Pressestimmen
"Mein lieber Freund, ich habe 'Die Blumen des Bösen' zuerst von Anfang bis Ende verschlungen wie eine Köchin einen Feuilletonroman, und nun lese ich den Band seit acht Tagen Vers für Vers und Wort für Wort noch einmal. Ich liebe ihre Schärfe mit ihren sprachlichen Köstlichkeiten, die Sie zur Geltung bringen wie Damaszierungen auf einer feinen Klinge. Was mir vor allem an Ihrem Buch gefällt, ist, daß darin die Kunst den Vorrang hat. Außerdem besingen Sie das Fleisch, ohne es zu lieben, auf eine traurige, indifferente Weise, die mir sympathisch ist. Sie sind hart wie der Marmor und durchdringend wie der englische Nebel." (Brief an Baudelaire)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Rezension
Copyright: Aus
Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Die Blumen des Bösen
OT Les Fleurs du mal OA 1857 DE 1901Form Gedichtsammlung Epoche Romantik
Charles Baudelaires epochales Werk bereitete formal und thematisch die moderne europäische Dichtung vor. Von der emotionalen Bekenntnislyrik der Romantik hob er sich klar ab. Dichtung war für ihn ein intellektueller Prozess. Die radikal veränderte Thematik ging einher mit unbedingtem Formwillen, der sich in der genauen Komposition und in strengen Gedichtformen niederschlug. Wesentliche Kennzeichen seines Stils sind suggestive Bilder und Metaphern, rhythmische Sprache und die poetische Kraft der Symbole.
Entstehung: Baudelaire plante zunächst die Veröffentlichung der ab Anfang der 1840er Jahre entstandenen Gedichte unter dem Titel Les Lesbiennes oder Les limbes (Die Vorhölle). Zwei Monate nach Erscheinen musste sich der Verfasser der Gedichte nach einer polemischen Rezension wegen Beleidigung der öffentlichen Moral vor Gericht verantworten. Er wurde verurteilt, in der zweiten Auflage sechs Gedichte zu streichen. Spätere Neuauflagen enthalten zusätzliche Verse und auch die verbotenen Gedichte wurden wieder aufgenommen.
Inhalt: Das einleitende Gedicht An den Leser verweist auf die Eigenart des Zyklus als angebliche Ausgeburt einer höllischen Fantasie. L'ennui bezeichnet jenes Gefühl, zu dem der moderne Mensch verdammt ist, eine Mischung aus Schwermut, Langeweile und Lebensüberdruss. Die Künstlichkeit der Großstadt, der Rausch und die Blasphemie bieten nur scheinbar Fluchtpunkte. Die Gedichte der ersten, umfangreichsten Gruppe Spleen et idéal (von Stefan R George mit Trübsinn und Vergeistigung übersetzt) spiegeln das Ringen des Dichters wider, seine Aufschwünge, Stürze und seine Resignation. Dem ennui bzw. spleen, den Walter R Benjamin als »Katastrophe in Permanenz« definierte, stellt Baudelaire die Sehnsucht nach dem Ideal entgegen. Die unter dem Titel Tableaux parisiens (Pariser Bilder) zusammengefassten Gedichte begründeten Baudelaires Ruhm, als Erster die zivilisatorischen Reize der modernen Großstadt in die Poesie einbezogen zu haben. Die Gedichte enthalten Bilder, Träume und Visionen von Paris, der »schrecklichen Landschaft«, das bevölkert wird von Blinden und Bettlern, Buckligen und Greisen. Selbst das Grauen kann den müßigen »flaneur« faszinieren. In den Gedichten der Gruppe Le vin (Der Wein) geht der Dichter den bewusstseinserweiternden Wirkungen von Rauschgiften nach und singt dem Wein ein Loblied, da er das Elend vergessen ließe und die Liebenden in das Paradies der Träume führe. Doch letztlich bringt auch die Flucht in den Rausch keine Erlösung. Aus den Gedichten der Gruppe Fleurs du mal und den blasphemischen Versen der Révolte (Aufruhr) spricht die Stimme der Verzweiflung, aus der kein Weg mehr hinauszuführen scheint. Die Gedichte La mort (Der Tod) und Le voyage (Die Reise) beschreiben die letzte Reise in den Tod, die Erlösung bringt vom ennui. Der Dichter unternimmt die Reise, gleich, ob sie zum Himmel oder zur Hölle führt, da er auf dem Grund des Unbekannten Neues zu finden hofft.
Wirkung: Der Erfolg des Gedichtbandes war zu Lebzeiten Baudelaires eher gering. Erst spätere Dichtergenerationen wie die Symbolisten und die Surrealisten erkannten die neuartige suggestive Sprachmagie der Lyrik. Baudelaires entscheidender Einfluss ist im Werk nachfolgender Dichter wie Stéphane R Mallarmé, Arthur R Rimbaud, Georg RTrakl oder Paul R Celan erkennbar. Der Gedichtband wurde mehrfach ins Deutsche übertragen, erstmals von George (1901). S. Na.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.