Berendt Breitensteins Literatur, die im Dauerrythmus erscheint, ist oft der erste Lichtblick im Djungel der durch den Mißbrauch gewisser Substanzen beeinflussten Mainstreambuchliteratur. Gerade letztere, die durch vollkommen unrealistischen Trainingsvorgaben Anfänger frustriert, ist nicht gerade lesenswert. Aber zurück zu Berendt Breitenstein. Nach längerer Anwendung als erfahrener Kraftsportler, Vergleich mit wissenschaftlicher Fachliteratur in den Bereichen Ernährung, Physiologie, Trainingsintervallen bin ich zu folgendem Urteil gekommen:
1. Für den Anfänger bietet er einen kurzen Überblick über wichtige Grundlagen und wirbt für dopingfreies Bodybuilding.
2. Auch seine Ernährungstipps sind nicht schlecht, wenn er jetzt noch das Gesundheitliche Risiko von zu hohem Kohlenhydratkonsum erkennen würde, könnte man hier nicht meckern.
Folgendes trübt das Bild nachhaltig:
3. Der Autor empfielt unter anderem schreckliche Rückenvernichtende Übungen wie beispielsweise "Rudern stehend". Wenn es für den Muskelgruppen keine andere Übung geben würde, könnte man darüber nachdenken. Aber so gibt es einiges, das noch nicht mal ansatzweise so gefährlich ist. Auf diese Übung kann man getrost verzichten.
4. Der Autor benutzt bei Kniebeugen Holzklötze unter seinen Absätzen. Das führt garantiert mit den Jahren zu massiven Knieproblemen! Bei Kniebeugen müssen die Füße flach auf den Boden, die Knie dürfen nicht über die Zehen vertikal hinausragen!
5. Das führt dann zum nächsten Punkt: auf 2 Bildchen mit Minimaltext erkennt man keine gute Traingsausführung. Ich empfehle Stuart Mc Robert "The Insider's Tell-All Handbook on Weight-Training Technique". Dort werden wichtige Übungen auf bis zu 18 Seiten detailliert in Ihrer Ausführung beschrieben.
6. Der Autor kümmert sich nicht um eine sinnvolle Kadenz. Auf seinem Trainingsvideo hebt er die Gewichte ruckartig. Wer so trainiert, trainiert schlecht!
7. Im allgemeinen betont er zwar immer wieder das Risiko des Übertrainings. Seine Trainingspläne sind aber vom Volumen viel zu hoch, auch die Intervalle viel zu kurz. Wer damit über längere Zeiträume konstant (also jedes Training!!) fortschritte erzielt, ist entweder Anfänger oder hat eine sehr gute Veranlagung (ca 5% der Bevölkerung + die, die Zusatzmittel benutzen).
Was viele einfach nicht wahr haben wollen: wer eine gute Veranlagung hat (s.o.), kann sich Trainingsfehler (schlechte Ausführung, zu viel training) erlauben. Alle anderen (95%) der Bevölkerung leider nicht.
Fazit: für Einsteiger ganz ok; wer schonmal Schmerzen hatte oder als Fortgeschrittener plötzlich stagniert, obwohl er sich an die tollen Pläne von Berendt Breitenstein hielt, dem ist währmstens das Buch "Beyond Brawn: The Insider's Encyclopedia on How to Build Muscle & Might" von Stuart McRobert empfohlen.