im wahren Leben gibt es auch nur selten wirklich gut und wirklich böse), passt aber so gar nicht zu dem, was im Montglanespiel der Fall war.
Auch konnte ich im Charakter von Alexandra keinen Unterschied zu dem ihrer Mutter im Montglanespiel erkennen, ausser, dass sie kochen kann und Kat nicht. Da hat es sich die Autorin etwas zu einfach gemacht.
Alles in allem ein Buch, dass sich Katherine Neville auch hätte sparen können. Wirklich wirklich schade, denn aus dem Stoff hätte man viel viel mehr rausholen können. Den einen Punkt gibt es dafür, dass der Anfang noch ganz gut und im "alten" Stil geschrieben ist. Ansonsten kann man das Buch getrost weglassen, man hat nichts verpasst.