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86
4,2 von 5 Sternen
Die Blechtrommel: Roman
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Dezember 2008
Günter Grass ist ein bedeutender Erzähler und ein ebenso bedeutender Schwadroneur. Der Mann entfaltet in seiner Danziger Erzählung vom dreijährigen Oskar, der beschließt, nicht mehr weiterzuwachsen, einen Erzählstrom, der in der deutschen Nachkriegsliteratur ziemlich einzig dasteht. Unter Berücksichtigung der Tatsache natürlich, dass die Nazis nahezu alle bedeutenden deutschen Schriftsteller ermordet, mundtot gemacht oder ins Exil getrieben hatten.
Dennoch ist Grass der Nobelpreis für diesen Roman zu gönnen. Eine Sprache, ruhig und gewaltig wie ein Strom, einzigartige und zum nationalen Bildungsgut gewordenen Bilder wie das von der Großmutter, die einen Flüchtigen unter ihrem Rock versteckt oder das vom trommelnden Dreikäsehoch, der eine Parteiversammlung zum Walzertanzen bringt (Schlöndorff hat dazu in der Verfilmung kongeniale Einstellungen gefunden) und immer wieder zeitgenössische Einsprengsel und Verflechtungen seiner Familiengeschichte mit der Historie wie beim Kampf um die Danziger Post, die den Nazis so ziemlich als erstes in die Hände fiel. Grass handelt in seiner eigenwilligen Familiengeschichte das "dritte Reich" eher nebenher ab, beschränkt sich so auf seine Figuren und deren Art und Weise, in schwierigen Zeiten zu überleben. Und das mit Recht.
Der Roman reicht dann auch noch ein gutes Stück in die Nachkriegszeit hinein - und manchmal würde man sich wünschen, Grass hätte uns das hunderste oder tausendste Detail erspart. Grass' Erzählvermögen beeindruckt zwar bis zuletzt, seine Sprache ertrinkt aber bisweilen in einer Fülle an Satzungetümen, die Thomas Mann Ehre machen würden und krankt an ihrem enormen Detailreichtum. Dennoch trägt die Erzählung bis zum Ende und insgesamt muss man Günter Grass für dieses sprachliche Vermögen bewundern. Die letzten paar hundert Seiten musste ich mich allerdings immer wieder zum Weiterlesen zwingen.
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64 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. April 2005
„Die Blechtrommel" ist heutzutage wohl einem großen Teil der Bevölkerung ein Begriff. Wenige literarische Werke sind in den letzten Jahrzehnten so kontrovers diskutiert worden wie Günter Grass' ungewöhnlicher Roman, dessen Held - oder sagen wir besser Antiheld - Oskar Matzerath genau wie sein Schöpfer in Danzig geboren ist. Dort spielt sich dann auch ein Großteil der Handlung ab, bis auf einen Abstecher nach Frankreich und den Umzug nach Düsseldorf im letzten Drittel des Buches.
Oskar schreibt laut der Rahmenhandlung dieses Werkes im Alter von dreißig Jahren als Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt seine Lebensgeschichte auf und agiert so größtenteils als prinzipieller Ich-Erzähler, auch wenn er nicht selten durch die Wahl der dritten Person zu sich selbst eine gewisse Distanz schafft, was ein für den Stil dieses Buches sehr charakteristisches Merkmal ist. Der Protagonist wird als Sohn einer Frau kaschubischer Herkunft und eines rheinländischen Deutschen (ähnlich wie übrigens auch der Autor) geboren, wobei sich aber recht früh eine Dreiecksbeziehung durch das Verhältnis seiner Mutter zu ihrem Cousin Jan Bronski herauskristallisiert, welche sich als Motiv durch das gesamte Buch zieht und Oskar regelmäßig die Vaterschaft Alfred Matzeraths anzweifeln lässt.
Oskar ist ein durchaus ungewöhnlicher Junge, denn den eigenen Angaben zufolge war bei der Geburt bereits seine geistige Entwicklung abgeschlossen, sodass er den Erwachsenen von Anfang an nur das Kind vorspielt was er zu sein scheint, während er sich nicht anmerken lässt, dass er tatsächlich alles was geschieht durchschaut und begreift. Gemäß einem Versprechen seiner Mutter zu seiner Geburt bekommt er zu seinem dritten Geburtstag die Blechtrommel geschenkt, die dem Roman seinen Titel gibt - ein schicksalhafter Tag, denn die Trommel wird fortan zu seinem steten Wegbegleiter, ermöglicht ihm die Manipulation anderer Menschen und dient ihm später in der Heil- und Pflegeanstalt als ungewöhnliche Erinnerungshilfe. An besagtem Geburtstag beschließt er auch nicht mehr zu wachsen und stets in der Rolle des Dreijährigen zu bleiben. Dies ist bei weitem nicht die einzige Stelle an der das Buch den Boden der Realität verlässt und sich in phantastische und symbolische Sphären aufmacht.
