Eines garantiere ich Ihnen: Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, werden sie anders durch die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen gehen - professioneller, gelassener, verständnisvoller, menschlicher und mit Sicherheit besser gelaunt.
Für einen Vielflieger ist es einfach interessant zu lesen, was sich hinter den Kulissen abspielt (genauso habe ich Anthony Bourdins Buch über die Geheimnisse der Restaurantküchen verschlungen). Die Einblicke sind wirklich vielsagend und von der ersten bis zur letzten Seite des Buchs interessant und spannend erzählt.
Zu den Stärken gehört die psychologische Sensibilität des Autors. Das Benehmen von "bedeutenden Leuten" (zumeist Geschäftsreisenden, die dem mittleren Managements angehören) bringt er ebenso auf den psychologischen Punkt wie die Reflexe von Mittvierzigerinnen gegenüber Kleinkindern. Gerade das Kinderkapitel ist ein kleiner literarischer Leckerbissen aus der Gattung Satire.
Brillant ist er auch im Umgang mit kulturellen Eigenarten. Natürlich verschweigt er nicht, dass Türken gern Hausrat mitnehmen und Amerikaner Unmengen von Vitaminpillen, aber er macht es auf eine derart reflektierte Art, dass man niemals auch nur einen Hauch von Vorurteil oder gar Rassismus spürt. Chapeau!
Der Autor hat eine phantastische Beoachtungsgabe und hohes erzählerisches Talent. Selbst die kleinste Geschichte vom Fund eines verdächtigen Gegenstands vermag er mit Spannung einzuleiten - und zu beenden.
Darüber hinaus ist der Autor ein Meister der Ironie, wodurch das Buch ungemein witzig wird. Es sind echte Schenkelklopfer dabei, wenn es zu den Inhalten mancher Koffer kommt (beispielsweise detaillierte Überblicke über zeitgemäßes Sexspielzeug) und manche Stories, wo man denkt "Gut, dass ich diesen Job nicht machen muss".
Promis werden relativ wenige genannt - eine Art running gag ist ein Ex-Sportler, der namentlich genannt wird. Positiv kommt ein ebenfalls genannter Musikstar herüber, weniger positiv zwei Manager, die anonym bleiben, aber für aufmerksame Leser der Wirtschaftspresse halbwegs zu decouvrieren sind. Es kommt auch ein Ex-Kanzler vor, und aus eigener Anschauung kann ich bestätigen, dass dessen Beschreibung absolut korrekt ist.
In jedem Fall werde ich den Kolleg/innen vom Sicherheitsdienst in Zukunft mit mehr Verständnis für ihren job begegnen und ihnen öfter mal ein freundliches Wort oder ein Lächeln schenken. Das Buch schafft Solidarität, wenn der Autor erklärt, dass die Sicherheitsleute genauso wie die Passagiere unter den Schikanen der Frankfurter Flughafengesellschaft leiden, die ja auch landende Passagiere kontrollieren lässt, weil kranke Hirne versäumt haben, Ausgänge dort einzurichten, wo sie hingehören.
Richtig spannend wird das Buch an den Stellen, wo es um echte Gefahren geht - und hier lernt man eine ganze Menge - Positives wie Negatives, beispielsweise dass der Nazi-Komplex der Deutschen echte Sicherheitsrisiken schafft. Es sind auch Stellen dabei, wo einem kalte Schauer über den Rücken jagen. Und nach der Lektüre weiß man mehr über Waffen, als einem lieb ist. (Man weiß aber auch, dass die Sicherheitsleute das wissen.)
Einige Rezensenten mokieren sich darüber, dass der Autor seinen ehemaligen Arbeitgeber in schlechtes Licht setzt. Das kann ich nicht bestätigen - er schreibt ohne Bitterkeit und äußert sogar Verständnis für die betriebswirtschaftliche Logik seiner Kündigung, die nichts mit Personen zu tun hat, sondern mit System. Dass dabei mitschwingt, dass Kostensparen zu Lasten der Sicherheit wie auch des Komforts geht, erscheint mir weder böswillig noch wirklich überraschend.
Alles in allem ein Buch, dessen Lektüre ich während jedes etwas längeren Fluges wärmstens empfehlen kann.