Oft sind es kleine Geschichten, die in ihren Bann schlagen. Die Fantasyliteratur ist ein Genre, in dem es von Trilogien und Serien nur so wimmelt. So sehr ich auch groß angelegte Epen wie z.B. George R.R.Martins „Song of Fire and Ice" liebe, so glücklich bin ich einen in sich geschlossenen Einzelband, der eine Geschichte erzählt, die nicht unbedingt heroisch ist, aber in ihrer Einfachheit wunderbar erzählt wird.
Delia Shermans „Die Blume der Diener" zählt zweifellos dazu.
Und obwohl die Handlung packend und spannend ist, ist es vor allem die Stimmgewalt jener modernen Bardin, die fesselt. Ihr Stil ist zart, aber nicht blumig, lässt ungewöhnlich klare Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Obwohl sie kaum mehr denn einen Handlungsfaden verfolgt - diesen aber um so geschickter ausarbeitet - zieht die Geschichte um „William Flower" einen in seinen Bann.
Eindrucksvoll, wie sie einem die Welt von Margaret, einer dunklen Zauberin, und deren Dämonen greifbar macht.
Exzellente historische Kenntnisse lassen sie ein fantastisches Mittelalter heraufbeschwören, dass kaum etwas von der falschen Glorifizierung so mancher Märchen und Filme hat, sondern verdeutlich: Das Mittelalter war schmutzig, unbequem und verdorben.
Sherman gelingt es, dem Leser immer wieder interessante Anreize für Vermutungen bezüglich der Handlung und der Beweggründe der Charakter zu geben, deckte diese jedoch niemals zu früh auf und hält so geschickt bei der Stange.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Charakterisierung der Figuren: niemals nur schwarz und weiß, sondern immer noch menschlich. Sie haben Motive für ihr Tun. So schafft die Autorin Glaubhaftigkeit bar jeder Archetypen.
Wer eine schöne, gut erzählte Geschichte im Stil eines Loreena McKennit-Liedes zu schätzen weiß, sollte dieses Buch lesen!