Oskar hält jedwede Kommunikation mit anderen Menschen in zwei Dritteln des Romans auf einer primitiven Ebene und beschränkt sich auf das Nötigste, stets den geistig zurückgebliebenen Gnom vorspielend. Dabei erlaubt er sich häufig ein distanziertes Urteil über die Mitmenschen und stellt Verhältnisse unverblümt dar, scheint dabei aber auch selten Dinge aus einem für uns normalen und gewohnten Standpunkt zu sehen. Dadurch wird es für den Leser sehr schwierig, Oskar sympathisch zu finden, ihn als Erzähler zu akzeptieren und sich mit ihm zu identifizieren, was folglich ein Eintauchen in das Buch nur schwer möglich macht. „Die Blechtrommel" steckt stattdessen so voll mit abstrusen und befremdlichen Formulierungen und geradezu absurden Situationen, dass man es nur selten schafft die Welt wirklich mit Oskars Augen zu sehen; vielmehr nimmt man die meiste Zeit über seine Sicht kopfschüttelnd zur Kenntnis, ohne so recht zu begreifen was es damit auf sich hat. Das Werk versperrt sich so jedweder Faszination und zieht den Leser dennoch - ein Paradoxon wie es zur „Blechtrommel" nur perfekt passt - in einen eigenartigen Bann.
So ist es mitunter eine Tortur, sich durch die Kapitel zu kämpfen, welche beizeiten in langatmige und komplizierte, kaum noch nachvollziehbare und vollkommen den Bezug verlassende Formulierungen ausarten, und man ist froh wenn das Ende in Sicht ist. Und doch ist die Welt, die Grass erschafft, und das mehr oder weniger menschliche Wesen Oskar Matzerath in seiner morbiden Art oft derart außergewöhnlich, unvorhersehbar, ja, fast krank, dass man einfach weiterlesen muss, um herauszufinden was sich der Autor als nächstes hat einfallen lassen und wie dieses mehr als außergewöhnliche Leben seinen weiteren Lauf nimmt.
Man wird denn auch beizeiten durch Passagen belohnt, die zwar ungewöhnliche Situationen schildern, aber in ihrer nicht ganz alltäglichen Symbolik doch leichter zu durchschauen sind als manch andere abgehobene Stelle; so ergeben sich Erfolgserlebnisse und man erkennt, dass hinter dem ganzen Irrsinn tatsächlich eine Bedeutung steckt und Interpretationen möglich sind, die durchaus Sinn ergeben. So erlebt Oskar als Kind den Aufstieg des Nationalsozialismus sowie den Krieg, im Bombardement der Stadt Danzig gipfelnd, und der Autor lässt viele Menschen aus dem Umfeld, so auch Oskars „mutmaßlichen Vater" - wie er ihn immer nennt - im Bezug darauf einen äußerst eindeutigen, symbolischen Tod sterben, der sie als Mitläufer entlarvt die nie wirklich hinter einer Seite gestanden haben, aber auch nichts unternommen haben.
Das Motiv des Nationalsozialismus und die Reaktionen der Menschen auf selbigen zieht sich auch durchaus noch durch den dritten Teil des Buches, welcher im Düsseldorf der Nachkriegszeit spielt; somit ist dies ein wichtiger Hauptaspekt des Romans und Oskar bekommt hier mehr als einmal eine entlarvende Funktion und ist als der scheinbar Minderbemittelte am Ende der einzige, der wirklich die Welt durchschaut. Günter Grass fällt hier ein kompromissloses und zu keinem Zeitpunkt beschönigendes Urteil über die Bevölkerung Deutschlands und ihre Passivität zur Nazizeit.
Insgesamt ist „Die Blechtrommel" ein äußerst schwer zugänglicher Roman und ein harter Brocken, den man sich mit einem gewissen Maß an Mühe und Hingabe erarbeiten muss. Schon der äußerst merkwürdige Anfang erschwert den Einstieg und stiehlt vorzeitig jede Motivation, weitere Gründe sind aber nicht zuletzt auch die stellenweise schwer nachvollziehbare oder auch befremdliche Sprache und die doch sehr ungewohnte Sichtweise. Es braucht seine Zeit bis man sich mit diesem Buch anfreunden kann, und auch dann entwickelt sich womöglich eher eine Art unwiderstehliche Hassliebe.
