Nun ja, man weiß es ja, Robert Gernhardt, Mitbegründer "Der Neuen Frankfurter Schule" ist einer der ganz großen, was den
deutschen oder besser gesagt den hiermit bezeichneten
frankfurter Humor des ausgehenden 20 Jahrhunderts angeht. Dies stimmt und ist unbestreitbar.
Da die neue frankfurter Schule, wie
man auch weiß, längst von allen in den kulturellen Himmel
gelobt wird, ist es auch klar das Robert Gernhardts Witze
von allen Seiten als Hintergründig und Niveauvoll bezeichnet werden. Dies aber sind sie nicht. Zumindest nicht in jedem Fall
und ganz bestimmt nicht in diesem Fall.
Robert Gernhardts Werk der 60er und frühen 70ger Jahre
definiert sich durch etwas, was der Dichter selbst (!!!) als
"Anti-Komik" bezeichnet hat. Flächste Flachwitze und Nonsens, der durch gewollte Nichtwitzigkeit die Komik der damaligen Zeit als solche ad absurdum fürhen sollte. Nun ist dies ein Genre welches schon nicht jedem gefällt, welches aber von denjenigen die es zu schätzen wissen unter dem Motto "so richtig schön doof" herzlichst belacht oder auch einfach nur gewürdigt werden konnte, der bloßen Idee wegen. Doch zu würdigen gibt es hier
wirklich gar nichts.
"Die Blusen des Böhmen" ist wirkliche "Anti-KomiK". Es ist
einfach Nicht lustig. Die Anti-Komik funktioniert ja manchmal, aber hier hat Herr Gernhardt halt einfach ziemlich viel verbauert und in den Sand gesetzt.
Die manchmal relativ langen Kurzgeschichten
sind, wie ja auch überall angepriesen, vollkommen Sinnlos. Aber
mehr eben auch nicht. Diese Sinnlosigkeit rechtfertigt nicht die Länge der Texte. Sprich so viel Sinnlosigkeit auf ganze Kurzgeschichten gestreckt hat einfach überhaupt keine Würze mehr.
Am Ende der Texte angelangt bleibt nichts ausser ein unbefriedigtes Kopfschütteln.
Ich gebe zu noch nicht alle Geschichten gelesen zu haben,
aber man will eigentlich auch gar nicht weiterlesen.
Der erste Eindruck lässt unbefriedigt.
Eine Ausnahme: Die Kurzgeschichte "Treatment zu einem Fussballfilm".
Viel schlimmer noch die Photogeschichten. Mein krasses Urteil: Belanglos.
Das einzige was das Buch ein wenig rausreisst sind
die Bilder und Cartoons. Zwar noch ein wenig unbeholfen gezeihnet (Ebenfalls
vom Zeichner selbst zugegeben: Er konnte damals einfach noch
überhaubt nicht zeichnen - Zitat aus dem Anhang des Buches
Vom schönen guten Baren) was Nicht-Profis zwar nicht auffallen sollte. Diese Bilder und Cartoons sind schon ganz nett. Aber auch nur für den Liebhaber jenes Humor-Genres. Und
wirklich vom Hocker reissen sie einen auch nicht.
Und ein Satz zu Feingeistigkeit und Niveau: Robert Gernhardt
macht gelegentlich geschichtliche Ereignisse und Szenarien der Hochkultur zum Rahmen seiner Kurzgeschichten nur aber
um in ihnen Unsinn aufzubauen der auch in jedem anderen
Szenario aufgebaut werden könnte. Nur wenn man Charakteren der
Weltliteratur Unsinn in den Mund legt, ist dieser Unsinn
noch lange nicht niveauvoll. Die Sinnlosigkeit die in diesem Buch
zu finden ist hat mit gewitzter oder gar philosophischer Feinsinnigkeit wenig bis gar nichts zu tun. Ausnahmen bestätigen da nur die Regel. Größtenteils enttäuschend und nicht empfehlenswert.