4491 Pflanzen, die von den Talböden bis zum ewigen Schnee in den Alpen zwischen Nizza und Wien, in den Pyrenäen, den Karpaten, auf dem Appenin oder auf Korsika wurzeln, dokumentiert die in mehrfacher Hinsicht gewaltige (5,5 Kilo, 2670 Seiten) Flora Alpina in Wort und Bild. Das "Wort" wird in dem Werk allerdings allerdings eher eher klein geschrieben: die Beschreibungen enthalten außer der mehrsprachigen Nomenklatur ziemlich spartanisch aufgemachte Fakten zur Biologie und Ökologie in Symbol- und Zahlenform.Konrad Lauber: Des Fotografen Vermächtnis. Aber auf das Geschriebene aus der Feder von drei gestandenen Botanikern kommt es bei diesem Werk auch gar nicht so sehr an - das Werk lebt nämlich von den Fotografien. Und die sind wirklich toll! Konrad Lauber, Biochemiker und Hobby-Botaniker, zog viele Jahre durch die Alpen, um Bilder für die Dokumentation der Alpenvegetation zu beschaffen. Aus seiner Kamera stammen etwa 95 Prozent der Fotos. Zu vielen seiner Statisten gibt es unterhaltsame Geschichten. Leider kann er sie nicht mehr selber erzählen, denn er ist kürzlich im Alter von 77 Jahren verstorben. In den Medien aber findet man noch Berichte über seine manchmal skurrilen Erlebnisse. So sei Lauber mit der gesamten Ausrüstung auf einen Berg gestiegen, nur um eine Pflanze abzulichten, die er schon im Archiv hatte. Ein anderes Mal hätte er einen Tip von einem Freund bekommen, an einer bestimmten Brücke in Cellina im Friaul wüchse Friauler Kohl, ein unscheinbares gelbes Blümchen. Die Brücke hätte Lauber mit zwei Freunden leicht gefunden, doch die Pflanze nicht. Frustriert sei man zum Auto zurückgekehrt, um letzteres aufgebrochen vorzufinden. Tags drauf hätte besagter Freund sich gemeldet und kleinlaut gebeichtet, er habe die falsche Brücke angegeben. Später hat Lauber das zarte Pflänzchen doch gefunden: auf Seite 605, Bd. 1 ist der Beweis. Was selbst er nicht mehr gefunden hat, ist zum Beispiel Pyrus austriacea, die Österreicher Birne - für das Foto auf Seite 794 (Bd.1) mußte der Idealist auf einen gepressten Herbarbeleg zurückgreifen. Wer es schafft, ein lebendes Exemplar aufzutreiben, dürfte beim Verlag willkommen sein. Die folgende Zusammenfassung bezieht sich auf "Flora Alpina" und "Die Blütenpflanzen Mitteleuropas" Inhaltliche Unterschiede in den Details. Beide Werke richten sich an äußerst interessierte Laien und Experten. Zieht man für schwierige Fälle gleich beide Führer zu Rate, kommt man manchmal ins Schleudern, weil die Botaniker sich anscheinend noch immer nicht auf eine einheitliche Nomenklatur einigen können. Ein Beispiel: Der Berg-Sauerampfer nennt sich Rumex alpestris bei Aichele/Schwegler, wird aber in der "Flora Alpina" unter Rumex alpinus - Alpen-Ampfer - geführt. Sind das nun zwei verschiedene oder die gleichen Pflanzen?? Wer ganz genau wissen will, worauf er in den Bergen herumtrampelt, der greife auf die besser bestückte "Flora Alpina" zurück. Manche Pflanzen - etwa die Zottige Pfingstrose Paeonia officinalis subssp. Huthii (was für ein gräuslicher Name für ein so hübsches Gewächs!) - sind in den "Blütenpflanzen Mitteleuropas" nämlich nicht vertreten. Beide haben das Zeug zum Klassiker. In zwei Punkten allerdings unterscheiden sich beide Werke überhaupt nicht. Erstens: sie haben das Zeug zum Klassiker. Und zweitens: sie bleiben im Regal, wenn der Pflanzenfreund in der Botanik herumstreift. Da muss er sich halt mit den geländegängigeren Taschenbuch-Versionen behelfen oder die Objekte der Bestimmungslust ablichten, um die Fotos dann zu Hause mit Abbildungen in den gewichtigen Werken zu vergleichen.