Gerade das macht das Buch aber besonders interessant und hebt es vom Gros der Nachkriegsliteratur ab. Denn am Ende regt es durchaus stark zum Grübeln an und es ist mit Sicherheit ein Roman, den man nie vergessen wird. Zumal die Komplexität der Charaktere und deren Beziehungen, die allgegenwärtige Symbolik sowie die zu keinem Zeitpunkt zufällige Handlung dem Ganzen eine ungeahnte Tiefe verleihen, welche viel Raum für eingehendere Interpretation lässt und die zunächst scheinbar vulgäre Anspruchslosigkeit vieler Passagen - denn das Werk wirkt nicht selten recht provokant und alles andere als prüde - widerlegt.
„Die Blechtrommel" ist also ein etwas anderes literarisches Erlebnis für offene Gemüter, die sich womöglich vom Einheitsbrei gelangweilt fühlen, etwas außergewöhnliches suchen und Wert auf Anspruch legen. Einen Unterhaltungsroman für die kleine Leseeinheit vorm Schlafengehen oder ein Buch, in das man eintauchen und die Welt um sich herum vergessen kann, hat Günter Grass hier aber mit Sicherheit nicht geschrieben.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. August 2012
Es ist ein kleines Wagnis, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Oskar, die zentrale Figur des Romans, will und kann nur für sich selbst sprechen - oder besser: aus Trotz Wirklichkeit ertrommeln und Glas zersingen. (Ich möchte glauben, auch sein Erfinder Grass hatte Oskar auf Grund seiner fast magischen Eigendynamik irgendwann nicht mehr gänzlich im Griff.)
Deshalb nur ein paar Worte zur Wirkung:
Oskar zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in seinen Bann. Dieses mitunter liebenswürdige Miststück (der Ausdruck "Schelm" ist mir zu harmlos) besitzt eine Anziehungskraft wie kaum ein anderer Protagonist der Literaturgeschichte. In Form eines sprachlich-stilistischen Feuerwerks (oder besser: Trommelwirbels), vor allem durch den Einsatz kaum steigerbarer bissiger Ironie, entlarvt er die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis hin zum Biedermeier der Nachkriegszeit. Er, der kleinwüchsige Verweigerer und "geistig Zurückgebliebene", erweist sich dabei als einzig Gesunder in einer Welt der Lüge und des Verbrechens, was manchmal Belustigung, manchmal gellendes Entsetzen hervorzurufen vermag - meistens aber beides zugleich. Mit anderen Worten: Ein einziger Roman hat mich selten so sehr lachen und gleichzeitig zurückschrecken lassen. Oder mit den Worten Hans Mayers: "Mit Oskar Matzerath wird man so leicht nicht fertig. Der wird noch viele Leute auch in der Zukunft erheitern und erschrecken."
Viel Spaß, Freude, Ekel und Entsetzen beim Lesen!
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Mai 2012
Der Roman als solcher ist hervorragend. Die vorliegende Auflage ist aber fehlerhaft. Es fehlt der Anhang und ein Teil des Inhaltsverzeichnisses. Der Verlag hat mir bestätigt, dass die ganze Auflage diesen Fehler hat. Mir wurde die vorhergehende Auflage empfohlen, die fehlerfrei sei.
Ich finde es nicht in Ordnung, dass beim Verkauf des Romans auf diesen Fehler nicht hingewiesen wird.
Kunde
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Januar 2008
Keine Frage, "Die Blechtrommel" ist ein Ausnahmewerk der deutschen Nachkriegsliteratur. Allein der Protagonist dieses Schelmenromans, Oskar Matzerath, ist wohl so ziemlich das Ungewöhnlichste, was man als Leser je erlebt hat. Da protestiert ein Dreijähriger gegen sein Wachstum und entzieht sich somit metaphorisch der Verantwortung der verblendeten Gesellschaft des Nazideutschlands. Doch nicht nur das: Die unterbrochene Entwicklung stellt gleichzeitig auch einen Stillstand der eigenen geistigen Reife dar. Oskar benutzt seinen Kindskörper als Rechtfertigung seiner satanischen Züge, er entzieht sich jeglicher Schuld, kennt diesen Begriff wahrscheinlich nicht einmal.

