Eine Rezension über den Teil einer Trilogie zu schreiben, ist recht einfach, wenn man die folgenden Teile noch nicht kennt. Eine Rezension über zwei Drittel einer Trilogie in einer Rezension zusammenzufassen, mag recht ungewöhnlich sein und dem Filmfan vorkommen, als würde man versuchen, die originale Star Wars-Trilogie nach Das Imperium schlägt zurück bereits für alle Zeiten zu adeln. Um es vorweg zu nehmen - Robyn Youngs (im englischen Original) als Brethren-Trilogie betitelte Werke stehen dem - zugegeben hinkenden - Vergleich zur berühmten Science-Fiction-Filmtrilogie in nichts nach. Vor der historischen Hintergrund der letzten Jahre der christlichen Besatzung in Outremer beschreibt Robyn Young das Leben und Wirken zweier junger Männer im Templerorden gepaart mit den üblichen Faktoren Liebe, Leid, Tod, Freundschaft , Kampf und Verrat
Die Zutaten mögen altbekannt sein und auf dem reinen Papier niemand mehr wirklich vom Hocker reissen, allerdings schreibt Young nicht nur auf einem extrem hohen Niveau, sondern fesselt den Leser von der ersten Seite des Erstlingswerkes Die Blutschrift mit ihrem präzisen und lebendigen Schreibstil, der dazu noch durch eine perfekt recherchierte und inszenierte Handlungsschiene unterstützt wird - diese lässt die Vergangenheit lebendiger erscheinen, als es so mancher aktueller Film nur ansatzweise schaffen kann (einen entsprechenden Grad an Phantasie einmal vorausgesetzt!).
Zwei Freunde, die zusammen aufwachsen und am Ende unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Frau zwischen den beiden, die Wirren der letzten Tage christlicher Besatzung im Heiligen Land, der Fall der letzten Templerbastion Akkon und die pikante Mischung aus Kampf, Liebe, Verrat und dem immerwährenden Glauben an Friede zwischen den einzelnen Völkern - all das schildert uns Robyn Young über 620 bzw. 768 Seiten, die ausführlicher, lebendiger und spannender nicht sein können. Die Verdeutlichung, das Wege im Leben sich trennen, nur um am Ende doch noch zusammenzufinden oder die Tatsache, das ein Spiel mit dem Feuer letztendlich zum eigenen Untergang führt, sind nur ein elementarer Bestandteil in den beiden Erzählungen - selten zuvor konnten aber die Lehren, die man trotz des Handlungshintergrundes aus dem 13. Jahrhundert ziehen kann, so klar und deutlich auf Problem- und Krisenherde der heutigen Zeit projiziert werden - eine gewisse Intention der Autorin, auch etwas aus (lebendig erzählter) Geschichte zu lernen, schwingt somit auch hier mit.
Jedes Buch für sich ist - um zum Fazit zu kommen - ein in sich geschlossenes Meisterwerk, welches in Sachen Schreibstil und Recherche meines Erachtens nach neue Maßstäbe setzt - zusammen bilden beide Romane trotz des fehlenden Abschlusses der Trilogie (Teil drei, Requiem, erscheint in England erst im Laufe dieses Jahres) aber schon jetzt eine Referenz im Bereich der geschichtlichen Abenteuerromane. Wermutstropfen ist aber mal wieder die (mittlerweile anscheinend) obligatorische Willkür der deutschen Verleger, aus dem Originaltiteln Brethren und Crusade die reisserischen deutschen Titel Die Blutschrift bzw. Die Blutritter zu machen, die - vom Sinn her - die Thematik beider Bücher nicht ansatzweise berührt, sondern schlichtweg ein verzerrtes Bild der Handlung wiedergibt. Lässt man dieses Manko einmal aussen vor, gibt es bei beiden Romanen nichts, was auszusetzen wäre - beide sind ohne Wenn und Aber Pflichtkäufe, von daher wage ich einfach mal, dieser (noch nicht kompletten) Trilogie einfach mal das Prädikat Weltklasse auszustellen!