Es muss Mitte der 80er Jahre gewesen sein, als ich Harry Kümels gleichnamige Verfilmung von 1971 gesehen habe. Durch diesen Film wurde mein Interesse für Surrealismus und Phantastik geweckt. Allerdings war ich damals noch viel zu jung, um Jean Rays Werk (das ich mir kurz danach besorgte) auch nur im Ansatz gewachsen zu sein. So darbte das Buch lange Jahre in einem Karton vor sich hin und fiel irgendwann einem Wasserrohrbruch zum Opfer. Nun bin ich kürzlich auf diese ansprechend gestaltete Ausgabe des Festa-Verlags gestoßen, und habe mich "Malpertuis" zum zweiten Mal gestellt.
Rezensent "s0krates" hat vollkommen Recht, wenn er schreibt, es brauche Zeit, sich mit Sprache und Erzählweise dieses Romans zurechtzufinden - in meinem Fall kann man scherzhaft sagen fast 20 Jahre - , aber gerät man erst einmal in den Sog dieser außergewöhnlichen Geschichte, wird man für seine Ausdauer belohnt. Jean Ray (eigentlich: Raymundus Joannes de Kremer) erzählt auf höchst eigenwillige Art vom jungen Jean Jaques, der das uralte Herrenhaus Malpertuis erbt, unter der Voraussetzung, darin zu wohnen. Bald schon wird Malpertuis für Jean Jaques zu einem Ort der Alpträume, an dem nicht nur er, sondern auch die einst so mächtigen griechischen Götter gefangen sind. Und auch der Leser selbst wird zum Gefangenen von Malpertuis - Gänsehaut und Beklemmungen sind garantiert.
Hervorzuheben ist auch das Nachwort des Übersetzers Rein A. Zondergeld, der darin seiner Liebe zu diesem Meisterwerk und dessen von Legenden umwobenen Autor auf respektvolle Weise Ausdruck verleiht.
Ich bin froh, mich nach all den Jahren auf eine erneute Begegnung mit diesem Werk eingelassen zu haben, und kann das Buch jedem Liebhaber anspruchsvoller Phantastik empfehlen.