Die narrative Gestaltung ist interessant zu verfolgen: Da haben wir einerseits den Ich-Erzähler Oskar und andererseits den omniszienten Oskar, der mithilfe seiner Blechtrommel alles Wissen herbeizwingen kann (diese Passagen werden in der 3. Person geschildert). Eine gelungene Idee, die Allwissenheit zu begründen und nicht als selbstverständlich vorauszusetzen, wie es zu lang der Fall gewesen ist.

Zur Rahmenhandlung: Oskar Matzerath wird in Danzig geboren und ist bereits bei der Geburt mit vollem Verstand gezeichnet; er versteht das Agieren seiner Umwelt. Bereits als Säugling erkennt Oskar also die Schattenseiten des Erwachsenseins und bleibt damit der Definition des Schelmenromans treu, dass der Protagonist zu Beginn eine Desillusionierung erfährt, also die Schlechtigkeit der Welt erkennt. Doch anstatt sich mit der ihm aufgebürdeten Problematik zu befassen, protestiert Oskar und hört (sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinn) auf zu wachsen. Oskar wird selbst zum Verbrecher und steht somit als Sinnbild für die ambivalente Nazigesellschaft, die einerseits durch Gemeinschaft und andererseits durch Verrat charakterisiert war.

All dies klingt zunächst einmal viel versprechend, doch das wirklich große Manko dieses Romans stellen die Episoden dar, die das Motiv/ die Intention des Buches nur schwach ausführen oder eben gar nicht. So wird mitunter nicht ersichtlich, welche Funktion das jeweilige Kapitel erfüllt. Meist sind diese Passagen von ellenlangen Beschreibungen, die das Sujet um keinen Millimeter voranbringen, durchsetzt und kratzen an der Motivation des Lesers. Günter Grass hat es stellenweise mit seiner Fabulierlust wirklich etwas übertrieben.

