Allen Schmähungen und Aufblähungen zum Trotz: Für mich war dieses Buch (die Übersetztung) eine Offenbarung und Zeugnis dafür, dass es denkende Übersetzter und Herausgeber gibt. Ich halte Lyrik grundsätzlich für unübersetztbar und Übertragungen demnach als geistige Zumutung, ganz abgesehen davon, dass es auch gelungene Übertragungen gibt. Sie sollten aber lediglich als Krücke für Leser dienen, die die Originalsprache nicht beherrschen. Eine Nachdichtung kann nur ein eigenständiges Werk (z.B. im Sinne Paul Zechs) sein und sollte an erster Stelle den Namen des Übersetzters tragen, oder aber als Dolmetscher funktionieren, d.h. als synchroner Paralleltext, sozusagen als "Untertitel", nicht als "Synchronfassung". Lyrik lesen heißt, in der Originalsprache lesen, laut lesen und hören, und folglich die Wörter, die man nicht versteht, in der Übertragung nachschlagen, weshalb es mir persönlich entgegenkommt, Sinn und Inhalt in Prosa zusammengefasst zu erhalten. Nachdichungen sind Verkrümmungen, Verfälschungen und Eitelkeiten, im Schlimmsten Fall Enteignungen, und können meistens nur unpräzise sein. Deswegen ist eine Prosaübersetzung keine "Vernichtung des Versmaßes" sondern eine noch viel präzisere Annäherung an den originalen Inhalt, da auf inhaltliche Verkrümmungen zugunsten formaler Analogie verzichtet wird.
Prosadichtungen sind ein geistiges Geschenk, bescheiden und demütig dem Originalwerk gegenüber. Schade, dass kaum einem Dichter diese Ehre erwiesen wird. Einzig Nervals Chimären (soweit meine Kenntnis geht) wurden von Manfred Krüger gleich zweimal übersetzt, einmal als Nachdichtung und einmal als "genauere, ungereimte Überstragung.
Aus diesen Gründen finde ich dieses Werk sehr empfehlenswert!
PS: meine Empehlung für folgenden Kommentar: http://www.amazon.de/review/R131H58JZ9527X/ref=cm_cr_rev_detmd_pl?ie=UTF8&cdMsgNo=3&cdPage=1&asin=3423123494&store=books&cdSort=oldest&cdMsgID=Mx1EJKSFNJBIZ6O#Mx1EJKSFNJBIZ6O