Zunächst einmal handelt es sich hier um ein ausgezeichnetes allgemeinverständlich geschriebenes Wissenschaftsbuch zu einem Thema, daß sich schwer einordnen läßt. Es ist ein echtes Querdenkerbuch, das Evolutionsbiologie, Mathematik, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie, Ökologie und Psychologie verbindet. Es geht um das Wesen, die Entstehung und den Nutzen des Guten, und die schönsten menschlichen Tugenden (aber auch die schlimmsten Eigenschaften) aus wissenschaftlicher Sicht.
Ridley schreibt ausgesprochen unterhaltsam - das Buch fängt wie ein Krimi an - und schafft es auch, als trocken verschrieene Sachverhalte leicht lesbar darzulegen wie z. B. die Mathematik von Spieltheorien und die klassischen Grundstäze der Ökonomie. Es werden die verschiedenen, teils sehr gegensätzlichen historischen Theorien zum Thema vorgestellt und Ridley gelingt es, einige davon zu vereinen. Er tut dies auf ungewöhnliche Weise doch stets wissenschaftlich belegt, und es gibt am Ende des Buches einen umfangreichen Quellen- und Anmerkungsteil nach Kapiteln geordnet, also alles, was ein ordentliches Sachbuch ausmacht. Deshalb wurde es zum Wissenschaftsbuch des Jahres 1998 gekürt, und es ist auch immer noch aktuell.
Aber das ist noch nicht das Beste an dem Ganzen. Mir gefiel vor allem der Inhalt. Diese Aussagen! Ich kann an dieser Stelle nicht alles aufführen, man muß schon das ganze Buch lesen, aber je Kapitel hab ich mindestens einmal innerlich Hurrah geschrien. Hier nur die schönste Aussage: Es lohnt sich eben doch, hilfsbereit und vertrauensvoll zu sein, sich für eine Gruppe einzusetzen, und das läßt sich sogar mathematisch belegen.
Hat es Sie auch schon gewurmt, wenn manche Leute behaupten, es sei erwiesen, daß das Leben ein einziger Kampf ist, in dem nur der gewalttätigste Starke, der eigensüchtigste Raffke und der unfairste Betrüger gewinnt? Daß der Hilfsbereite bestenfalls ein schlichter Trottel ist, eher aber noch ein besonders tückischer verkappter Egoist? Daß man den von Natur aus bösen Menschen zentral reglementieren und durch den Staat zum Guten zwingen muß, daß man ihn moralisch umerziehen kann? Hat es sie gestört, daß edle Wilde im Urwald und Indianerstämme uns westlich Zivilisierten stets moralisch und ökologisch überlegen sein sollen?
Fehlten Ihnen die wissenschaftlichen Argumente, gegen solche Auffassungen? Dieses Buch liefert sie Ihnen.
In dem Buch wird die Ursachen für ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen auf wissenschaftlicher Basis erklärt und echte Lösungsansätze für einige unserer heutigen Probleme angeboten. Es wird erklärt, weshalb Politiker oder ein verwaltender Staat z. B. diese Probleme oft nicht lösen können, sie sogar oft verursachen. Es gibt im Buch auch eine (evolutionsbiologische!) Erklärung für den Charme des Sozialismus und eine weitere für sein Scheitern.
Das Buch ist auch ein schönes Geschenk für Manager, Umweltschützer und ein Gewinn für die Hausbibliothek.