Alles in allem muss man diesen Nobelpreisroman in den guten Durchschnitt stellen, da die Prämisse dieser fiktiven Autobiographie über einige die inhaltlichen und formalen Schwächen hinweghilft. Dennoch einen großen Dank an den Autor für dieses belehrende Buch, das jeder Mensch mit Sinn für Kritik in unserer Gesellschaft gelesen haben sollte, denn eine bessere Warnliteratur gibt es in unserem Land bis dato nicht!
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Sicherlich das Grass-Buch, das zum Nobelpreis rund fünf Jahrzehnte später führte.
Die Handlung angedeutet: Der Ich-Erzähler Oskar sitzt in der Klapse, er stammt aus deutsch-polnisch-kaschubischen Familien. Deren und sein Leben - er entwickelt Besonderes - läuft parallel zu Danzigs und später Deutschlands Geschichte. Beschrieben wird es im 1958-er Buch bunt und erzählfroh bis hin zum Drastischen.

Die Handlung ausführlicher: Oskar ist Pole, ist Kaschube, ist Deutscher, ist Danziger? Vor allem ist er kluger, eigensinniger, nur scheinbar unscheinbar kleiner Trommelspieler. Wie in "Schelmen-Romanen" erlebt Oskar sehr viel, teils ist er gemeingefährlich und opportunistisch, teils der einzige Mensch mit Verstand. Die Handlung spielt in und um Danzig, nach der Flucht dann Düsseldorf (vermutlich, weil der anfängliche Danziger Grass dort dann als angehender Künstler lebte, der Teil ist für mich der deutlich schwächere des Buchs).

Übrigens: Wer Freude an so etwas hat, einfach mal z.B. nach Teufels-Anspielungen Ausschau halten. Oder nach den amüsanten Anspielungen auf die Nationalismen. Beim einen "saugte" hat das damalige Korrektorat gepennt, nuja.

Rushdies internationaler Riesenerfolg Midnight's Children hat unverkennbar viel von diesem Buch übernommen. Umgekehrt dürfte Grass neben Schelmenromanen und der eigenen Biografie z.B. Manns Doktor Faustus und Felix Krull gelesen und als Folie genommen haben - nur mit viel weniger Intellektualität und mehr handfesten Gerüchen, Geschmack und Geschmuddel.

Zur Ausgabe: ich las es günstig gebraucht im Fischer-Taschenbuch. Sehr schön dicht gesetzt, damit tauglich fürs Mitnehmen in die kurzen Ferien.

Fazit: sehr mächtig erzählt, mit erwähnt abfallendem dritten Teil, doch auch ohne Film ein großes Erlebnis. Viereinhalb Sterne.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zur Blechtrommel selbst gibt es bereits so viele Rezensionen, daß es müßig wäre, eine weitere hinzuzufügen.
Daher möchte ich mich auf diese Ausgabe beschränken.
Es handelt sich um eine dreibändige, einmalige und limitierte (1300 Exemplare) Auflage, die 1991 im Verlag Volk und Welt erschienen ist. Die Bände sind in schwarzes Leinen gebunden, weisen eine rote Deckel- und Rückenprägung sowie einen illustrierten Schutzumschlag auf. Die Bücher befinden sich in einem Schmuckschuber.
Jeder Band hat ein rotes Lesebändchen und die Kapitelüberschriften sind ebenfalls rot.
Insgesamt enthalten die Bücher 37 Illustrationen von Hubertus Giebe. Die mindestens ganzseitigen Illustrationen befinden sich teils auf ausklappbaren Tafeln und sind von einem Detailreichtum, der zu immer neuem Betrachten verleitet.
1987 schlug Günter Grass, von den Arbeiten Giebes beeindruckt, vor, eine von Giebe illustrierte Ausgabe des Romans zu machen. Besonders gefällt mir an dieser Ausgabe, daß sie eben nicht von Grass selbst illustriert wurde, denn im Gegensatz zur gewiß auch schönen von Grass illustrierten Butt-Ausgabe, bei der Buch und Illustrator für meinen Geschmack etwas zu nah beieinander stehen, ist es hier der Blick eines anderen Künstlers auf das Werk und die Summe hebt diese Ausgabe in neue Höhen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Mai 2002
Die Blechtrommel - ein großes Stück deutscher Nachkriegsliteratur, welches auch für den Schulunterricht immer interessanter wird. Sollten Sie wie ich sich vor die Aufgabe gestellt sehen, dieses Buch im Unterricht vorstellen zu müssen, wird Ihnen dieses Buch sehr hilfreich sein: Es bietet knappe, aber gehaltvolle Informationen und Übersichten zu Thematik, Inhalt und Aufbau und vermittelt, in einem eigenen Abschnitt, eine große Menge an brauchbarem Hintergrundwissen. Die Interpretationsansätze sind ausführlich und konsequent dargestellt. Der hervorragende Gesamteindruck dieser Lektürehilfe wird durch mögliche Aufgabenstellungen, die mit Lösungstips versehen sind, komplettiert. Dieses Buch hat mir als Schüler eines Deutsch-Leistungskurses noch im Nachhinein einen ganz anderen Blick auf Günter Grass' Blechtrommel eröffnet.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Februar 2003
Einmal gelesen und nie mehr vergessen. Der kleine Oskar wird sich wohl bis in alle Ewigkeit durch mein Hirnwindungen trommeln und dabei immer wieder besonders empfindliche Stellen treffen.
Das bekannteste Grass Werk ist ohne Zweifel ein Muss für jeden, der gerne abseits der Banal-Literatur liest. Der ganz eigene und unverwechselbare Schreibstil von Günter Grass macht das Werk zu einem Erlebnis. Mit spitzer Feder und scharfer Zunge schreibt er sich durch ein dunkles Kapitel der jüngeren Geschichte, ohne jemals den Eindruck zu erwecken belehren zu wollen.
Die scheinbare Leichtigkeit mit der er auf ironisch, leicht zynisch und gewissermaßen witzige Art Vergleiche zieht ist für mich absolut meisterhaft. Wohl niemand würde den Geruch seiner Großmutter (insbesondere den unter ihren Röcken) mit "dem leicht säuerlichen Geruch ranziger Butter" vergleichen. Einmal gelesen erkennt man jedoch, dass genau dies die absolut richtige Beschreibung ist, und man hält es für unbegreiflich dies nicht längst selbst erkannt zu haben. Genau dieses "Richtig!!-Gefühl" zieht sich durch das komplette Buch und macht es in Verbindung mit der so realitätsfremden, aber weltnahen Geschichte zu einem unvergesslichen Erlebnis.
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Ich weiß nicht, wie viele Male ich die Trommel inzwischen aktiv (als Buch) oder passiv (vom Autor vorgelesen) inhaliert habe. Aber es gab und wird wohl auch kein Buch mehr geben, das mich mehr in seinen Bann zieht als dieses.

Die unnachahmliche Art, auf die der Meister eigenes Erleben mit allgemeiner Betrachtung, dokumentierte Wirklichkeit mit unverschämt fabulöser Fiktion, erste mit dritter Person (und weiteren), klassischen Erzählroman mit verschiedenen Experimentalstilen (etwa: ein Kapitel in Art eines Theatermanuskripts, ein anderes in Form eines Märchens), Verständnis für nachvollziehbar-menschliches mit dem Entlarven beschämender Drei-Affen-Feigheit und etliche weitere vermeintliche Gegensätze, die in Wahrheit untrennbar miteinander verwandt scheinen, im gleichen - wenn auch oft unüberschaubar episch ausladendem - Atemzug zu verquicken vermag, wird mich wohl auch noch nach dem hundertsten Mal fesseln.

Mal ganz abgesehen davon, daß ich mich regelmäßig zwischen dem Eingeständnis eines Klapsmühlenaufenthalts und der Flucht vor der schwarzen Köchin dem Oskar-Universum vertraut, ja innewohnend wähne.

Pflichtlektüre!
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